07/05/2026 0 Kommentare
Zwischen Rosenkranz und Neuer Deutscher Welle - Meine erste Wallfahrt
Zwischen Rosenkranz und Neuer Deutscher Welle - Meine erste Wallfahrt
# Pilgerinitiative-de

Zwischen Rosenkranz und Neuer Deutscher Welle - Meine erste Wallfahrt
Ich muss gestehen: Ein bisschen aufgeregt war ich schon, als ich am letzten Samstag zu meiner ersten Wallfahrt aufgebrochen bin. Ziel war die Marienwallfahrt in Bergen auf Rügen – mit einem gemeinsamen Pilgerweg ab Putbus.
Warum die Aufregung? Als evangelische Christin durfte ich diesen Weg mit Impulsen begleiten. Ein spannender Perspektivwechsel.
Der Einstieg fühlte sich dann überraschend vertraut an: Wir starteten mit Lied, Gebet und Segen und machten uns mit rund 30 Menschen aller Generationen auf den Weg – Pilger oder Wallfahrer? Vielleicht beides. Immer wieder hielten wir inne, hörten Impulse, öffneten bewusst unsere Sinne für die Schöpfung, sangen gemeinsam. Vieles davon kannte ich, und doch war da von Anfang an eine besondere Intensität spürbar.
Mit Neugier ließ ich mich dann auf das Rosenkranzgebet ein. In Zweierreihen gingen wir nebeneinander und sprachen etwas 30 Minuten lang abwechselnd die. Ich war zunächst ziemlich damit beschäftigt, mich in die Worte einzufinden. So einfach es für geübte Mitbeter sein mag, ich konnte mir die Sätze nicht so einfach merken.
Und doch geschah etwas Interessantes: Schritt für Schritt verband sich der Rhythmus der Worte mit dem Rhythmus unserer Bewegung, mit der Gruppe, mit dem Weg. Und irgendwo dazwischen entstand eine leise Ahnung davon, wie sich auf diese Weise eine neue Nähe zu Gott eröffnen kann.
Kurz vor den Toren von Bergen – die Kirche St. Bonifatius bereits in Sicht – aus einer Box erklangen Hits der Neuen Deutsche Welle. Pfarrer und Jugendliche tauschten sich über Songs und Künstler aus. Ein krasser Übergang? Ja. Aber auch irgendwie stimmig: Sonne, Bewegung, Gemeinschaft – und alle Generationen gemeinsam unterwegs. Ich würde sagen: gelebte Integration.
In Bergen angekommen, wurden wir vor der katholischen Kirche in einer festlichen Atmosphäre empfangen: Pavillons, Büchertisch, ein Stand von Radio Horeb und Kaffeeduft in der Luft. Doch zunächst ging es in die Kirche. Dort erlebte ich die feierlichste Messe, die ich bisher kannte – mit Messdienern, Weihrauch und Altarschellen.
Eine Frage, die in diesem Zusammenhang immer wieder auftaucht: Was unterscheidet eigentlich eine Wallfahrt vom Pilgern? Da ich mir selbst im Nachhinein nicht ganz sicher war, habe ich bei Marion von Brechan nachgefragt. Ihre Antwort: „Die Wallfahrt ist stärker strukturiert und geprägt von religiösen Elementen und Ritualen, mit einem klaren Fokus auf Gott und einer intensiven Verbindung zu ihm. Beim Pilgern steht oft die persönliche Sinnsuche, spirituelles Wachstum oder die Buße im Vordergrund – die mehr Freiraum und Zeit haben kann.“
Das trifft es für mich ziemlich gut. Abschließend kann ich sagen, dass die Unklarheit die bleibt, mir sehr sympathisch ist. Diese Unschärfe ist ein Stück Mysterium. Und genau darin liegt doch auch etwas zutiefst Göttliches, oder? ?
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