Vielfältige Gastfreundschaft auf dem Baltisch-Mitteldeutschen Pilgerweg

Vielfältige Gastfreundschaft auf dem Baltisch-Mitteldeutschen Pilgerweg

Vielfältige Gastfreundschaft auf dem Baltisch-Mitteldeutschen Pilgerweg

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Vielfältige Gastfreundschaft auf dem Baltisch-Mitteldeutschen Pilgerweg

„Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige, ohne es zu wissen, Engel beherbergt.“ (Hebräer 13,2)

Manche Bibelverse sind erstaunlich kurz – und doch steckt in ihnen eine ganze Lebenshaltung.

Vor wenigen Wochen waren mein Mann Olaf und ich auf dem Baltisch-Mitteldeutschen Pilgerweg von Rostock nach Bad Wilsnack unterwegs. Wie viele Pilger beschäftigten uns ganz praktische Fragen: Finden wir den richtigen Weg? Hält unser Körper die Etappen durch? Wo bekommen wir etwas zu essen? Und vor allem: Wo werden wir übernachten?

Wir schliefen in Gemeindehäusern, alten Pfarrhäusern, einem Pilgerkloster, einem Hotel, einer ehemaligen Pfarrwohnung und schließlich sogar in einer Gartenlaube. Jede Unterkunft hatte ihren eigenen Charme.

In Kladrum standen zwei Klappbetten direkt neben dem Altar der Kirche. Auf dem Tisch warteten Blumen, Mineralwasser und Tee. Ohne großes Aufheben – eine gute Seele hatte an uns gedacht.

Dies war für uns ein Zeichen stiller Gastfreundschaft: Jemand hatte an uns gedacht und den Raum liebevoll vorbereitet – in einer Zeit, in der viele Haupt- und Ehrenamtliche häufig an ihre Grenzen kommen.

In Parchim sprach uns eine Pastorin am nächsten Morgen einen Pilgersegen zu. Sie legte uns beiden die Hände auf und segnete auch unseren gemeinsamen Lebensweg. Dieser Moment erinnerte uns an unsere Trauung und hat uns tief berührt.

Am meisten bewegt hat uns jedoch ein Ort ohne kirchliche Herberge.

In Muggerkuhl erwartete uns Gudrun. Wir durften in ihrer Gartenlaube übernachten. Abends saßen wir gemeinsam in ihrer Küche. Sie bereitete uns ein wunderbares Abendbrot mit drei Spiegeleiern zu. Am nächsten Morgen frühstückten wir zusammen mit ihr und ihrem Mann. Wir erzählten von unserem Pilgerweg, sie von ihrem bewegten Leben. Es wurde gelacht, gefragt und zugehört. Es war keine große Geste – und vielleicht gerade deshalb ganz besonders.

Gastfreundschaft beginnt dort, wo Menschen sich Zeit füreinander nehmen. Wo jemand fragt: „Wie war dein Weg?“„Wie geht es dir wirklich?“ oder „Was trägt dich gerade?“

Im Plattdeutschen gibt es dafür einen wunderbaren Ausdruck: „vun Harten fründlich“ – von Herzen freundlich.

Vielleicht unterschätzen wir als Kirche manchmal genau diese Kraft der Begegnung. Dabei geschieht Gottes Nähe oft ganz unspektakulär – am Küchentisch, bei einer Tasse Tee oder beim gemeinsamen Frühstück.

Der Hebräerbrief erinnert uns daran: „Gastfrei zu sein vergesst nicht.“ Gastfreundschaft ist immer auch ein Geschenk für die Gastgeberinnen und Gastgeber selbst. Und sie kann ganz klein beginnen – mit einer Tasse Tee oder drei Spiegeleiern.

Ich wünsche uns, dass der Geist des Pilgerns nicht auf den Wegen endet, sondern unseren Alltag prägt. Dass wir Menschen wahrnehmen, ihnen Raum geben und ihnen das Gefühl schenken: Du bist willkommen.

Oder wie man hier in unserer Gegend früher oft zum Abschied sagte:

„Gott befohlen.“

In diesen beiden Worten steckt eine wunderbare Botschaft:

Du gehst nicht allein.

PS: Gerne gebe ich weitere Erfahrungen zum Baltisch-Mitteldeutschen Pilgerweg weiter. Kontakt per E-Mail an sabinepetters@t-online.de.

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