31/08/2026 0 Kommentare
Maria war eine Pilgerin
Maria war eine Pilgerin
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Maria war eine Pilgerin
35 Menschen machten sich gemeinsam von Stralsund auf den Weg: zur Wallfahrt zur Glorreichen Maria von Warendorf. Evangelische und katholische Christinnen und Christen waren ökumenisch unterwegs – miteinander, neugierig aufeinander und mit der Freude, Glauben gemeinsam auf dem Weg zu erleben. Unser Quartier fanden wir im Hotel „Im Engel“ in Warendorf.
Der Weg führte uns am Freitag nach Telgte zur „Schmerzreichen Maria“. Dort beteten wir gemeinsam den Rosenkranz. Dieses Gebet begleitete uns während der gesamten Reise – unter anderem im Bus auf der Hin- und Rückfahrt und im Anschluss an die Taizé-Andacht am Samstag. Ich „beneide“ katholische Christen“ um ihre Rituale, ein anderes Verb fällt mir leider gerade nicht ein. Der Rosenkranz, im Wechsel gebetet, verband uns miteinander und verband uns mit der göttlichen Kraft.
Besonders eindrucksvoll ist mir die Predigt von Domkapitular Gregor Kauling während der Messe in Telgte in Erinnerung geblieben. Er sprach von drei entscheidenden Ansprachen, die Maria auf ihrem Lebens- und Glaubensweg erreichten und Marias ganz persönlichem Weg zwischen diesen Gottesbegegnungen. Die erste ergeht bei der Verkündigung der Geburt Jesu. Der Engel Gabriel spricht zu Maria:"Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir." Er kündigt ihr an, dass sie einen Sohn gebären und ihm den Namen Jesus geben werde. Dieser werde groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden (Lukas 1,28-33).
Die zweite Ansprache begegnet Maria im Tempel bei der Darstellung Jesu. Simeon segnet Maria und Josef. Dann richtet er an Maria Worte, die bereits auf das Leiden ihres Sohnes vorausweisen: "Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele zu Fall kommen und aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird - und deine Seele wird ein Schwert durchdringen." (Lukas 2,34-35)
Die dritte Ansprache geschieht schließlich unter dem Kreuz. Jesus sagt zu Maria: „Frau, siehe, dein Sohn!“ Und zum Jünger: „Siehe, deine Mutter!“ (Johannes 19,26–27)
Zwischen diesen drei Ansprachen liegen Wege. Während ich Pfarrer Kauling zuhörte, entstand in mir ein sehr persönliches Bild von Maria: Sie war eine Frau des Weges. Sie ist aufgebrochen, hat sich Schritt für Schritt auf Gott eingelassen und ist weitergegangen - immer wieder in etwas Neues und Ungewisses hinein. Dadurch ist sie mir als evangelischer Christin tatsächlich sehr nahegekommen.
Am Samstag gestaltete Annett Drews für uns eine Taizéandacht. Daran schlossen sich ein gemeinsames Rosenkranzgebet und persönliche Fürbitten an. Gebete, Gesang und Stille verbanden uns – und machten spürbar, dass wir eine Wallfahrtsgemeinschaft sind.
Am Abend feierten wir einen Gottesdienst in der St. Laurentiuskirche Warendorf. Anschließend zogen wir durch Warendorf. Zahlreiche Marienbögen, festlich geschmückt und beleuchtet waren von eigenen Bogenvereinen aufgebaut. Blasmusik, rote Laternen – sogenannte Bungen – gaben der Stadt ein ganz besonderes Ambiente, die ganze Stadt inklusiver zahlreicher Gäste war unterwegs, es herrschte Volksfeststimmung.
Am Sonntag „Maria Himmelfahrt“ feierten wir um 9 Uhr die Messe zu Ehren der Glorreichen Maria von Warendorf. Die Predigt von Pfarrer Peter Kossen, auch als Sozialpfarrer bekannt, wurde mit kräftigem Beifall durch alle Reihen aufgenommen. Sein Blick auf den Satz aus dem Magnificat „Gott stößt die Mächtigen vom Thron und erhebt die Niedrigen“, führte mitten hinein in unsere Gegenwart. Er sprach unter anderem von den Fahrern von Amazon und von Pflegekräften, die unsere Angehörigen versorgen – Menschen, die häufig nicht aus Deutschland kommen und einen unverzichtbaren Beitrag in unserer Gesellschaft leisten. Auch hierin wurde Maria für mich gegenwärtig: ein Blick auf diejenigen, die leicht übersehen oder sogar ausgegrenzt werden. Wiederholt kam ein Gefühl von Verbundenheit auf. Die anschließende Prozession durch die Stadt war mein persönlicher Höhepunkt. Maria wurde vorneweg getragen, dahinter ein Baldachin mit der Monstranz darunter. Es folgten Schützenvereine, Stadtobere, Blaskapelle und zahlreiche Gläubige dem geschmückten Weg. Eine große Weihrauchwolke zog mit uns durch die Straßen. Und wir sangen gemeinsam lautstark Marienlieder. Immer wieder wurde an eigens aufgebauten Altären Halt gemacht. Texte aus der Bibel über Maria wurden gelesen und durch kurze Impulse erschlossen.
Es war für mich sehr beeindruckend zu erleben, wie verbindend diese Prozession wirkte und im besten Sinne identitätsstiftend. Kirche war mitten unter den Menschen sichtbar und präsent.
Maria war auf ihrem Rücken mit einer großen silbernen Jakobsmuschel geschmückt, dem Zeichen der Pilgerinnen und Pilger. Maria war eine Pilgerin. Sie musste immer wieder aufbrechen, vertrauen, loslassen und sich neu auf Gott einlassen.
Vielleicht ist genau dies eine der schönsten Verbindungen zwischen Wallfahrt und Pilgern, Pilgern beginnt genau dort, wo wir bereit sind, uns auf diesen Weg und auf Gemeinschaft einzulassen.
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