08/10/2026 0 Kommentare
Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart – Episode 67
Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart – Episode 67
# Jubiläum250

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart – Episode 67
CARITAS BEGINN - TEIL I.

Die Wurzeln der Caritas reichen viel weiter zurück, als wir denken: Inspiriert durch den heiligen Vincenz von Paul (1581–1660), der die Grundlagen moderner caritativer Arbeit legte, entstanden im 19. Jahrhundert in Deutschland erste caritative Ordensgemeinschaften und ehrenamtliche Initiativen, wie die Elisabeth-Vereine und Vinzenz-Konferenzen, die sich um Arme und Bedürftige kümmerten.
1617 gründete Vinzenz von Paul in der Pfarrei Châtillon in Frankreich die erste Einrichtung des Dames de la Charité, die „Bruderschaft der Damen der christlichen Liebe“, eine karitative Frauenvereinigung, die sich um Arme und Kranke sorgte. Sie war die Vorgängerin der heutigen Assoziation Internationale des Charités. Die Töchter der christlichen Liebe verstanden sich bewusst als eine Alternative zur strengen Klausur der Nonnen. Eine diesbezügliche Aussage ging in die Lebensregel der Schwestern über:
„Ihr habt als Kloster die Häuser der Kranken, als Zelle eine Mietkammer, als Kapelle die Pfarrkirche, als Kreuzgang die Straßen der Stadt, als Klausur den Gehorsam, als Gitter die Gottesfurcht und als Schleier die heilige Bescheidenheit.“
Die Frauen legten kein Ordensgelübde ab, sondern ein Versprechen, das jeweils für ein Jahr galt und bis zum Tod immer wieder erneuert werden konnte. 1619 begegnete Vinzenz von Paul in Paris Franz von Sales, zu dem er eine enge Freundschaft aufbaute, die bis zu dessen Tod 1622 anhielt.
Der Weg der Vinzentinerinnen von Paris über Straßburg und München bis nach Augsburg ist ein Meisterwerk der göttlichen Vorsehung – immer wieder haben sich ganz unterschiedliche Menschen anrufen lassen, einen Beitrag zu leisten, damit die erbarmende Liebe Gottes sichtbar und fühlbar zu den Menschen in Not kommen konnte.
Geschichte der Caritas in Deutschland
Im November 1897 entstand in Köln der Deutsche Caritasverband, gegründet von einer kleinen Gruppe katholischer Sozialreformer. Das Ziel war es, Menschen in Not zu helfen und verschiedene katholische Hilfsangebote zu bündeln. Aus dieser Initiative entwickelte sich der heute größte deutsche Wohlfahrtsverband. Im Folgenden sind die wichtigsten Entwicklungsetappen beschrieben.

Bereits seit der Mitte des 19. Jahrhunderts forderten katholische Sozialpolitiker einen zentralen Verband für caritative Arbeit. Der junge Priester Lorenz Werthmann setzte diese Idee mit großem Engagement um.
Mit dem 1895 in Freiburg gegründeten "Charitas-Comité" bereitete er die Gründung des "Caritasverbandes für das katholische Deutschland" am 9. November 1897 in Köln vor.
Von Anfang an engagierte sich der Verband für zahlreiche gesellschaftliche Gruppen: Saisonarbeiter, Seeleute, sogenannte Tippelbrüder, Trinker, Menschen mit Behinderung und von Geschlechtskrankheiten Betroffene. Es wurden Kindergärten, Fürsorgeeinrichtungen, Angebote zum Mädchenschutz, zur Krankenpflege und zur Unterstützung von Frauen geschaffen.
Der Erste Weltkrieg brachte neue Herausforderungen. 1916 wurde der Caritasverband von den deutschen Bischöfen als offizieller Sozialdienst der katholischen Kirche anerkannt. Nach dem Tod von Lorenz Werthmann 1921 führte Präsident Benedict Kreutz die organisatorische Entwicklung weiter. In den 1920er Jahren entstand ein Netzwerk von Ausbildungsstätten für soziale Berufe und Weiterbildungsmöglichkeiten für Mitarbeitende, mit Schwerpunkten auf Kinder- und Jugendfürsorge, Krankenpflege und Seelsorge. Die Gründung des Sozialdienstes katholischer Frauen (SKF) durch Agnes Neuhaus war ein weiterer Meilenstein in der Professionalisierung der sozialen Arbeit.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 endete die partnerschaftliche Zusammenarbeit von Staat und Wohlfahrtsverbänden. Der Deutsche Caritasverband wurde kontrolliert, überwacht und eingeschränkt, blieb aber als einziger Wohlfahrtsverband arbeitsfähig. Konflikte entstanden insbesondere gegenüber der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt, deren Ideologie zu Zwangssterilisierungen und Morden an Menschen mit Behinderung führte. Einzelne Caritas-Mitarbeitende wie Gertrud Luckner leisteten Widerstand und halfen Verfolgten, doch es gab auch Personen und Einrichtungen, die sich nicht widersetzten.
Nach 1945 war der Caritasverband eine der wenigen überregionalen Organisationen, die sofort arbeitsfähig waren. Er kümmerte sich um die notleidende Bevölkerung, förderte Auslandshilfen, unterstützte Flüchtlinge und organisierte Familienzusammenführungen. Präsident Kreutz starb 1949, im Gründungsjahr der Bundesrepublik, als die Nachkriegsnot langsam abnahm.
Zu den traditionellen Aufgaben in Deutschland kamen neue Schwerpunkte hinzu: Ab Ende der 1950er Jahre leistete die deutsche Caritas erstmals internationale Not- und Katastrophenhilfe. Caritas international, Teil des Deutschen Caritasverbandes, ist heute in über 80 Ländern aktiv. Die Erfahrungen aus der Nachkriegszeit motivierten dieses Engagement.

Caritas in der DDR (1945–1989)
Nach der Gründung der DDR und der Bundesrepublik entstanden in Bonn und später auch in Westberlin Vertretungen des Deutschen Caritasverbandes. Das östliche Zweigbüro wurde 1951 im sowjetisch besetzten Teil Berlins eingerichtet. Die Caritasarbeit stand dort im Spannungsfeld zwischen Wohlfahrt und Politik und war auf Unterstützung aus dem Westen angewiesen. In der DDR dienten Caritas und Diakonie dem Staat als Lückenbüßer im Sozial- und Gesundheitsbereich.
Nach dem Mauerfall setzten sich die Caritas-Leitungen in Ost und West für die Anerkennung von Berufsabschlüssen und Versorgung der Mitarbeitenden in der DDR ein. Die Caritas in der ehemaligen DDR wurde nach der Wiedervereinigung als rechtlich eigenständige Vereine Teil des Gesamtverbandes und engagiert sich seitdem auch für soziale Hilfen in Ost- und Südosteuropa.
Ab 2006 wurden die Jahreskampagnen der Caritas unter verschiedene Initiativen gestellt, wie die Befähigungs-, Teilhabe-, Solidaritäts- und Demografie-Initiative sowie die Initiative für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Digitalisierung veränderte die Kommunikation grundlegend. Die Caritas bietet nun auch Online-Beratung an und engagiert sich in sozialen Medien, beispielsweise mit Kampagnen wie "Wählt Menschlichkeit". Seit 2015 unterstützt sie gezielt geflüchtete Menschen beim Neustart in Deutschland.
2020 wurde das Online-Beratungsangebot der Caritas neu aufgestellt und ermöglichte während der Corona-Pandemie durchgehend Hilfsangebote. Die Caritas engagierte sich politisch und praktisch für sozialstaatliche Sicherungen wie Kurzarbeitergeld und medizinische Ausstattung. Auch in Zukunft bleiben Herausforderungen wie Kinderarmut, steigende Energiepreise und Obdachlosigkeit im Fokus. 2022 feierte die Caritas ihr 125-jähriges Bestehen und wurde mit einer Sonderbriefmarke gewürdigt.
Wikipedia: Caritasverband für das katholische Deutschland
Wichtige Meilensteine
1897: Gründung des Deutschen Caritasverbandes in Köln.
1916: Anerkennung als offizieller Sozialdienst der katholischen Kirche.
1921: Benedict Kreutz wird Präsident, erste Auslandshilfsaktion.
1922: Alle deutschen Diözesen verfügen über einen Diözesan-Caritasverband.
1925: Über 10.000 katholisch-caritative Einrichtungen in Deutschland.
1933-1945: Arbeitsfähigkeit trotz nationalsozialistischer Repression, aber auch Anpassung und Versagen im Widerstand.
1945: Unterstützung der notleidenden Bevölkerung nach dem Krieg, Wiederaufbau sozialer Dienste.
1950er Jahre: Aufbau internationaler Caritas-Organisationen, Netzwerk Caritas Internationalis.
Um 1960: Stärkere Auslandshilfe, Unterstützung der Caritasarbeit in der DDR.
1990: Wiedereingliederung der ostdeutschen Caritasverbände nach der Wiedervereinigung.
1991-2003: Führung durch Prälat Hellmut Puschmann, Schwerpunkt auf Ostdeutschland.
1997: Verabschiedung eines Leitbilds und 100-jähriges Jubiläum.
2003: Dr. Peter Neher wird Präsident.
2004: Umfangreiche Tsunami-Hilfsaktion.
2006: Einführung der Online-Beratung.
2013: Tod von Prälat Dr. Georg Hüssler.
2021: Eva M. Welskop-Deffaa wird erste Präsidentin des Verbandes.
2022: 125-jähriges Jubiläum; Caritas in über 160 Ländern vertreten.
Chronologie der Caritas- www.caritas.de
Überarbeitet Roland Steinfurth
Gemeinde Hl. Dreifaltigkeit Stralsund
Pfarrei Sankt Bernhard Stralsund-Rügen-Demmin
Katholisches Erzbistum Berlin
Das hier berichtete erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Liebe Gemeindemitglieder, liebe Leser, Ihre eigenen Geschichten und Episoden sind immer herzlich Willkommen.
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