Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart – Episode 66-2

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart – Episode 66-2

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart – Episode 66-2

# Jubiläum250

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart – Episode 66-2

Katholische Kinder und Jugend- Arbeit

TRADITION - KATHOLISCHE MÄDCHEN - SEELSORGE

© Roland Steinfurth

Die katholische Seelsorge für Mädchen und Frauen spielt eine wichtige Rolle in der Kirche und der Gesellschaft, indem sie Mädchen und Frauen in verschiedenen Lebensbereichen unterstützt und ihnen hilft, ihre individuellen Bedürfnisse und Werte zu leben. In Stralsund hat es lange gedauert, in unserer Gemeinde war es bis zu Pfarrer Reinhold Janiszewski nicht möglich, dass Mädchen am Altar für den Ministrantendienst zugelassen wurden. Viele unserer Mädchen-Jahrgänge engagierten sich deshalb im Diakonat in der Hilfe bei der Altenpflege in St. Josef Altenheim. Die dort geleistete Arbeit und die Besonderheiten mit den Borromäerinnen, dem Pflegepersonal und insbesondere die Geschichten mit den Heimbewohnern haben etwas Eigenes aber Erzählenswertes.

Lange Jahre wurde von offizieller Seite an diesem Zustand in der Mädchenseelsorge nicht viel geändert. Eigen initiative war angesagt: So entstand mit den „Locs“ ein besonderes Mädchen-Konzept. (Es besteht leider nicht mehr!) Mädchen sind heute in den Ministranten Dienst voll integriert. Sind sogar in der Überzahl!

Auch heute noch ist Frauen und Mädchenseelsorge gerade auch in unserem Erzbistum Berlin ein ganz besonderes und heikles Thema. Inwieweit dies auch unsere Gemeinde betrifft?

Roland Steinfurth

MÄDCHEN-GRUPPEN IN STRALSUND

In Stralsund gab es eine lange Tradition der Mädchengruppen. Schon meine verstorbene Schwiegermutter erzählte davon, dass die Mädchengruppe zu ihrem Polterabend ein Ständchen vortrug. Leider wurde die Tradition später nicht weitergeführt. Nach der Wende wollten Zugezogene die Pfadfindergruppen in Stralsund einführen. (in Episode 78-7 geht es konkret um die Pfadfinder in Stralsund) Das hat aber nicht auf Dauer funktioniert. Wir Norddeutschen sind halt anders … Meine Zeit in der Mädchengruppe begann wohl nach der Erstkommunion. 

© Roland Steinfurth

Damals waren Mädchen am Altar als Ministranten nicht erlaubt und so gab es für uns halt nicht die Ministranten Stunde, sondern eine Mädchengruppe. Unsere erste Gruppenhelferin war Erna Klein (verh. Fischer) aus der Mühlenstraße. Wir trafen uns einmal in der Woche in der Pfarrei zur Gruppenstunde. Wir Mädchen aus unserem Jahrgang kannten uns ja schon vom Religionsunterricht. Den hatten wir wöchentlich mit Frau Schwerin oder später mit dem jeweiligen Kaplan. Es gab es zwei Termine in der Woche zur Auswahl und an beiden Tagen war der Religionsunterricht gut besucht. In der Schulklasse gab es keine weiteren Christen. Das ging wohl den meisten Kindern zu der Zeit so. Also hatten wir die Gemeinschaft und eine schöne Kindheit eher in der Familie und der Pfarrei mit Gleichgesinnten als bei Pioniernachmittagen in der Schule. In meiner Klasse war kurzzeitig ein Junge, der am Samstag aus religiösen Gründen vom Unterricht befreit war. Welcher Glaubensgemeinschaft er angehörte weiß ich nicht. Irgendwann kam Hartmut nicht mehr in die Schule… Bei der Mädchengruppe wurde gesungen, gebastelt, im Sommer Völkerball gespielt und im Advent besuchten wir alte Menschen, um Weihnachtslieder vorzutragen, damit Freude zu schenken und bekamen dafür manchmal Süßigkeiten. Wir waren sowas wie heute die Sternsinger. Viele alte Menschen wurden in der Häuslichkeit von ihren Angehörigen betreut oder man wohnte zusammen mit den Großeltern. Aber es gab außer dem Josefsheim auch staatliche Altersheim. So waren wir im Advent im „Käte Kern“ um Freude zu bringen. Wir sangen in einem Schlafsaal. Diese Freude an Gemeinschaft kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Ich habe es bis heute nicht vergessen. Wir führten z.B. kleine Theaterstücke zu den Altentagen im Advent auf. Das bedeutete zu der Zeit eine ganze Woche Theaterspielen im Pfarrsaal.                 

© Roland Steinfurth

Da der Platz dort begrenzt war, wurde nämlich an jedem Wochentag eingeladen. Franken, Tribseer, Innenstadt, Knieper Nord, Knieper West und am Wochenende der Landkreis. Die Gemeinschaft war immer wieder schön und Freundschaften aus Kindertagen bestehen bis heute. Da heißt es dann oft: „… weißt du noch“ und es gibt viel zu Lachen.

Doris Feistauer

THE LOCS – Die Verrückten

© Roland Steinfurth

Am 01.03.2002 trafen sich erstmals 10 Mädchen von 7 bis 14 Jahren zu einem Tanzprojekt für das Gemeindefest. Aus diesem Projekt hat sich inzwischen eine feste Gruppe von 14 Mädchen entwickelt.

Das Tanzen und das Ausdenken von Choreografien machen uns sehr viel Spaß und natürlich ist es immer wieder schön, unser Können vor Publikum zu beweisen.

Besondere Höhepunkte waren für uns Auftritte zum Gemeindefest 2002, zum Altentag, zu Jubiläen und zum Dekanatstag in Demmin.

© Roland Steinfurth

Das gemeinsame Tanzen steht natürlich bei jedem Treffen im Vordergrund, aber auch gemeinsame Partys mit Übernachtung, Spielen, Musikvideos schauen oder gemeinsames Kochen standen auf dem Programm. Am 1. März konnten wir unseren 1. Geburtstag feiern und alle waren sich einig: auch beim Ökumenischen Kirchentag in Berlin werden wir dabei sein mit einem kleinen Tanzprogramm auf der Vorpommern-Bühne. Danach wollen wir uns ein kleines Bühnenprogramm mit einigen Überraschungen zum diesjährigen Gemeindefest ausdenken.

Wer jetzt Lust bekommen hat, bei uns mitzumachen, kann sich ab dem 01. Juni bei uns melden. Wir treffen uns immer freitags von 16 bis 17.30 Uhr im Pfarrhauskeller.

EURE „LOCS“ (im Jahr 2002)

„Die eigene Bude“

Am 19.01.10 besuchte uns Frau Anja Goritzka von der katholischen Sonntagszeitung, um über unsere Gruppe zu berichten.

STRALSUND - Musik hören, chatten, quatschen. Die elf Mädchen aus der Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit haben Bedürfnisse wie alle Teenies. Nur ein Ort zum Treffen fehlt ihnen. Das wollen die Jugendlichen nun ändern. Mit Hilfe der Gemeinde bauen sie den Dachboden des Pfarrhauses aus. Unter dem Dach im Frankenwall Nummer 7 der Gemeinde Heilige Dreifaltigkeit entsteht in einem rund 26 Quadratmeter kleinen Raum ihr neues Domizil. „Treffpunkte für unser Alter gibt es hier ja nicht wirklich“, sagt die zwölfjährige Nicole.

Aber einen Anlaufpunkt zum Musik hören, Chatten oder einfach nur zum Quatschen liegt den Mädchen am Herzen. Damit es dann jedoch nicht drunter und drüber geht, haben sie verbindliche Regeln ausgearbeitet und diese mit ihrer Gründung am 29. September 2010 alle unterschrieben. „Da steht zum Beispiel, dass wir nichts kaputt machen dürfen und uns auf den anderen verlassen können", berichtet die zwölfjährige Theresia, die mit ihrer Familie rund 25 Kilometer weit weg von Stralsund in einem Dorf lebt. Auch der katholische Glaube wird Thema unter den Mädchen sein. „Drei von uns wollten katholischen Religionsunterricht machen. Das hat sich nun zu dem zweiwöchigen Treffen mit anderen Mädchen ausgeweitet“, erklärt ihre Paula. Einmal im Monat soll es nun unter dem Motto „Reden über Gott und die Welt“ um religiöse Themen, Ansichten und Meinungen gehen. Doch zunächst müssen die elf Mädchen ihren Raum herrichten.

© Roland Steinfurth

Dafür erhielten sie finanzielle Unterstützung vom Förderverein der Stralsunder Gemeinde. „Der Förderverein unterstützt uns mit 500 Euro. Wir versuchen aber auch, andere Vereine wie den Stralsunder Lions Club mit ins Boot zu holen“, erzählt die Sozialpädagogin Martina Steinfurth. Nach dem die Mädchen die Reste der alten Tapeten von den Wänden gekratzt haben. Seit einer Woche ist nun selber tapezieren und malern angesagt, bevor es ans ersehnte Einrichten geht. Doch wie misst man Bahnen aus? Wie viel Kleister muss auf die Tapete? Wie bekommt man diese dann an die Wand? Fragen, die sich die Mädchen bei praktischer Arbeit beantworten. Keine von ihnen hat je tapeziert. „Selbständig handwerklich etwas erarbeiten, können sie dann schon einmal. Das kann später nur von Vorteil sein“, ist Martina Steinfurth sicher. Nicole freut sich indes schon auf den Tag, an dem sie den Raum endlich nutzen können:

„Dann können wir uns alle endliche näher kennenlernen.“ Zwar sah man sich schon vorher in der Gemeinde, aber einige der elf Mädchen wurden erst durch Flyer auf die neue Gruppe aufmerksam.

Anja Goritzka

Zum ersten Teil der Episode in dem Frau Doris Feistauer von den Erlebnissen so anschaulich aus ihrer Mädchengruppenzeit berichtet, gibt es wie auf den Bildern zu sehen, noch andere die darüber erzählen könnten. Auch aus anderen Jahrgängen der Mädchengruppen in Stralsund, gibt es sicher Lustiges und Erzählenswertes. Traut euch!

Im zweiten Teil, heute sind die verrückten Girls, junge Frauen und Mütter, wäre es nicht an der Zeit eine Wiedersehensfeier zu organisieren und die eigenen Töchter mit einzuladen. Manchmal braucht es nur einen kleinen Anstoß. Also sollte es noch selbst erlebte Geschichten und Bilddokumente, der dabei Gewesenen geben, hier könnten sie erzählt werden. Es gab auch Reisen (Bayern, Berlin u. a.), die unvergessen geblieben sind. Da ist zum Beispiel der „Katholikentag in Berlin mit einem Video-Auftritt vor der  damaligen Frauen und Jugendministerin unter Bundeskanzler Helmut Kohl, Angela Merkel. Lasst uns, wenn möglich im Nachgang alle noch Mal daran teilhaben. Danke!

Noch eins liebe Leser, wenn sie unseren Pfarrhof betreten, ist rechter Hand unser Christopherus Haus in dem die verrückten Mädels im obersten Stock hinter den zwei sichtbaren Fenstern ihr zu Hause hatten. Eventuell erzählen Sie uns ja, was damals dort so abging.

Überarbeitet Roland Steinfurth

Gemeinde Hl. Dreifaltigkeit Stralsund

Pfarrei Sankt Bernhard Stralsund-Rügen-Demmin

Katholisches Erzbistum Berlin

Das hier berichtete erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Liebe Gemeindemitglieder, liebe Leser, Ihre eigenen Geschichten und Episoden sind immer herzlich Willkommen.

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Katholische Kirchengemeinde Pfarrei St. Bernhard Stralsund/Rügen/Demmin • Frankenstr. 39 • 18439 Stralsund

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