18/09/2026 0 Kommentare
Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart – Episode 66-1
Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart – Episode 66-1
# Jubiläum250

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart – Episode 66-1
Katholische Kinder und Jugend- Arbeit
TRADITION
Religiöse Kinder Woche (RKW)
Kirchliche Jugendarbeit ist für Jugendliche ein Lebensort unter vielen anderen, der eingebunden ist in einen pluralen, konkurrierenden Freizeitmarkt in einer komplexen, nahezu unüberschaubaren Gesellschaft mit zahlreichen Chancen, Risiken, aber auch Zwängen. Damit ist die kirchliche Jugendarbeit herausgefordert, zeitbezogen ihr Profil zu akzentuieren, ihren Sinn zu klären sowie die Attraktivität und Bedeutung ihres Angebots zu belegen. Kirchliche Jugendarbeit eröffnet Räume, bietet Gelegenheiten und macht Angebote zur Aneignung der Optionen des Evangeliums. Sie ist ein sozialer Ort, an dem biografische Identität zum Ereignis wird.
Sie verbringen gemeinsam ihre Freizeit, feiern ihren Glauben, setzen sich für die Interessen von Kindern und Jugendlichen ein, und übernehmen als Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter Verantwortung. Dabei erwerben sie auch Kompetenzen, die ihnen die Schule so nur selten vermittelt.
Die Religiösen Kinderwochen (RKW) haben ihren Ursprung in der Anfangszeit der DDR und wurden von katholischen Kirchengemeinden als Kontrapunkt zu den Ferienspielen der staatlichen Schulen geschaffen. Die Treffen fanden unter Anleitung Erwachsener eine Woche lang in den Gemeinderäumen statt. Heute sind die RKW vor allem in Ostdeutschland beliebt, gewinnen jedoch auch in den westdeutschen Kirchengemeinden an Verbreitung.
Die RKW sind ein zentraler Baustein der Kinderpastoral und des katechetischen Lernens von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen.
RKW in Hl. Dreifaltigkeit Stralsund
Diesmal eine Episode ohne Bilder. Liebe Leser, liebe Gemeindemitglieder, Bilder von diesen Kinder/Jugendaktionen hat sicher jeder noch in seinem Fotoalbum oder eben auch in Gedanken von Begebenheiten mit Gleichaltrigen, mit denen man für diese Zeit ein Zimmer teilte. Auch besondere Aktionen sind in Erinnerung geblieben, ja diese Kinder und Jugendzeit mit den RKWs hatte was. Manchmal unvergesslich!
Seit Jahrzehnten beschäftigen sich jedes Jahr Kapläne, Seelsorgehelfer-innen und junge Erwachsene zu neuen Themen mit den Kindern der Gemeinde. Die Schulferien waren wie perfekt geeignet dazu. Die inhaltliche Vorbereitung der RKW wird jährlich von einer Diözese übernommen und beim St.-Benno-Verlag Leipzig als Materialpaket verlegt. Derzeit beteiligen sich daran unser Erzbistum Berlin, das Bistum Dresden-Meißen, das Bistum Erfurt und das Bistum Magdeburg. Für die haupt- und ehrenamtlichen RKW-Begleiter finden im Vorfeld Einführungsveranstaltungen statt, um sie mit dem Thema und dem vorbereiteten Material vertraut zu machen.
Eine RKW fand meistens in den Sommerferien statt und dauert eine Woche. Später waren die RKW mit einer einwöchigen Fahrt verbunden, so dass die Kinder die komplette Zeit zusammen verbringen. Andere RKW fanden tagsüber in den Gemeinderäumen statt. Neben den thematischen Einheiten wird eine RKW häufig mit Spielen, Ausflügen und Gottesdiensten gestaltet. Einige Gemeinden bieten für alle Gemeindemitglieder ein Abschlussfest und / oder einen Gottesdienst an, in dem das Thema und die Lieder der RKW eine große Rolle spielen. Bei uns in Stralsund gibt es jedes Jahr nach der RKW immer ein ganz besonderer Gottesdienst voller Frohsinn und Gesang.
In einigen Gemeinden ist es außerdem üblich, zusätzlich in den Winter- oder Herbstferien eine RKW anzubieten. Auch dies ist bei uns in Stralsund momentan ursus. Zur Unterscheidung werden die Veranstaltungen begrifflich meist mit „Sommer-RKW“, „Winter-RKW“ und „Herbst-RKW“ bezeichnet. Auch mit solchen Zwischen RKWs waren wir gelegentlich auch unterwegs.
An die RKWs als Kind Ende der 50iger und Anfang der 60iger kann ich mich nicht mehr richtig erinnern. Erst an die, wo ich als junger Erwachsener mitfahren durfte, sind Erinnerungen da. z.B. 1974 in Zinnowitz mit Kaplan Vopravil unter dem Titel „Ihr seid meine Freunde“, (dazu dann jeden Tag der Woche ein anderes Thema: Montag-Wir leben miteinander; Dienstag-Meine Freunde: die Ausgestoßenen; Mittwoch-Meine Freunde: die Kranken; Donnerstag-Meine Freunde: eure Feinde; Freitag-Meine Freunde: die Sünder und Samstag-Wir sind alle Freunde) Am Sonntag waren wir dann wieder in Heilige Dreifaltigkeit zurück und haben mit der Gemeinde zusammen einen festlichen Gottesdienst gefeiert.
Eine RKW die mit ihrer Lebendigkeit hängen geblieben ist, das war die RKW in der wir mit Jona in Ninive unterwegs waren. Es müsste 1984/85 gewesen sein. Kaplan war zu dieser Zeit Joachim Beschorner. Wer kennt nicht die Geschichte um Jona:
(Jona war ein Prophet, den Gott auserwählt hatte, um das Volk von Ninive zur Umkehr zu bewegen. Doch Jona war nicht bereit, diesen Auftrag auszuführen und floh stattdessen mit einem Schiff in die entgegengesetzte Richtung. Doch auf See geriet das Schiff in einen schweren Sturm, der so stark wurde, dass die Seeleute befürchteten, das Schiff würde sinken. Sie vermuteten, dass Jona der Grund für den Sturm war, und warfen ihn über Bord. In diesem Moment schickte Gott einen Wal, der Jona verschlang und ihn für drei Tage und drei Nächte in seinem Bauch behielt. Während dieser Zeit betete Jona zu Gott und bereute seine Flucht. Schließlich spuckte der Wal Jona wieder an Land und Gott gab ihm erneut den Auftrag, das Volk von Ninive zur Umkehr zu rufen. Dieses Mal gehorchte Jona und verkündete das Wort Gottes den Menschen in Ninive. Zu seiner Überraschung hörten die Menschen auf seine Worte und kehrten tatsächlich um. Gott verschonte Ninive und Jona erkannte, dass Gottes Barmherzigkeit für alle Menschen gilt, auch für diejenigen, die er für Sünder hielt. Die Geschichte von Jona und dem Wal ist ein Beispiel für Gottes Gnade und Barmherzigkeit und zeigt, dass jeder Mensch eine zweite Chance verdient hat. Es zeigt auch, dass Gott manchmal ungewöhnliche Mittel einsetzt, um uns auf den richtigen Weg zurückzubringen.)
Besonderes wurde dann zum Abschluss Gottesdienst dieser RKW auf dem Pfarrhof präsentiert. Der Pfarrei eigene B1000 (Auto aus DDR-Zeiten – ein Barkas) wurde mit Zeltplanen eingehüllt und die hintere Kofferklappe wie ein Walfischmaul geöffnet. So konnte unser Wal sogar Erwachsene verschlucke. Ein Spaß der in Erinnerung bleibt!
Zwei weitere RKWs unter der Regie von Kaplan Andreas Sommer haben auch bleibendes hinterlassen. Da ist die bunte Regenbogenfarbene RKW von 1999 mit ihren farbigen Gottesbildern: Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Violett.
Rot: In unserer katholischen Kirche symbolisiert es Blut und Feuer; Pfingsten, Leiden Christi und Märtyrerfeste. In der evangelischen Kirche an Pfingsten, Apostel- und Märtyrerfeste.
Orange: Gilt orange als Farbe der Freiheit.
Gelb: Sie ist die leuchtendste Farbe und assoziiert die Sonne, die meisten Religionen schreiben deshalb der Sonne eine zentrale Bedeutung zu, und verehrten sie als lebensspendende Gottheit.
Grün: Grün ist Leben, grün wächst, grün kommt - hoffentlich immer wieder. Für uns Christen ist der Heilsbringer Jesus mit frischen grünen Palmwedel in Jerusalem einzog.
Blau: Spielt eine zentrale Rolle. Die Gottesmutter Maria schmückt ein blauer Mantel, nach der ihr zugeordneten Rolle verkörpert sie Ruhe und Innerlichkeit, Treue und Tradition.
Violett: In vielen anderen Kulturkreisen, verbindet sich die Welt des Körpers (rot) mit der Welt des Geistes und Himmels (blau) zu einer faszinierenden Mischung.
So bunt, voller Farben gestaltet mit bunten Tüchern und Fahnen war unsere Pfarrkirche „Heilige Dreifaltigkeit“ nicht oft.
Dann gleich im Jahr darauf 2000 der „Dreifaltige Gott“, der uns begegnet im Raum, als Geschenk, im Wort, an jedem Ort, als ein tägliches Fest.
(Wer ist der Gott, an den wir glauben? Diese Frage steht über dem Dreifaltigkeitssonntag, der in der katholischen Kirche am Sonntag nach Pfingsten gefeiert wird. Es ist der Gott, der sich uns Menschen in Jesus Christus als Vater, Sohn und Heiliger Geist geoffenbart hat, so lautet das christliche Bekenntnis. Ein Gott in drei Personen.)
Auch dieser Abschluss Gottesdienst ist in Erinnerung geblieben. Die Kirche war voller großer und kleiner Kleeblätter. Dreifaltigkeit ist das Kleeblatt. Dieses Symbol ist besonders hilfreich, weil es ein einfaches und visuelles Beispiel ist, das die Dreieinigkeit aufzeigt. So wie ein Kleeblatt aus drei Blättern besteht und dennoch eine Einheit bildet, stellt das Kleeblatt Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist dar:
Vater: der die Welt erschuf,
Sohn: Jesus Christus, der in die Welt kam und die Liebe Gottes zeigte,
Heiliger Geist: der uns die Kraft gibt, im Sinne Jesu Christi weiterzuleben.
Ein Kleeblatt zeigt, dass Gott in drei Personen existiert, die untrennbar miteinander verbunden sind, und macht die Dreifaltigkeit für die Kinder greifbarer.
Und da ist auch noch die RKW von 2003 im mecklenburgischen Neu Sammit mit dem leider viel zu früh verstorbenen damaligen Kaplan, Pfarrer Wolfgang Lehmann, der gebürtiger Mecklenburger war. In dieser RKW war in besonderer Weise die Ökumene Thema. Diese RKW-Woche hatte folgenden, inhaltliche Tagesthemen.
Da berühren sich Himmel und Erde / Wie orthodoxe Christen gläubig leben
Uns verpflichtet das Wort / Was evangelischen Christen wichtig ist
Beim letzten Abendmahle / Wie katholische Christen ihren Glauben feiern
Viele Zweige aus einem Stamm / Was Christen miteinander verbindet
Vater, lass uns eins sein / Jesus betet für seine Jünger
Beim Abschluss Gottesdienst zu Hause, kam der 3. Thementag mit Aktivitäten ganz intensiv zu tragen.
Die letzte RKW an der ich aktiv mit meiner Frau (sie war auch noch bei späteren RKW aktiv dabei) dabei war, ist die von 2010 mit Kaplan Vincensius Nana Ekajana Visca, der heute Pfarrer in Wittenberge ist. Ort dieser RKW mit drei munteren Erwachsenen und einem ausgezeichneten vielköpfigen Küchenteam war Dreilützow bei Wittenburg, Das Thema 2010 war: Gott find ich gut … – Eine Gottsucher-RKW
Sucht ihr mich, so findet ihr mich. Wenn ihr von ganzem Herzen nach mir fragt, lasse ich mich von euch finden – Spruch des Herrn. Jer 29,12 Was ist nötig, damit die Kinder einen tragfähigen Glauben erhalten? Der bedeutende Konzilstheologe Karl Rahner würde wohl so darauf antworten: „Der Fromme von morgen wird ein Mystiker sein, einer, der etwas erfahren hat, oder er wird nicht mehr sein.“ Mit diesem Wort waren wir mitten im Anliegen der RKW. Den Kindern aufdecken, dass ihr Leben – auch und gerade außerhalb der Kirchenmauern – ein Leben in der Gegenwart Gottes ist.
Ralf, Klara und Willi, drei muntere Erwachsene wurden zu Kindern. Die RKW begann mit Tag 1: Wo find ich IHN? – Die Gottsuche beginnt. Detektivbüros werden gegründet, die sich eine eigene Satzung geben. Erste Versuche der Gottsuche beginnen bei christlichen Symbolen und an vertrauten Orten.
Tag 2: Spuren sichern! – In der Schöpfung den Schöpfer suchen. Ein beliebter Ort der Gottsuche ist die Schöpfung Gottes. Gemeinsam schaut man sich (auch die unbelebte) Natur an, um die Kinder zum Staunen zu bringen.
Tag 3: Zeugen gesucht! – Wer hat IHN erlebt? Wenn andere Menschen von ihrer Gottesbegegnung berichten, dann werden plötzlich Wege gezeigt, wie ich auch in meinem Alltag Gottes Spuren entdecken kann.
Tag 4: Sein Versteck! – In Freud und Leid. Es fällt leicht, positive Erlebnisse mit Gott in Verbindung zu bringen. Schwieriger wird es, in Leid- und Notsituationen an Gott festzuhalten. Beide Aspekte betrachtet diese Einheit.
Tag 5: Nur nicht aufgeben! – Der eigenen Sehnsucht folgen. Nach Augustinus treibt uns die Unruhe des eigenen Herzens in die Arme Gottes. Wenn wir uns dieser Kraft bewusstwerden, kann die Sehnsucht nach Gott ein Motor für die Gottsuche bleiben.
Tag 6: Auftrag erfüllt? – Jetzt geht’s erst richtig los. Es wird die Suche nach Gott zeitlebens nie abgeschlossen sein.
Die Liebe ist der Königsweg zu Gott. Die Liebe zu Gott wiederum muss sich im Alltag zeigen in der Liebe zu meinem Nächsten. So fügt sich Puzzleteil um Puzzleteil zusammen, und doch bleibt das Bild unvollendet, da Gott immer noch größer ist. Im Sonntags-Abschluss-Gottesdienst in Stralsund war alles in Bewegung und auf Gottsuche. Vielleicht konnten viele nach diesem Gottesdienst im doppelten Sinne sagen „Gott find ich gut …“
So wie bei mir diese besonderen RKWs im Gedächtnis geblieben sind, gibt es sicher für andere Gemeindeglieder ganz andere RKWs oder wie man seit geraumer Zeit betont auch RJWs. Es wäre schön auch darüber mal etwas zu hören. Geschichten gibt es dazu sicherlich genug, nur muss sie auch jemand erzählen und aufschreiben. Schon im Voraus schon einmal ein Dank an die Mutigen, die ihre Geschichte hier dann auch erzählen.
Auch in diesem Jahr 2026 veranstaltet die Pfarrei Sankt Bernhard, zu der inzwischen auch unsere Gemeinde Heilige Dreifaltigkeit Stralsund gehört, in den Herbstferien für Kinder und Jugendliche der 1. bis 8. Klasse eine Herbst RKJW. Diese findet unter dem Motto „Mensch Mose, beweg dich!“ in Nehringen statt. Anmeldungen sind noch möglich. Wir sind schon auf den Abschlussgottesdienst nach der RKJW ganz gespannt.
Überarbeitet Roland Steinfurth
Gemeinde Hl. Dreifaltigkeit Stralsund
Pfarrei Sankt Bernhard Stralsund-Rügen-Demmin
Katholisches Erzbistum Berlin
Das hier berichtete erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Liebe Gemeindemitglieder, liebe Leser, Ihre eigenen Geschichten und Episoden sind immer herzlich Willkommen.
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