04/09/2026 0 Kommentare
Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart – Episode 65-4
Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart – Episode 65-4
# Jubiläum250

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart – Episode 65-4
Erlebnisse katholische Jugend Stralsund
Taizé der Beginn und ein Vermächtnis
Am Ostersonntag des Jahres 1949, dem 17. April, legten sieben junge Männer ihr Gelübde ab: Sie wollten gemeinsam in Einfachheit leben, ihre Güter teilen und ehelos bleiben. So entstand die Communauté de Taizé, Prior wurde Frère Roger. Schon zuvor hatten die Männer gemeinsam mit Geneviève, der Schwester Frère Rogers, Menschen geholfen, die während des Zweiten Weltkriegs aus Deutschland geflohen waren. Eine Ordensregel schrieb Frère Roger erst ein paar Jahre später. Wichtiger war, erst einmal anzufangen.
Taizé ist in den vergangenen 75 Jahren zu einem bedeutenden Ort geworden – auch für die Ökumene: Kürzlich folgte als Prior auf den Katholiken Frère Alois der Anglikaner Frère Matthew; und die ersten sieben Brüder von 1949 waren evangelisch. Nachdem Frère Roger von Joseph Ratzinger bei der Begräbnisfeier von Papst Johannes Paul II. die Kommunion erhalten hatte, gab es Diskussionen um eine mögliche Konversion zum katholischen Glauben. Frère Alois dementierte eine Konversion später und erinnerte an ein Zitat von Frère Roger aus dem Jahr 1980: "Ich habe meine Identität als Christ darin gefunden, in mir selbst den Glauben meiner Herkunft mit dem Geheimnis des katholischen Glaubens zu versöhnen, ohne mit irgendjemand die Gemeinschaft abzubrechen." Das bedeutet nach meinem Verständnis: Entscheidend ist nicht das, was uns zu trennen scheint – sondern das, was uns verbindet.
In der Theologie wird Ökumene bis heute häufig genug so gedacht: Es werden unterschiedliche Glaubensvorstellungen diskutiert, Gemeinsamkeiten gesucht und Kompromisse gefunden, um dann gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Taizé stellt diesen Ablauf vom Kopf auf die Füße: Hier wird gemeinsam gebetet und gefeiert – und falls währenddessen Fragen aufkommen, kann man die ja später klären. Vielleicht kann diese Herangehensweise und die Geschichte von Taizé ein wichtiger Impuls in den theologischen Bemühungen um eine Einheit der Konfessionen sein: Erst einmal anfangen – und die Praxis, wie sie etwa in Taizé seit Jahrzehnten funktioniert, nicht der Theorie unterordnen. Und dann schauen wir mal, was in 75 Jahren daraus geworden sein wird.
Taizé ist ein Symbol der ökumenischen Bewegung. Der Ort im südlichen Burgund ist Sitz einer christlichen Gemeinschaft und wurde zum Treffpunkt für Jugendliche aus aller Welt. Der Bruderschaft gehören rund 100 Männer aus etwa 30 Ländern an, die aus der evangelischen und katholischen Kirche stammen. Von ihnen lebt etwa ein Viertel in kleinen Gemeinschaften in Asien, Afrika und Südamerika. Diese Brüder teilen ihr Leben mit Straßenkindern, Gefangenen, Sterbenden und Einsamen.
Sie wurde in den 1940er Jahren von dem reformierten Theologen Roger Schutz gegründet. Der damals 25-jährige Pfarrerssohn aus der Schweiz wollte in der Zeit des Zweiten Weltkriegs "die Zerrissenheit unter den Christen und die Konflikte in der Menschheit" überwinden helfen. Dazu zog er sich am 20. August 1940 in das kleine französische Dorf Taizé bei Cluny zurück.
1942 floh er wegen einer drohenden Verhaftung und lebte bis zum Kriegsende in Genf. Dort begann das gemeinsame Leben der ersten Brüder, ehe sie 1944 nach Taizé zurückkehrten. An Ostern 1949 legten sie ein endgültiges Lebensengagement ab, welches das gemeinsame Leben in Ehelosigkeit, materieller und geistiger Gütergemeinschaft und großer Einfachheit umfasst.
Die Gemeinschaft, die bald Freunde in unterschiedlichen Kirchen und zahlreichen Ländern Europas hatte, hat seit 1962 eine Versöhnungskirche, die seither der Mittelpunkt von Taizé ist. Die Bruderschaft gründete Niederlassungen in mehreren Ländern und nahm 1969 erstmals auch katholische Brüder auf. Schwerpunkt der Arbeit ist - neben der Ökumene - Solidarität mit den Armen und Rechtlosen in der Welt.

Die Kommunität inspiriert seither Tausende Jugendliche. Für viele Menschen - Jung und alt - ist die Gemeinschaft in Frankreich der zentrale Ort für gelebte christliche Werte. Bekannt wurde die Kommunität durch einprägsame, meditative Lieder, die unter Christen in aller Welt verbreitet sind.
Seit im August 1974 in Taizé Zehntausende zu einem "Konzil der Jugend" zusammenkamen, veranstalten die Brüder regelmäßig Jugendtreffen in allen Teilen der Welt. Jährlich findet zudem über Silvester in einer europäischen Stadt ein Taizé-Treffen statt, zuletzt in Riga, Basel, Wroclaw (Breslau), Turin, Rostock und Ljubljana/Slowenien.
Der Gründer Schutz starb 2005 mit 90 Jahren an den Folgen eines Attentats. Er war am 16. August 2005 von einer psychisch kranken Frau beim Abendgebet mit Messerstichen attackiert worden. Frère Roger galt als einer der großen spirituellen Persönlichkeiten des Christentums.
Ihm folgte im Amt des Taizé-Priors der deutsche katholische Theologe Alois Löser (Frère Alois). Seit Ende 2023 ist der Brite Frère Matthew, mit bürgerlichem Namen Andrew Thorpe, der dritte Prior von Taizé. (KNA, 23.07.2023/epd, 16.04.2024)
Taize-Gründer Frere Roger wollte die Christen versöhnen
Ein Mann - ein Hügel - ein Charisma
Vor 70 Jahren legte der Gründer der Gemeinschaft von Taize mit sechs Gefährten ein lebenslanges Bekenntnis ab. Es war die vielleicht entscheidende Station auf einem geistlichen Weg, der Kirchengeschichte schrieb.
In Europa dunkelsten Jahren wollte er einen neuen Weg gehen. 1940 wählte er den Hügel von Taize in Burgund, um auf neue Weise Gemeinschaft zu leben: Brüderlichkeit und Verbundenheit, zwischen den Generationen, Völkern, aber auch zwischen den Konfessionen. Die Communaute von Taize wurde weltberühmt. Ihr Gründer, der Schweizer Frere Roger Schutz (1915-2005), legte am Ostersonntag vor 70 Jahren gemeinsam mit seinen ersten sechs Brüdern ein lebenslanges Versprechen ab.
Das Phänomen Frere Roger ist oft beschrieben worden. Als Sohn eines calvinistischen Pfarrers im Schweizer Jura geboren, ist er das neunte Kind der Familie. Zunächst drängt ihn wenig zur Religion. Roger ist dankbar, dass andere, etwa seine Großmutter Marie-Louise, so fest glauben können, dass es für ihn auch noch reicht. Und schon von Kindheitstagen ist ihm vom wortkargen Vater wie von der liebevollen Großmutter vertraut, dass Protestanten auch in einer katholischen Kirche beten und Gott erreichen können.
Kindheit voller Musik, Gastfreundschaft und Krankheiten
Es ist eine Kindheit voller Musik, Klavier, voller Gespräche, Spaziergänge und großer Gastfreundschaft. Aber auch mit Krankheiten. Roger selbst erkrankt schwer an Tuberkulose und schwebt zeitweise zwischen Leben und Tod. Als Jahre später seine Lieblingsschwester Lily ebenfalls todkrank wird, sucht er intensiv die Nähe zu Gott - und er erkennt erst in dieser tiefen Sehnsucht, dass er den Glauben bereits besitzt. Sein anschließendes Theologiestudium ist für ihn mehr Mittel als Freude. Tätige Nächstenliebe im Vertrauen auf Gott - das wird fortan seine Leidenschaft.
Im Zweiten Weltkrieg (1939-1945) sucht der Schweizer einen Ort, um in Gemeinschaft mit Gleichgesinnten leben und zugleich Kriegsflüchtlingen helfen zu können. Im Sommer 1940 findet er nahe dem einstigen Reformkloster Cluny das verfallene Weindorf Taize; einen heruntergekommenen, geistlich verwaisten Flecken. Nur ein paar Kilometer sind es von der Demarkationslinie zwischen der NS-besetzten Zone und dem sogenannten freien Vichy-Frankreich. Hier versteckt Roger jüdische und politische Flüchtlinge. Doch 1942 wird er denunziert und muss in die Schweiz zurückkehren.
Erste ökumenische Ordensgemeinschaft
1944 schließlich vollzieht sich, was ein Skandal und ein überraschender Welterfolg wird: Aus der evangelischen Brüdergemeinschaft von Taize entsteht bis Ostern 1969, vor 50 Jahren, die erste ökumenische Ordensgemeinschaft der Kirchengeschichte - und ein Magnet für viele Millionen Jugendliche aus aller Welt. Ein Fest, eine dauernde christliche Suche. Für den Konzilspapst Johannes XXIII. (1958-1963) ist Taize ein "kleiner Frühling" und Frere Roger ein Motor für die ökumenische Bewegung. Alle Päpste seither schätzen den Protestanten und suchen das Gespräch mit ihm.
Zu den unumstößlichen Überzeugungen des Taize-Gründers, dem Gastfreundschaft über alles geht und der sich Zeit für jeden Menschen in großen und kleinen Nöten nimmt, gehört die Befreiung von allem Ballast: kein Besitz, keine Rechtstitel und Privilegien, keine Archive und Bilanzen, keine Erstarrung oder Selbstzufriedenheit.
Suchen, am besten im Gespräch mit der Jugend - immer neu den guten Weg suchen im Vertrauen auf den, dem diese Suche gilt: Gott.
Von einer verwirrten Frau erstochen
Frere Roger wirkt auch nach außen; er besucht Asien, Afrika, überwindet heimlich den Eisernen Vorhang. Er schreibt Briefe an die Jugend der Welt, selbst als er auf den Knien jenen Säugling hat, den ihm Mutter Teresa aus den Slums von Kalkutta 1976 als Patenkind anvertraut. Ein Organisations-Chaos beim Jugendtreffen? Der Zwang zu improvisieren, um für Zehntausende Essen zu beschaffen? Sehr gut - so muss es sein.
Frere Roger predigt und lebt lebenslang Freiheit und Gottvertrauen. Vielleicht auch deshalb gelingt die Fortsetzung des Abenteuers Taize, nachdem sein Gründer am 16. August 2005 einen so unsinnigen Tod stirbt: Der Friedenssucher und Friedensbringer Roger Schutz wird, 90-jährig, beim Abendgebet in der Kirche von Taize von einer verwirrten Frau erstochen, inmitten von Brüdern und betenden Jugendlichen. Die Gemeinschaft trägt ihn lautlos aus der Kirche, und die Gemeinschaft setzt ihr Gebet fort - das tatsächlich immer auch die Suche nach ihrem Weg ist.
Taizé in der DDR – Hoffnung im Flüsterton
Mit besonderem Blick auf Stralsund und Kaplan Bernhard Grönwald
In einem Land, wo Hoffnung oft unter dem grauen Mantel der Staatssicherheit verborgen lag, wo religiöses Leben zwar offiziell „geduldet“, aber nie frei war, da flackerte dennoch ein Licht. Ein Licht, das leise sang, das betete – und das Widerstand leistete: Taizé. Ein Funke aus dem französischen Burgund bei uns in der DDR. Die Communauté de Taizé, gegründet vom Schweizer Frère Roger in den 1940er Jahren im französischen Burgund, war ein ökumenisches Lebenszeichen. Ihre Gesänge – schlicht, meditativ, eindringlich – fanden ihren Weg durch eiserne Vorhänge, über Mauer und Stacheldraht hinweg. Besonders in den 1970er und 80er Jahren sehnten sich viele Jugendliche in der DDR nach Spiritualität, Gemeinschaft und Wahrheit jenseits staatlicher Parolen. Taizé wurde für viele von ihnen ein Symbol jener Freiheit, die innerlich beginnt.
Stralsund – Ein Fenster nach Taizé
Im hohen Norden der DDR, am Strelasund, begann sich in den späten 70-80er Jahren ein besonderer Ort für diese Bewegung zu formen: Stralsund. Und an vorderster Front stand hier ein Mann, der für viele zu einer Art „Taizé-Gitarrist“ war – Kaplan Bernhard Grönwald.
Kaplan Grönwald war kein Mann großer Worte – aber einer vollen Musik und Lieder im Kleinen. In der Jugendseelsorge der katholischen Kirche wirkte er in Stralsund und später als Diözesan-Jugendseelsorger des Bistum Berlins. Dort baute er beharrlich eine Jugendgruppe auf, die mehr wollte als nur Kirchenunterricht. Sie wollte leben, singen, glauben – und hoffen
Mit einer tiefen Liebe zur Musik von Taizé führte er Jugendliche in meditative Gebete ein. In Kirchenräumen, auf Jugendwochenenden, manchmal auch heimlich – fern der neugierigen Augen der Stasi. Die Taizé-Gesänge, oft nur mit Gitarre begleitet, wurden zu einem geistlichen Atemholen inmitten des politischen Drucks.
Grönwald verstand es, die Spiritualität von Taizé mit der Lebenswirklichkeit in der DDR zu verbinden. Er machte die Einfachheit des Glaubens spürbar. Für viele war seine Jugendarbeit ein sicherer Ort – nicht nur im geistlichen, sondern auch im emotionalen Sinn. Hier durfte man Fragen stellen. Hier durfte man zweifeln. Und: Hier durfte man leise glauben.
Obwohl Reisen nach Taizé selbst für DDR-Bürger nicht möglich waren, entstand durch Grönwald und andere ein lebendiges Netzwerk, das Informationen, Lieder, Gebetstexte und Erfahrungsberichte von West nach Ost schmuggelte – ganz im Geiste der Brüder von Taizé. In Stralsund fanden regelmäßig Taizé-Gebete statt, später auch Jugendtage und ökumenische Begegnungen, oft mit Gästen aus Polen oder der Tschechoslowakei.
Kaplan Grönwalds Mut bestand darin, dass er nie den direkten politischen Konflikt suchte – aber auch nie wich, wenn es um die geistige Freiheit ging. Damit wurde er für viele Jugendliche in der DDR zu einem Wegbereiter eines gelebten Christentums im Geist von Taizé.
Heute erinnern sich viele ehemalige DDR-Christen mit leuchtenden Augen an jene Abende mit Kerzenlicht, wiederholtem Gesang und innerer Sammlung. Der Weg nach Taizé war ihnen versperrt – aber Taizé kam zu ihnen, durch Männer wie Bernhard Grönwald, durch ihre Lieder, ihre Gebete, ihren Geist.
Wenn du heute in Stralsund in eine Kirche trittst und irgendwo noch ein „Ubi Caritas“ leise gesungen wird, dann weißt du: das Feuer brennt noch. Da ist Pastor Albrecht Mantei von der evangelischen Nikolai-Kirche, der in guter Regelmäßigkeit mit Jugendlichen direkt nach Taizé fährt und auch in Stralsund fast monatlich Taizé-Andachten hält. Es lohnt sich dort mal dabei zu sein.
TAIZE BERÜHRT UNS
Ein großes emotionales Erlebnis war für mich in DDR-Zeit das Taize Treffen in Magdeburg 1980??
Meine Frau konnte leider nicht dabei sein, die Kinder waren noch zu klein.
Ich konnte in verschiedenen Gesprächskreisen mit anderen Teilnehmern aus aller Welt, die Betonung liegt auf, "aus aller Welt" ungezwungen über Gott und die Welt diskutieren.
Die Hauptveranstaltung im Dom zu Magdeburg war für mich als Musiker besonders interessant. Diese einfachen Gesänge, teilweise auch mehrstimmig, in ständiger Wiederholung, so etwas hatte ich zuvor noch nie erlebt. Obwohl sie ständig wiederholt wurden, waren sie nicht langweilig. Dieses Auf-und Abebben der Musik ergab ein Gemeinschaft Gefühl, das ich so nicht kannte. Zu den Gesängen gab es Fürbitten, Gebete, auch frei formulierte, und Lesungen.
Eine Lesung war das Gleichnis von den Hausherren, der zur Hochzeit eingeladen hatte. Doch alle hatten eine Ausrede, um nicht zu kommen.
Der Höhepunkt war die persönliche Begegnung mit Frere Roger! Für jeden, der über 1000 Versammelten hatte er ein Wort und gab ein Zeichen in die Hand. Diese persönliche Berührung hat mich sehr und bleibend beeindruckt.
Im Umfeld dieses Treffens lernte ich 3 Personen näher kennen. Eine Engländerin, eine Französin und einen Dresdner. Shan, Jacqueline und Andreas. Die drei wollten nach dem Treffen, mit dem in Magdeburg einen Ausflug zum Wörlitzer Park machen und baten mich, mitzukommen. Eigentlich wollte ich am Montag wieder zu Hause sein und zur Arbeit gehen. Da fiel mir das Gleichnis über die Einladung zur Hochzeit wieder ein und ich fuhr mit nach Wörlitzer.
Da es noch kein Mobiltelefon gab und nur wenige ein Telefon hatten, schickte ich ein Telegramm nach Hause. "Ich komme später, Grund: Matthäus 22,1-5". Mit Shan, Jacqueline und Andreas hatten wir als Familie noch lange Kontakt, waren zur Hochzeit von Andreas eingeladen. Von Shan habe ich noch einige Musikstücke und Tanzbeschreibungen für Kreistänze bekommen. Ich verwende sie teilweise noch heute.

Peter Sitte
Gemeinde Hl. Dreifaltigkeit Stralsund
Der Beginn – In DDR-Zeiten – Selbst vor Ort
Seit ihrer Gründung auf einem Hügel im französischen Burgund hat die Brüdergemeinschaft von Taizé einen starken Deutschland-Bezug. Während des Zweiten Weltkriegs versorgte Roger Schutz, der Gründer von Taizé, jüdische Flüchtlinge und deutsche Kriegsgefangene. Deutschland war von Anfang an ein sehr wichtiges Mitglied. Die ersten Brüder kamen in den 50er Jahren nach Berlin.
Und als die Mauer gebaut wurde hat ein Bruder gesagt:“, wenn die nicht in den Westen kommen können, dann müssen wir dahin gehen!“ Und so reisten regelmäßig Brüder in die DDR ein – als Touristen. Sie trafen Christen und Gemeinden, legal- aber in den 60er und 70er Jahren nie von der DDR-Führung abgesegnet, geschweige denn bewilligt.
1980 konnte Bruder Roger auch zum ersten Mal in die DDR kommen. Da gab es Gebete in Dresden, in Erfurt und in Leipzig, 1986 sogar in Berlin - - In Ostberlin! Mit unserem ehemaligen Kaplan Bernhard Grönwald, der inzwischen Berliner Diözesan-Jugendseelsorger im Bistum war, durften wir dabei sein.
„Ich sehe die wirklich ganz, ganz volle Hedwigs Kathedrale. Die vielen Leute, die von Taizé gehört hatten oder auch nicht, aber gekommen waren. Vieles musste da mehr oder weniger ganz im Geheimen ablaufen.
Wer aus unserer Gemeinde dabei war und sich noch an die Unternehmungen mit Kaplan Bernhard Grönwald erinnern kann, sollte sich melden, Episoden reißen nicht ab und es gibt bestimmt erzählenswertes das nach so langer Zeit wert ist öffentlich zu werden.
Das Berliner Taizé-Treffen und die anderen zuvor, auch die, die dann folgten, haben eine Rolle gespielt auf dem Weg zur friedlichen Revolution.
Monat für Monat reisen jetzt Tausende von jungen Leuten für eine Woche oder länger nach Burgund. Besonders über die Ostertage ist es etwas ganz Spezielles. Das Erleben vor Ort hinterlässt wohl bei jedem bleibende Spuren und eine immer wieder wache Verbindung zum Taizé-Gedanken.
Die Ökumene ist das Zentrum der Bemühungen der Bruderschaft von Taizé Die theologischen Gedanken, welche Taizé-Gründer Roger Schutz geleitet haben, werden anhand des folgenden Zitates deutlich:
"Oh Gott, Vater aller Menschen, du bittest jeden von uns, Liebe dorthin zu tragen, wo Arme erniedrigt werden, Freude dorthin, wo die Kirche entmutigt ist, und Versöhnung dorthin, wo die Menschen uneins sind, der Vater mit dem Sohn, die Mutter mit der Tochter, der Mann mit seiner Frau, der Glaubende mit dem, der nicht glauben kann, der Christ mit seinem nicht geliebten christlichen Bruder. Du bahnst uns diesen Weg, damit der zerstückelte Leib Jesu Christi, deine Kirche Ferment der Gemeinschaft sei für die Armen der Erde und für die ganze Menschheitsfamilie. Uns beide lässt das Leiden in der heutigen Welt nicht ruhen. Angesichts der Wunden der Menschheit werden uns die Spaltungen unter den Christen unerträglich. Werden wir unsere Trennungen aufgeben und uns von der Angst voreinander freimachen? Wozu bei jeder Streitigkeit danach suchen, wer recht und wer unrecht hatte?"
Besonders prägend für Taizé sind neben den Gottesdiensten und deren Musik auch die Bekanntschaften mit anderen Besuchern. Je nachdem, wie eine Gesprächsgruppe besetzt ist und welchen Leiter sie hat, verlaufen die Gespräche völlig unterschiedlich.
Der von den Brüdern gewollte theologische Pluralismus setzt sich also bis in die Kleingruppen fort. Die Bandbreite der Besucherschaft ist dabei enorm:
Katholische Christen, Mönche und Priester, Orthodoxe, evangelische Christen und Pastoren, Lutheraner, Atheisten, Charismatiker und Leute aus der Pfingstbewegung, Baptisten, Okkultisten, Hindus, Muslime, und noch viele andere Gruppen trifft man in Taizé neben der konfessionellen Breite trägt zum Pluralismus auch die große Anzahl von unterschiedlichen Nationen bei, die in Taizé vertreten ist. Insgesamt muss man feststellen, dass sich die meisten Besucher weniger rational und lehrmäßig mit dem beschäftigen, was an Lehre in Taizé vorhanden ist, als vielmehr die Ökumene gefühlsmäßig erleben.
Das mag vor allem auch daran liegen, dass die Gottesdienste in der Woche keine Predigten enthalten, sondern fast ausschließlich liturgisch geprägt sind durch die Gesänge von Taizé
Das Gefühl der Friedfertigkeit und Verbundenheit untereinander ist enorm groß, wenn man einem Gottesdienst von Taizé beiwohnt. Auch am späteren Abend, nach dem letzten Gottesdienst, macht sich durch Gitarrenspiel und Gesang eine harmonische Stimmung breit, die viele Taizé-Besucher sehr schätzen.
Ein weit verbreitetes Phänomen ist aus diesem Grund auch das sogenannte "Taizé-Loch", in welches nicht wenige Besucher fallen, wenn sie nach einem Taizé-Besuch wieder in die harte Alltagsrealität zurückkehren müssen.
Durch die Taizé-Brüder gibt es zu jedem Jahreswechsel ein Taizé-Treffen, viele große Städte waren schon Gastgeber. Hinfahren, ich kann nur zuraten, eine Erfahrung zu machen, die sich lohnt!
2005 am 16.August 2005 vor über 25 Jahren fällt Bruder Roger in Taizé einem Gewaltverbrechen zum Opfer. In der großen Versöhnungskirche dort verletzt ihn eine offenbar geistig verwirrte Frau mit Messerstichen tödlich, während des Abendgebetes, mitten in der vollbesetzten Kirche.
Bruder Roger war einer der großen europäischen Christen in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Seine Botschaft der Versöhnung und der Offenheit prägt bis heute die Bruderschaft von Taizé, die dann von dem deutschen Prior Bruder Alois geleitet wird. Viele Besucher halten an einem schlichten Grab vor der alten Dorfkirche inne – seines Dorfes „Taizé“. F. Roger steht auf dem schlichten Holzkreuz.
Roland Steinfurth
Unverhofft nach Taizé

Zur Osterfahrt der katholischen Jugend Mecklenburg in Teterow vom 28.03. – 07.04. 2015 war kurzfristig ein Begleitfahrer ausgefallen, so wurde über Facebook ein Hilferuf getwittert. Spontan hat mich meine Frau animiert, mich zu melden und mein Angebot wurde angenommen. Zwei Jugendreferenten, ich und 21 katholische Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren brachen auf, Taizé kennenzulernen. Erster Höhepunkt, im Hamburger Dom gab uns der gerade in sein Amt eingeführte Erzbischof Stefan Hesse ganz persönlich seinen Reisesegen.
Taizé heißt Teil einer christlichen Gemeinschaft sein, gemeinsam zu beten und zu singen, sich zu anderen meist jungen Menschen aus verschiedenen Ländern auszutauschen, auf praktische Art zum Gemeinschaftsleben beizutragen, sich eines schlichten Lebensstils bewusst zu werden und die herrliche Landschaft Südburgunds auch im Nieselregen zu genießen. Eigentlich sollte jeder einmal in Taizé gewesen sein und selber die dort herrschende Atmosphäre erlebt haben. Schon am Tag der Ankunft fand der Empfang für die Karwoche statt. Mit allen notwendigen Informationen ausgestattet, wurden wir in die dort herrschenden Gepflogenheiten eingewiesen. Am Abend des Gründonnerstags waren alle Anwesenden eingeladen, an der Geste der Fußwaschung teilzunehmen. Am Karfreitag herrschte um 15Uhr auf dem ganzen Hügel zum Andenken an die Todesstunde Jesu mehrere Minuten Stille und am Ostermorgen nach dem Osterfeuer wurde der Gruß „Christus ist auferstanden – Er ist wahrhaft auferstanden!“ zur Freude aller in 20 Sprachen der gerade anwesenden Nationen ausgerufen. Diese gemeinsamen Gebete morgens, mittags und abends waren etwas Besonderes. Man spürte das wir alle – wo immer wir auch herkommen – was immer wir glauben – durch Christus und in Gemeinschaft mit Gott verbunden sind. Wenn du mit tausenden Menschen singst, fühlst du dich als Teil einer unendlichen Gemeinschaft; und du kannst im stillen Gebet einen inneren Frieden finden. In diesen Momenten kannst du dich auf dich selbst konzentrieren und bist, obwohl du zwischen tausenden andrem Menschen sitzt, ganz allein und fühlst dich eins mit Gott dem Vater im Himmel. Es waren schöne, unvergessliche Ostertage in Taizé. Danke das ich so unverhofft dabei sein durfte.
Ja, die Grüße an Bruder Leo (Thomas Wedig), einen Cousin der Familie Wedig aus unserer Gemeinde habe ich ausgerichtet. Schöne Grüße an uns alle hier im Nordosten Deutschlands zurück von den Brüdern aus Taize und besonders von Bruder Leo.
Roland Steinfurth
Taize-Andacht in Binz

Seit ein paar Jahren bietet jeden Dienstag das Tourismuspastoral im Erzbistum Berlin in Person von Frau Marion von Bechan Taize ‘Andachten in der Kiche Stella Maris" an. Die Kommune von Taize entstand zu Beginn des 2. Weltkrieges Die Initiatoren waren von der gleichen Leidenschaft für die Einheit der Christen beseelt. Sie haten die Vision, dass die getrennten Kirchen einen weiteren Schritt gehen müssen – einen Schritt: der Gemeinschaft unter den Christen, um Frieden auf der Erde zu schaffen.
Lichter führten den Weg in die Kirche. Die Kirche war mit vielen illuminierten Kerzenlichter geschmückt, die das Ganze besonders machten.
Taize-Andachten sind eine Form des gemeinsamen Gebets. Sie zielen auf die innere Einkehr. Zirka 30 Leute waren der Einladung gefolgt.
Was sie von Andachten unterscheidet, sind Musik und Gesang, Gebete. Zunächst die Lieder von Taize, sie alle waren für mich beeindruckend. Schön war auch, dass ein Urlauber mit Trompete den Gesang begleitete.
Die Lieder sind kurz und einprägsam, werden möglichst mehrstimmig gesungen und vor allem oft wiederholt. Dies ist eine Form der Meditation. Das zeigte sich beim Singen, dass einige der Teilnehmer bereits längere Erfahrungen mit Taize ‘Andachten hatten.
Anschließend wurde ein kurzer Bibeltext gelesen, dem eine Zeit der Stille folgt. Beim Innehalten und Ruhefinden können wir vor Gott bringen, was uns bewegt
Ich bin mit frohem Herzen nach Hause gefahren. Es ist ein wunderbares Angebot für unsere Gäste, aber auch für die Gemeindemitglieder. Ich habe keine große Erfahrung mit Taize'-Andachten. Bisher war ich nur bei einer Andacht in einer großen Halle in Leipzig beim Katholikentreffen. Das gesamte Fluidum, und die vielen Menschen in der großen Halle das hat mich damals beeindruckt. Dies war auch ein Grund, die Taize'-Andacht in Binz zu besuchen. Bei uns auf der Insel Rügen Gebet mit Gesängen, die Bedeutung der Stille im gemeinsamen Gebet, die Gestaltung des Gebetsortes mit vielen jungen Menschen ist schon etwas ganz Eigenes. Es tat gut dabei gewesen zu sein.

Danke an Frau von Brechan!
Norbert Diener
Überarbeitet Roland Steinfurth
Gemeinde Hl. Dreifaltigkeit Stralsund
Pfarrei Sankt Bernhard Stralsund-Rügen-Demmin
Das hier berichtete erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Liebe Gemeindemitglieder, liebe Leser, Ihre eigenen Geschichten und Episoden sind immer herzlich Willkommen.
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