Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart – Episode 65-1

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart – Episode 65-1

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart – Episode 65-1

# Jubiläum250

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart – Episode 65-1

Die Mönche auf Hiddensee wollten vor allem Gott dienen.

Hier auf Hiddensee, still und abgeschieden, fern aller Reize dieser Welt, hatten sie ihr Kloster gegründet. Entbehrungsreich wollten sie leben, arm und arbeitsam. Kein Wunder, so schreibt ein Kenner des Zisterzienser-Ordens, daß die Mönche im Durchschnitt nicht älter als 28 Jahre wurden. Außer Wäsche zum Wechseln besaßen sie je ein Paar Sandalen und Schuhe, weiter eine Schreibtafel mit Stift, ein Messer und eine Nadel. Alle waren sie bartlos und trugen eine große Tonsur.

Sie macht den Wunsch der Mönche sichtbar, in Abgeschiedenheit zu leben. Die Mönche schliefen angekleidet, denn zwischen ein und zwei Uhr in der Frühe wurde zum ersten Stundengebet geläutet. Vor jeder Mahlzeit wuschen sich die Mönche die Hände und täglich das Haupt. Von daher kam dem Brunnenhaus, eine besondere Bedeutung zu.

Noch heute geht es in einem Zisterzienser-Kloster fast so zu wie zu Zeiten der Klostergründung auf Hiddensee. Wer heute in ein Kloster eintritt, so erzählt ein Mönch aus unseren Tagen, will sein ganzes Leben auf die Suche nach Gott ausrichten: "Wir Zisterzienser glauben nach wie vor, daß Gott nur in der Stille und Abgeschiedenheit gefunden werden kann" (Pater Gabriel, Marienstatt).

Fast zweihundertfünfzig Jahre lang lebten Mönche auf unserer Insel Hiddensee. Die äußere Geschichte ihres Klosters verlief, so schreiben Chronisten übereinstimmend, im Allgemeinen friedlich und gedeihlich. An Reibungen und Fehden um Pachtabgaben, Fischereirechte, Nutzungsverträge und Beleidigungen hat es auch auf Hiddensee nicht gefehlt. Sie verliefen aber in Maßen und in der Regel ohne Blutvergießen. 1373 brannte es im Kloster. Brandstiftung kann die Ursache dafür gewesen sein. 1389 wurde bei einem zweiten Brand das Kloster teilweise vernichtet. Beim Wiederaufbau kam es auch zum Bau einer neuen Kirche innerhalb der Klostermauern. Erst 1410 konnte die neue Kirche geweiht werden. Die lange Bauzeit läßt Rückschlüsse auf die Dauer des Baues der Klosteranlage aus der Zeit zu, als die Mönche nach Hiddensee kamen. An der Spitze der 20 bis 30 Mönche auf Hiddensee stand der Abt. Einer von ihnen, Johannes Runnenberg (gest. 1475) erfuhr besonderes Andenken durch einen Grabstein in der Inselkirche, der dort noch heute zu sehen ist. Die Hiddenseer Äbte trugen die Würde des Bischofsstabes, eine Ehre, die nur wenigen Klöstern zugesprochen wurde. 23 Äbte soll es von 1296 bis 1534 auf Hiddensee gegeben haben. Sie hatten der Gerichtsbarkeit vorzustehen, die dem Kloster für die Insel übergeben wurde. Sie waren Verhandlungsleiter und Ratgeber für weite Bereiche des Lebens. Abt Otto gehörte zu denen, die bei der Gründung der Greifswalder Universität 1456 mitverantwortlich waren. Er verehrte der Greifswalder Universität 1458, zusammen mit den Äbten von Neuenkamp und Pudagla (Insel Usedom), zwei Szepter, die heute noch zu bewundern sind. Hiddenseer Mönche waren, so kann man nachlesen, gelegentlich an den Universitäten in Rostock und Greifswald als Studenten eingeschrieben. In Stralsund gab es einen speziellen Hiddenseer Abthof, eine Art Niederlassung und Herberge für Belange des Hiddenseer Abtes. Und die Visitation des Hiddenseer Klosters wurde, wie schon erwähnt, vom Abt aus Neuenkamp geleitet. Als Abt Johann von Neuenkamp 1428 eine Visitation vornahm, tadelte dieser die Hiddenseer Mönche. Sie würden ihr geistliches Amt nicht mit "der nötigen Andacht und geistigen Freude ausüben. Auch der Gesang ... ließ zu wünschen übrig, da die Mönche Wörter und Silben verschluckten und die Pausen nicht richtig innehielten". Er ordnete auch erneut an, daß das Gebot des Schweigens bei Androhung von Strafe energisch zu halten wäre. Vor allem ging er aber dagegen vor, daß der eine oder andere Mönch Eigentum besaß, das nicht der Ordensregel entsprach. Allein der Abt hatte dafür zu sorgen, daß jeder Mönch das erhält, was er nötig braucht. Nicht zuletzt wurde neu eingeschärft, daß keine Frauen, auch nicht Verwandte der

Mönche, das Klostergelände zu betreten haben. Im nächsten Jahr, so steht in der Chronik verzeichnet, wurden diese und weitere Verordnungen erneut verlesen und eingeschärft.

Wir haben bereits gelesen, daß es dem Hiddenseer Kloster von Anbeginn an wirtschaftlich gesehen ziemlich gut ging. Das lag vor allem am Reichtum des Mutterklosters Neuenkamp. Im Laufe der Jahrhunderte hatte das Kloster aber schwere wirtschaftliche Krisen durchzustehen. Von einem manchmal erwähnten sagenhaften Reichtum der Mönche auf Hiddensee kann keine Rede sein. Man mußte gelegentlich sogar Kredite aufnehmen, um für die notwendigste Ernährung der Mönche sorgen zu können. Ein Beweis für die "normale" Ausrüstung des Klosters Hiddensee ist durch das genaue Verzeichnis der Herzöge von Wolgast und Pommern gegeben, das am 3. Juni 1525 aufgestellt wurde. Die herrschenden Kreise der damaligen Zeit "sicherten" auf ihre Weise die Bestände der Klöster. Das meiste der wertvollen und beweglichen Güter unseres Klosters, wie auch der Besitz anderer Klöster, verschwand sicherlich in den Privatschatullen der reichen Oberschicht.

Autor: Inselpastor Manfred Domrös im Ruhestand seit 2008

Geschichten von Gestern und aus der näheren Gegenwart

Siebente Geschichte

Sundische Katholische Jugend

(Jugend-Sommerzeit im Haus von Maxe Jung)

Eine Tradition, die nach dem Tod von Maxe Jung, leider nicht fortgeführt werden konnte. Er verstarb gut betreut im St. Josef Altenheim in Stralsund. Danke an Ihn in guter Erinnerung und das er sein Haus immer offenhielt und der Gemeinde zur Verfügung stellte. Viele der heute Mitte-Ende 70.-Jährigen bis zu denen die mittlerweile Ende 80 sind waren in den Sommern ihrer Jugendzeit mit dabei.

© Roland Steinfurth

Unvergesslich für den einen oder anderen. Ein Ort katholischen Glaubens, auf ganz besondere Art. Deshalb hier einige Bilder aus der Zeit. Sollten noch Erlebnisse, Geschichten oder Bilder um und über diese Zeit existieren hier kann man diese erzählen und zeigen. Auch Bilder können Geschichten erzählen. Denn die kleine berühmte Insel Hiddensee gehörte lange Zeit zum Seelsorgebereich unserer katholischen Gemeinde Hl.Dreifaltigkeit. Ab 1964 war sie Teil unserer Gemeinde „Heilige Dreifaltigkeit“ Stralsund, Davor gehörte sie zur Gemeinde St. Bonifatius Bergen auf Rügen.

Was die damals Jugendlichen auf der Insel im Haus von Maxe Jung und an anderen Orten so erlebten und veranstalteten, muss kein Geheimnis bleiben. Wenn ich an die Räume denke, die wir nutzen konnten. Einfach und ohne Komfort, aber es war gut. Sonne, Sand und Meer gab es gratis und eine kurzweilige, erlebnisreiche Gemeinschaft nur mit den weniger älteren Helfern. Ein paar Tage ohne große Aufsicht. Danke schön an alle die dabei waren und besonders an die Helfer, die das möglich machten!

Auch andere Begebenheiten und Erlebnisse die Gemeindemitglieder mit dieser uns so nahen, aber doch nur per Schiff zu erreichenden Insel

Achte Geschichte

Pastoren von Hiddensee - Ein Leben im Visier der Macht

Bis 1948 war für Pastor Arnold Gustavs mit Familie die Insel sein zu Hause.  Mit der Gründung der DDR 1949 prägten vor allem zwei evangelische Pastoren bzw. ein Ehepaar das kirchliche Leben auf der Insel. Von Katholischer Seite waren nur sporadische sonntägliche Besuche der Pfarrer möglich. Es sei denn, der eine oder andere katholische Pfarrer machte Inselurlaub! Bis 1964 wurde die Insel von der Gemeinde St. Bonifatius Bergen betreut. Dann ab 1964 gehörte die Insel Hiddensee katholisch zu unserer Gemeinde Heilige Dreifaltigkeit.

© Roland Steinfurth

Die evangelischen Pastoren waren ab Anfang 1957 das Theologenehepaar Dr. Walter Arnold und seine Frau Traute Arnold. Ab 1986 übernahm Pastor Manfred Domrös die Aufgaben des Inselpastors. Er wurde zu einer prägenden Figur der kirchlichen Friedensbewegung und war maßgeblich in die Bewegung „Schwerter zu Pflugscharen integriert. (siehe Episode 62-3)

Für viele ganz normale DDR-Bürger war Hiddensee ein Sehnsuchtsort, eine Insel der Stille und der flüchtigen Freiheit. Doch für die Inselpastoren war dieses Stück Land kein Refugium, sondern ein Schauplatz unaufhörlicher Zersetzung. Ein Leben in der kleinen Inselgemeinde glich einem schleichenden Prozess der Isolierung, orchestriert von einer unsichtbaren, aber allgegenwärtigen Macht: der Staatssicherheit.

Die Pastoren waren dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) ein Dorn im Auge. Nicht, weil sie Gesetze nicht einhielten, sondern weil sie die Präsenz des staatlichen Machtanspruch in Frage stellten. Die Kanzel war einer der wenigen Orte, an denen Worte fielen, die nicht von der SED vorgegeben waren. Die Stasi begann, Pastoren und überhabt kirchliche evangelische und katholische Mitarbeiter wie ein kriminelle Subjekte zu behandeln. Ziel war es, diese gesellschaftlich und anderweitig unglaubwürdig zu machen und möglichst komplett zu isolieren.  

Die Geschichte der Insel ist ein Symbol für die systematische Entrechtung. Während die Insel heute Touristen empfängt, bleiben DDR-Schicksale eine offene Wunde.  

Neunte Geschichte

Ein Ferienparadies im Visier der Macht

Die Insel Hiddensee nahm in der DDR eine paradoxe Doppelrolle ein: Sie war einerseits ein Symbol für individuelle Freiheit und ein Refugium für Künstler und Oppositionelle, andererseits lag sie als streng bewachtes Grenzgebiet unter der permanenten Beobachtung der Staatssicherheit (Stasi).

© Roland Steinfurth

Hiddensee galt als „Geheimtipp“ und Nische. Aufgrund ihrer abgeschiedenen Lage und ihrer Tradition als Künstlerkolonie (z. B. durch Asta Nielsen, Gerhart Hauptmann) zog die Insel Menschen an, die sich dem konformen Druck des DDR-Alltags entziehen wollten.

Künstler, Intellektuelle und Freigeister verbrachten dort die Sommermonate, oft in Saisonjobs. Es war ein Ort des Austauschs, der fernab der staatlich verordneten Kunstdoktrin des „Sozialistischen Realismus“ existierte.  Für viele DDR-Bürger war ein Urlaub auf Hiddensee ein seltener Ausdruck von Freiheit, auch wenn der Komfort oft spärlich war. Die geografische Nähe zu Dänemark (nur wenige Kilometer Luftlinie) machte Hiddensee aus Sicht der DDR-Führung zu einem hochsensiblen Bereich.

(siehe Episode 35-2, die Brückner Flucht) Die Insel war Grenzgebiet. Das hatte zur Folge, dass der Zugang streng kontrolliert wurde. Nachts herrschte am Strand ein generelles Verbot, um Fluchtversuche über die Ostsee zu verhindern. Sogar die Mitnahme von Luftmatratzen ins Wasser wurde teilweise eingeschränkt, da diese als potentielle Fluchtmittel angesehen wurden. Die Staatssicherheit hatte ein massives Interesse an der Insel, gerade weil sich dort so viele unangepasste Personen aufhielten. Die Überwachung war omnipräsent. Sowohl die Bewohner als auch die Touristen wurden überwacht. Gäste mussten feste Unterkünfte nachweisen, was eine engmaschige Kontrolle der Reisetätigkeit ermöglichte.

Das MfS (Ministerium für Staatssicherheit) setzte Informanten (IMs) ein, um die Szene der Künstler und Oppositionellen auszuspionieren und Stimmungsbilder über „subversive“ Strömungen zu erhalten.  

Ein bekanntes Beispiel ist der Roman „Kruso“ von Lutz Seiler, der das Leben auf der Insel in den letzten Tagen der DDR thematisiert und das Schicksal derer einfängt, die dort auf ein „anderes“ Leben hofften, während sie gleichzeitig unter dem ständigen Blick des Staates standen.

Zusammenfassend war Hiddensee kein „freier“ Ort im westlichen Sinne, sondern eine „Insel der Nischen“. Sie war ein Raum, in dem geistige Freiheit möglich schien, aber immer mit dem Risiko der staatlichen Repression erkauft wurde.

Das Spannungsfeld zwischen Überwachung, beruflicher Ausgrenzung und der Rolle der Kirche auf Hiddensee spiegelt das Leben in der DDR im Kleinen wider. Da die Insel durch ihre Lage als Grenzgebiet besonders exponiert war, wurde sie zum Brennglas staatlicher Repression.

Die Kirche auf Hiddensee war – wie vielerorts in der DDR – ein Sonderfall und oft ein zweischneidiges Schwert. Die Inselkirche bot einen der wenigen Räume, die nicht unmittelbar unter der Kontrolle der SED standen. Hier konnten Lesungen, kleine Konzerte oder Diskussionen stattfinden, die außerhalb der kirchlichen Mauern sofort verboten worden wären. Pfarrer und kirchliche Mitarbeiter, sei es evangelischerseits oder katholischerseits, wurden daher oft zu Anlaufstellen für Menschen, die nach Orientierung suchten.

Ein bekanntes Beispiel für die ambivalente Geschichte der Hiddenseer Kirche ist die Debatte um den Inselpastor der NS-Zeit, Gustavs. Sein Wirken wurde nach der Wende kritisch aufgearbeitet, was zeigt, dass die Geschichte der Kirche auf der Insel weit in die Zeit vor der DDR zurückreichte und stark von den jeweiligen politischen Systemen geprägt war.

Zehnte Geschichte

Aus Schlesien vertrieben und auf Hiddensee gelandet!

„Vitte auf Hiddensee“ 1950 – 1976

Im Juni des Jahres 1950 kamen meine Eltern mit 6 Kindern nach Vitte auf der Insel Hiddensee. Mein Vater der Postangestellter war übernahm das Postamt in Vitte, zwei Briefzusteller und eine Reinigungskraft gehörten zu seinem Team. Wir bezogen eine 2 ½ Zimmer Wohnung mit großer Kochküche und einer Dachkammer. Die Toilette war wie fast überall auf der Insel auf dem Hof. Wir kamen eigentlich aus Schlesien, aus Neuwaldauin der Gegend von Freystadt war das Zuhause unserer Familie. Dort betrieb mein Vater eine kleine Landwirtschaft und war nebenbei noch als Postbote tätig. Als sogenannte Umsiedler fanden wir zunächst in Netzeband bei Wolgast ein Unterkommen. In einer einzigen kleinen Stube, Mutter, Vater und wir 6 Kinder! Die da sind mein Bruder Gerhard Scholz (verst.) und meine Schwestern Monika Luschtinetz, Edeltraud Kruske, Regina Piehl (alle schon verst.), es lebt noch meine Schwester Rita Haller sowie meine Wenigkeit. Es war wie ein Lottogewinn, daß mein Vater die Poststelle mit Wohnung auf der Insel Hiddensee bekam.

Es gab noch Poststellen auf Hiddensee, eine in Kloster, die andere in Neuendorf. Die Post kam täglich per Boot von Schaprode auf der Insel Rügen. Post.- und behördlich gehörten wir zur Stadt Bergen auf Rügen. Im September des Jahres 1950 kamen drei der Geschwister in die Schule in Vitte. Ich war dabei und wir machten alle dort den Abschluss bis zur 8. Klasse. 10 Klassen waren damals auf der Insel noch nicht möglich. Später holten einige die 10.Klasse in Gingst oder in Bergen nach.

© Roland Steinfurth

Für uns kam das nicht in Frage, wir hätten alle eine Unterbringungsmöglichkeit gebraucht. Das war zu dieser Zeit für meinen Vater finanziell nicht möglich. In Ausbildung und Lehre gingen wir später in Bergen, Greifswald und Stralsund. Wir hatten eine schöne Kindheit in Vitte. Im Sommer Düne, Sand und Ostseewellen, im Herbst und Winter eher Ruhe und ein bisschen Einsamkeit. Aber wir hatten ja uns Geschwister, zu spielen, toben und streiten.

Was ich noch erwähnen wollte, wir sind auch katholisch! In  Niederschlesien, die nächste größere Stadt war Sagan im heutigen Polen wo unsere Familie herkam, gab es nur Katholiken. ( „Daheim, war`s aale so!“) Auf der Insel die Leute und besonders die Fischer waren überzeugt evangelisch, dazu dann noch das Plattdeutsch, das so ganz anders klang wie zu Hause. Wenige katholische Christen gab es auf der Insel. In der DDR-Zeit wurde gelebter Glaube kaum bis gar nicht unterstützt. Die evangelischen Pastoren in Kloster hatten daher eine besondere Aufgabe, Gläubigkeit zu zeigen und festzuhalten.

Katholischer Gottesdienst fand, wenn möglich in der evangelischen Kirche in Kloster statt. Es waren meistens Kapläne von der Insel Rügen oder aus Stralsund, die mit Jugendlichen auch Gottesdienst in der evangelischen Kapelle in Neuendorf feierten. Wie auf einer Wanderung ging es zu Fuß von Neuendorf über Vitte nach Kloster. Bei uns in Vitte kehrten Sie ein, meine Mutter hatte immer frischen Kuchen (Schläscher Sträselkucha) gebacken, den mit den butterreichen, dicken Streusel oben auf. Getränkewaren natürlich auch vorbereitet, bevor es weiter nach Kloster ging. Oft übernachteten Sie dann bei Maxe Jung in Kloster.

In den Sommermonaten hielten Pfarrer oder Kapläne, die Urlaub auf der Insel machten, die Gottesdienste. Ansonsten hörten wir im Radio auch mal die katholischen Gottesdienste, Fernsehen kam erst später. Es war ein gutes Einvernehmen mit der evangelischen Gemeinde in ihrer schönen Inselkirche unsere Gottesdienste zu feiern, denn wir Katholiken waren nicht viele und zumeist alles Flüchtlinge. (Kochen konnte meine Mutter, da gab es ja so bekannte Spezialitäten, wie „Schläsches Himmelreich“ oder „Puttermilch mit Broatkartuffeln“)

Meine Mutter suchte alle katholischen Familien auf der Insel wegen der Kirchensteuer auf. So kamen gute Kontakte untereinander auch für uns Kinder zustande. Für uns Kinder kam ein Religionslehrer 14 täglich, eher wohl einmal im Monat aus Stralsund, denn kirchlich gehörten wir zur Gemeinde „Heilige Dreifaltigkeit“ in Stralsund. Der Unterricht fand in Kloster bei Frau Bentzin, die dort die Post führte statt. 10-12 katholische Kinder waren auf der Insel, wenn die Hälfte davon zum Unterricht kam, war das schon ein Segen.

Zur ersten heiligen Kommunion mussten wir nach Stralsund, bis zu 3 Wochen in den Ferien, wo wir im Pfarrhaus bei Familie Kretschmann Aufnahme fanden. Die Erstkommunion fand zum Abschluss der 3 Wochen zusammen mit den Kinder aus den Dörfern rund um Stralsund ganz feierlich in der für uns riesigen Kirche „Heilige Dreifaltigkeit“ statt.

Wir alle 6 Kinder der Scholz-Familie verließen die Insel Hiddensee, machten unsere Facharbeiter in unterschiedlichen Berufen, gründeten eigene Familien und ließen uns in Stralsund, Bergen, Greifswald und Genthin sowie in Tanna in Th´üringen nieder. nieder.

Nach seiner Pensionierung musste mein Vater die Dienstwohnung in Vitte auf der Insel aufgeben und meine Eltern zogen 1976 nach Saßnitz auf die größere Insel Rügen.

Wir Geschwister suchten wegen der langen Dampferfahrt und der Urlauberfülle, Vitte, die Insel Hiddensee nicht mehr so oft auf. Vor Kurzem mit meiner Schwester Rita dann doch noch einmal. Da gab es Erinnerungen ,die zurückkamen. Unser Inselleben, nichts Besonderes und doch erlebnisreich schön.

Autor: Frau Barbara Wenzel / geb. Scholz

Elfte Geschichte

Inselkirche und Friedhof

Die Inselkirche in Kloster ist das letzte Zeugnis des ehemaligen Zisterzienserklosters auf der Insel Hiddensee. Die Kirche war allerdings nicht für die Mönche bestimmt, sondern wurde als „Bauernkirche“ bzw. Pfarrkirche genutzt.

Die Kirche ist heute Sitz der evangelischen Kirchengemeinde Hiddensee und gehört dem Kirchenkreis Stralsund an.

Neben den Gottesdiensten wird sie auch als Veranstaltungsort für Galerien und Konzertauftritte, Lesungen und Vorträge genutzt.

Es mag verwundern, aber die heutige Inselkirche war nicht der erste Kirchenbau auf Hiddensee. Die sogenannte Gellenkirche im Südteil der Insel wurde noch 25 Jahre früher geweiht. Diesen Bau gibt es aber schon sehr lange nicht mehr (ein eigener Beitrag zur spannenden Geschichte ist in Arbeit) und so ist die Aufgabe einer Pfarrkirche für die Hiddenseer der in direkter Nachbarschaft zum Zisterzienserkloster erbauten und 1332 geweihten Inselkirche zugefallen. Allerdings soll der Taufstein noch aus der Gellenkirche stammen. Die originale Glocke sollen die Dänen im dreißigjährigen Krieg mitgenommen haben.

Neben einigen Mauerresten der Klosteranlage ist die Inselkirche das älteste Bauwerk auf Hiddensee und somit auch der letzte an die Klosterzeit erinnernde „Zeitzeuge“.

Auf dem Friedhof wurden so berühmte Persönlichkeiten Hiddensees wie Gerhart Hauptmann oder Gret Palucca zu Grabe getragen.

Die Inselkirche präsentiert sich im architektonischen Stil sehr zurückhaltend. So erfuhr ihr Aussehen auch einige Änderungen. Die Frage, ob sie einen Turm besaß und wenn ja, wie dieser aussah, konnte aufgrund fehlender Quellen bisher nicht stichhaltig beantwortet werden. Es wird angenommen, dass der Turm als seitlicher Anbau existierte, und zwar dort, wo heute der Eingang ist. Früher hat sich der Eingang am Giebel befunden. Der zugemauerte Bereich ist noch immer zu erkennen, wenn man bis unter die Empore geht. Im Gestühl des Anbaus ist auch die Glocke untergebracht.

Der Innenraum der Kirche wird von einem hölzernen Tonnengewölbe überspannt (aus der zweiten Hälfte des 18. Jhdts.), dessen Decke mit dem sogenannten Rosenhimmel bemalt ist. Entgegen häufigen Mutmaßungen ist dieses beeindruckende malerische Kunstwerk eine Arbeit des Berliner Malers Prof. Nikolaus Niemeier aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Der etwas unförmige Taufengel an der Decke stammt in etwa aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und konnte früher an einem Seil herabgelassen werden.

Inselfriedhof und berühmte Gräber

Auf dem Inselfriedhof sind neben den Hiddenseern auch bekannte Persönlichkeiten aus Wissenschaft sowie Kunst und Kultur begraben, wie z.B. die Tanzpädagogin Gret Palucca, der Regisseur Walter Felsenstein, der Physiker Robert Rompe, sein Stiefsohn Aljoscha Rompe (Gründer und Sänger von Feeling B, der bekannten DDR Punkband und aus der sich später Rammstein formierte) und natürlich Gerhart Hauptmann – Literaturnobelpreisträger und langjähriger Inselliebhaber.

Vielfach wird ja angenommen, dass der Bereich vor der Kirche, wo noch alte, steinerne Grabkreuze auf beerdigte Mönche und Äbte hinweisen, noch genau so aus der Klosterzeit stammt. Es war aber der legendäre Inselpfarrer Arnold Gustavs, der sich nach Amtsantritt um den noch vorhandenen Platz für neue Gräber sorgte und die überall verstreut liegenden Grabkreuze der Mönche einsammeln ließ und gesammelt auf der Fläche vor der Kirche neu aufstellen ließ. Die Grabsteine und -kreuze mögen ja teilweise aus besagter Zeit im Hochmittelalter sein, die Grabstellen sind es nicht.

Auch die geordnete Anlage des Gräberbereiches auf dem Gottesacker ist neuzeitlicher Schöpfung. Früher hab es für jeden ein Holzkreuz (wenn überhaupt) und wenn das verwittert war, war Schluss. Die Grabstellen damals bekannter Menschen wie eben Gerhart Hauptmann oder Gret Palucca haben auch hier zum neuzeitlichen Phänomen des Friedhofstourismus geführt. Besagten Literaturnobelpreisträger hätte dieses späte Interesse sicher in seiner Eitelkeit bestätigt, beinahe wäre es dazu aber nicht gekommen. Die Insel Hiddensee war ja nur sein Sommerwohnsitz, das heutige Gerhart-Hauptmann-Haus nur seine „Datscha“. Er wollte dennoch hier beerdigt werden, statt in seiner schlesischen Heimat Agnetendorf. Dort im Jahre 1946 verstorben erhielt die Familie von den polnischen Behörden keine Transportgenehmigung für den Sarg. Welche Gründe es nun für dieses Verbot sein mochten, sein Leichnam lag über einen Monat im Sarg, bevor er auf Druck der russischen Besatzungsmacht doch noch seine letzte Reise antreten durfte.

In ganz besonderem Gedenken an Maxe Jung, ohne ihn hätte es vieles auf der Insel Hiddensee von katholischer Seite nicht gegeben. Ebenso ein Gedenken an die Eltern und Geschwister der Familie Scholz.

Die zwölfte Geschichte könnten Sie erzählen liebe Leserin/Leser. Es gibt wohl kaum jemanden in unserer Gemeinde, der nicht eigene Hiddensee Erlebnisse hat, die auch ein bisschen katholisches in sich haben.

Überarbeitet Roland Steinfurth

Gemeinde Hl. Dreifaltigkeit Stralsund

Pfarrei Sankt Bernhard Stralsund-Rügen-Demmin

Katholisches Erzbistum Berlin

Das hier berichtete erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Liebe Gemeindemitglieder, liebe Leser, Ihre eigenen Geschichten und Episoden sind immer herzlich Willkommen.

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