Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart – Episode 64

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart – Episode 64

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart – Episode 64

# Jubiläum250

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart – Episode 64

Bischöfe – Erzbischöfe – Kardinäle

Weihbischöfe – zu Firmung und Visitation Teil 9

Joachim Kardinal Meisner 

Bischöfe kamen weiter zu ihren Visitationen, Besuchen und zu Firmungen, wie der dann 1961 mit den Schwierigkeiten des Mauerbaus in Berlin konfrontierte Alfred Kardinal Bengsch, dem Joachim Kardinal Meisner bis 1988 folgte, diesem dann ab 1989 bis 2011 Georg Kardinal Sterzinsky. In seiner kurzen Amtszeit von 2011-2014 auch Rainer Maria Kardinal Woelki. Alle haben unsere Pfarrei visitiert oder Firmung hier am nördlichen Ende unseres inzwischen zum Erzbistum gewordenen Bistums gespendet. Auch unser amtierende Erzbischof Heiner Koch war schon mehrfach zu Gast. Warum ihm die Würde eines Kardinal-Titels noch nicht zu teil wurde, weiß man nur in Rom. Zumal er bis zu seiner Resignation nur noch knapp 3 Jahre im Amt ist. Wunder gibt es immer wieder!

Herkunft und frühe Laufbahn

Joachim Meisner wurde im Breslauer Stadtteil Deutsch Lissa (heute poln. Leśnica) geboren und in der dortigen St.-Hedwigs-Kirche getauft. Er wuchs mit drei Brüdern in einem stark katholisch geprägten Umfeld auf. Nach der Vertreibung 1945 aus Schlesien und dem Tod seines Vaters im selben Jahr lebte Meisner im thüringischen Körner. Nach einer Lehre als Bankkaufmann trat Meisner 1953 ins Seminar für Spätberufene Norbertinum in Magdeburg ein und holte hier zunächst das Abitur nach. Von 1959 bis 1962 studierte er Philosophie und Theologie in Erfurt und wurde dort am 8. April 1962 zum Diakon und am 22. Dezember 1962 durch den damaligen Fuldaer Weihbischof Joseph Freusberg zum Priester geweiht. Er war Kaplan in Heiligenstadt und Erfurt, danach Rektor des Erfurter Caritasverbandes. 1969 wurde er von der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom zum Dr. theol. promoviert.

Weihbischof in Erfurt

Am 17. März 1975 wurde er zum Titularbischof von Vina und Weihbischof des Bischöflichen Amtes Erfurt-Meiningen ernannt und am 17. Mai 1975 vom Apostolischen Administrator von Erfurt Hugo Aufderbeck zum Bischof geweiht. Mitkonsekratoren waren die Bischöfe Johannes Braun und Georg Weinhold. Meisners Wahlspruch lautete Spes nostra firma est pro vobis („Unsere Hoffnung für euch steht fest“, nach der Erhebung zum Kardinal auf Spes nostra firma verkürzt) und entstammt dem 2. Korintherbrief (2 Kor 1,7 EU). Zum Bischöflichen Amt gehörte unter anderem das Eichsfeld, das eine katholische Enklave innerhalb der traditionell protestantisch und seit DDR-Zeiten atheistisch geprägten Glaubenslandschaft ist. Dort fand Meisner ein ähnlich intensives katholisches Gemeindeleben wie in seiner schlesischen Heimat vor.

Bischof von Berlin

Am 22. April 1980 ernannte Papst Johannes Paul II. ihn zum Bischof von Berlin. Er wurde am 17. Mai 1980 in sein Amt eingeführt. Das Bistum Berlin galt während der Deutschen Teilung als eines der kirchenpolitisch schwierigsten.

1984 weihte Bischof Meisner den neuen Karmel Regina Martyrum in Berlin. Von 1982 bis 1989 leitete er die Berliner Bischofskonferenz und organisierte 1987 das einzige DDR-weite Katholikentreffen mit über 100.000 Teilnehmern. Beim Abschlussgottesdienst sprach er mutig gegen die allgegenwärtigen Sowjetsterne.

Am 2. Februar 1983 nahm ihn Johannes Paul II. als Kardinalpriester mit der Titelkirche Santa Pudenziana in das Kardinalskollegium auf.

Für uns in Stralsund ist sein Besuch 1983 am 19.03.1983 in Erinnerung. Er stiftet dem St. Josef-Heim im Jungfernstieg ein Muttergottes Statue. Es bekommen 49 Anwärter die Heilige Firmung und er empfängt den Dekanatsrat und den Priesterkonvent. Zum Heiligen Jahr verkündet der Kardinal die Möglichkeit der Gewinnung des vollkommenen Ablasses in unserer Kirche Heilige Dreifaltigkeit in Stralsund.

Kardinal Meisner - Ehrenbürger der Stadt Trebnitz

Aus Anlass des 750. Jubiläums der Gründung der Stadt Trebnitz im

Jahr 2000 zeichnete der heute polnische Stadtrat von Trebnitz 15 Personen mit der Ehrenbürgerschaft dieser schlesischen Stadt aus. Kardinal Meißner war zu diesem Zeitpunkt anderen Terminen verpflichtet und so wurde der 20. August 2001 für den Empfang dieser Auszeichnung vereinbart.

Kardinal Meisner wurde Weihnachten 1933 in Breslau - Deutsch Lissa geboren. Sein Lebenslauf zeichnet ein nicht immer leichter Weg und verläuft analog dem sehr vieler Schlesier. Auch seine Familie wurde nach dem Krieg wie Hunderttausende anderer Schlesier vertrieben und kam so nach Thüringen.

1962 wurde er mit 29 Jahren zum Priester geweiht und 1975 zum Titularbischof von Vina und zum Weihbischof der Apostolischen Administration von Erfurt und Meiningen ernannt. 1980 wurde er zum Bischof von Berlin berufen und leitete diese Diözese bis zum 20. Dezember 1988. Ein Jahr vor dem Fall der Mauer, die diese Diözese in einen westlichen und einen östlichen Teil trennte und besondere Erschwernisse mit sich 

brachte, wurde er zum Erzbischof von Köln ernannt. Kardinal Meisner ist Mitglied des päpstlichen Rates und hat zahlreiche weitere Ämter inne. Kardinal Meisner ist sehr stark mit dem Kloster Trebnitz verbunden. Schon in seiner Kindheit pilgerte er sehr oft zum Grab der heiligen Hedwig, der Schutzpatronin der Schlesier. Diese gehört neben der

heiligen Elisabeth zu seinen ständigen Begleiterinnen. In Trebnitz feierte er auch das 25. Jubiläum seiner Bischofsweihe. Seit 10 Jahren gehören regelmäßige Besuche in Trebnitz zu seinem Leben.

Sein Engagement zur Aussöhnung und zur finanziellen Unterstützung der Renovierungsarbeiten des Klosters Trebnitz, bei klarer Verurteilung der Vertreibung der Deutschen und all der damit verbundenen Not und des Elends brachte ihm sehr viele

Sympathien ein und ließ ihn zum „heimlichen Bischof der Schlesier“ werden.

Hartmut Olejnik -Stralsund

Erzbischof von Köln 1987

Kontroverse um die Ernennung

Nach dem Tod Joseph Kardinal Höffners im Jahr 1987 war das Amt des Kölner Erzbischofs neu zu besetzen. Traditionell besitzt das Kölner Domkapitel seit dem Jahr 1200 das Recht zur Wahl des Erzbischofs. Gemäß dem Staatskirchenvertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Freistaat Preußen aus dem Jahr 1929 hat das Kapitel eine Liste von „kanonisch geeigneten Kandidaten“ bei der Bischofskongregation in Rom einzureichen, um die Mitsprache der römischen Kurie und des Papstes sicherzustellen. Ebenso können die Bischöfe auf dem Gebiet des ehemaligen Preußens Vorschläge nach Rom schicken.

Gemäß den Bestimmungen des preußischen Konkordates stellt der Papst „unter Würdigung dieser Listen“ einen Dreiervorschlag (Terna) zusammen, aus dem dann das Domkapitel einen Kandidaten zu wählen hat. Der Papst ist danach jedoch nicht an die eingereichten Vorschläge gebunden. Aufgrund des Dreiervorschlags aus Rom gelang dem Kölner Domkapitel keine Einigung, da nach den Statuten des Kölner Domkapitels eine absolute Mehrheit der Mitglieder für einen neuen Erzbischof stimmen musste. Nachdem Dompropst Bernard Henrichs dem päpstlichen Nuntius die nicht erfolgte Wahl mitgeteilt hatte, stellte sich Rom auf den Standpunkt des im Kirchenrecht vorgesehenen Devolutionsrechts, das besagt, dass die Entscheidung an die nächsthöhere Ebene fällt, wenn eine untere Ebene zu keiner Entscheidung kommt.

Diesen Standpunkt vertrat der Heilige Stuhl auch gegenüber den Konkordats Partnern, den Ländern Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Die Ministerpräsidenten Johannes Rau und Bernhard Vogel waren der Auffassung, dass das Preußen-Konkordat zwingend eine Wahl vorschreibe und dass der völkerrechtliche Vertrag Vorrang vor dem kirchlichen Eigenrecht habe. Erst auf Druck der Ministerpräsidenten lenkte der Vatikan ein und ließ das Kapitel neuerlich wählen.

Dazu änderte Papst Johannes Paul II. die Kölner Wahlordnung gemäß den Regeln des allgemeinen Kirchenrechts, wonach im dritten Wahlgang nur noch eine relative Mehrheit der Stimmen erforderlich war. Mit sechs Ja-Stimmen bei zehn Enthaltungen wurde Meisner schließlich gewählt und am 20. Dezember 1988 vom Papst zum Erzbischof von Köln ernannt. Am 12. Februar 1989 wurde er in sein neues Amt eingeführt.

Theologen aus ganz Deutschland protestierten gegen das Vorgehen des Papstes; unter anderem mit der Kölner Erklärung „Wider die Entmündigung – für eine offene Katholizität“. In katholischen Kreisen Kölns wurde kritisiert, Meisner passe nicht in das traditionell liberale Klima des sogenannten „rheinischen Katholizismus“ und habe eine für die Kölner Ortskirche fremde Mentalität.

Ein wichtiges Ereignis in seiner Amtszeit als Erzbischof von Köln war Meisners Rolle als Gastgeber des 20. katholischen Weltjugendtags. Nachdem er mit Papst Johannes Paul II. seit 1997 im Gespräch über Köln als Weltjugendtagsstadt war, kam es 2005 zur Realisierung des Weltjugendtags, allerdings nach dem Tod Johannes Pauls II. im April 2005. Papst Benedikt XVI. sagte schon kurz nach seiner Wahl sein Kommen zu. Kardinal Meisner nahm am Konklave 2005 teil, in dem Benedikt XVI. gewählt wurde, und am Konklave 2013, in dem Franziskus gewählt wurde.

Rücktritt und Ruhestand

Nachdem sein altersbedingtes Rücktrittsgesuch im November 2008, dass er dem kanonischen Recht entsprechend bei Erreichen des 75. Lebensjahres dem Papst angeboten hatte, von Benedikt XVI. abgelehnt worden war, erneuerte Meisner das Rücktrittsgesuch zu seinem 80. Geburtstag. Papst Franziskus nahm dieses am 28. Februar 2014 an. Damit wurde Meisner, der 25 Jahre Erzbischof von Köln war, emeritiert. Nach eigenen Angaben wollte Meisner weiterhin in Köln wohnen und in der Seelsorge für alte Priester und Ordensschwestern wirken.

Mit einer festlichen Messe im Kölner Dom wurde Kardinal Meisner am 9. März 2014 als Erzbischof von Köln in den Ruhestand verabschiedet. Dem Gottesdienst wohnten zahlreiche Persönlichkeiten des kirchlichen und politischen Lebens bei, darunter die Kardinäle Reinhard Marx, Stanisław Dziwisz und der Apostolische Nuntius, Erzbischof Nikola Eterović. Die Evangelische Kirche in Deutschland wurde durch den Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider repräsentiert. Weiterhin war Ministerpräsidentin Hannelore Kraft anwesend. Meisner lebte zuletzt in der Kölner Innenstadt.  

Tod und Beisetzung

Joachim Meisner verstarb am 5. Juli 2017 während einer Urlaubsreise im niederbayerischen Bad Füssing. Nach der Aufbahrung in der Kölner Basilika St. Gereon wurde der Leichnam am 15. Juli in einer Prozession zum Kölner Dom überführt, wo Rainer Maria Kardinal Woelki in Konzelebration mit dem Apostolischen Nuntius Erzbischof Nikola Eterović, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, sowie anderen hochrangigen Geistlichen die Exequien leitete. Die Predigt hielt Erzbischof Kardinal Péter Erdő aus Budapest. Der Nuntius verlas eine Botschaft von Papst Franziskus, zudem trug Erzbischof Georg Gänswein eine Würdigung des emeritierten Papstes Benedikt XVI. vor. Zum Abschluss der Feier wurde der Sarg zum Hochchor getragen und von dort durch eine Öffnung in die Bischofsgruft hinabgelassen, wo Joachim Meisner in einer Nische neben Kardinal Frings beigesetzt wurde. Bei seiner Beisetzung war ebenfalls die Feministin Alice Schwarzer anwesend, die in einem Interview mit dem katholischen Fernsehsender EWTN von ihrer Freundschaft mit Meisner berichtete.

Gedenken an Felicitas Knoppke; verstorben 2024 

Überarbeitet Roland Steinfurth

Gemeinde Hl. Dreifaltigkeit Stralsund

Pfarrei Sankt Bernhard Stralsund-Rügen-Demmin

Katholisches Erzbistum Berlin

Das hier berichtete erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Liebe Gemeindemitglieder, liebe Leser, Ihre eigenen Geschichten und Episoden sind immer herzlich Willkommen.

Dies könnte Sie auch interessieren

0
Feed

Katholische Kirchengemeinde Pfarrei St. Bernhard Stralsund/Rügen/Demmin • Frankenstr. 39 • 18439 Stralsund

Hinweisgebersystem