16/07/2026 0 Kommentare
Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart – Episode 64-1
Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart – Episode 64-1
# Jubiläum250

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart – Episode 64-1
Päpste in Rom ab 1775 nach der Reformation Teil 2
Vatikan in Rom im Weltgeschehen von Gestern und Heute
Insgesamt 265 Päpste kennt die offizielle Kirchengeschichte mit Namen, dazu kommen etwa noch drei Dutzend also 36 Gegenpäpste. Darunter Papst Gregor VII. der König Heinrich IV. zum Bußgang nach Canossa bewog.
Ab 1775 gibt es bis heute 16 Päpste auf dem Stuhl Petri in Rom, die letztendlich Einfluss auch auf unser Gemeindeleben in Stralsund hatten und haben. Ihre Weisungen und Dekrete, Enzykliken wurden, wenn auch verzögert auch in den entlegensten Winkeln der Katholischen Weltkirche aufgenommen. Im Teil 1 der Episode 37 über unsere Päpste waren wir bis zum Pontifikat von Pius IX. gekommen. Der Teil 2 fängt mit Papst Leo XIII. an.
Papst Leo XIII. – Politisches Geschick im Kulturkampf
Er wurde am 02.03.1810 bei Anagni in der Region Latium in Italien geboren. Giocchino Vincenzo Pecci war 1827 Priester geworden und hatte über eine Nuntiatur in Belgien bis 1846, dann als Bischof in Perugia 1853 zum Kardinal erhoben. Mit 70 Jahren wurde er zum Nachfolger von Pius IX. gewählt. Dis war ungewöhnlich, da dieser Papst ihn im Jahr zuvor zum Camerlengo bestellt hatte, also zu dem Kirchenfürsten, der während der Sedisvakanz die Geschäfte des Vatikans führt und damit gewöhnlich als Papstkandidat ausscheidet. Leo bewies politisches Geschick, indem er mit Bismark zu einem Ausgleich fand, den Kulturkampf beilegen und die Gängelung der kath. Kirche in Deutschland weitgehend rückgängig machen konnte.
So unversöhnlich er gleich nach Amtsantritt gegen Kommunismus, Sozialismus und Nihilismus Front machte, so entschieden sprach er sich in seiner berühmten Sozialenzyklika“ Rerum novarum“ für Arbeiterrechte, Gewerkschaften und gerechten Lohn aus. Dann gibt es neben dem Arbeiterpapst auch den Frommen Papst. Mit allein elf Rundschreiben widmete er sich in besonderer Weise dem Marienkult. Ein konservativer der aber in liberaler Haltung zur Wissenschaft, er öffnete beispielsweise die Archive des Vatikans für Forscher jedweden Glaubens
Er starb am 20.07.1903 in Rom.
Anekdote zu diesem Papst
In der Versöhnung der Kirche mit der modernen Welt sah dieser Papst das Ziel seines Pontifikates. Seine 1891 erschienene Sozialenzyklika »Rerum novarum« erregte insbesondere wegen ihrer Kritik an den Auswüchsen des Frühkapitalismus in aller Welt großes Aufsehen. Durch die Beendigung des Kulturkampfes, der unter seinem Vorgänger begonnen wurde, war dieser Papst auch den Deutschen sehr genehm.
Leo XIII. war eine Führernatur mit klarem Blick, Selbstbeherrschung und Sinn für das Mögliche, aber auch mit einer gewissen Nüchternheit. Er war fein gebildet und besaß durchaus auch Charme und Witz.
So erzählt man sich folgende Anekdote. Leo XIII. verlangte, dass ihm jeder neue Schweizergardist vorgestellt werde. Bei dieser Gelegenheit pflegte der Papst den neuen Soldaten drei Fragen zu stellen, und zwar in dieser Reihenfolge: »Wie alt bist du? Wie lange kannst du fasten? Hast du noch deinen Vater oder deine Mutter?« Als nun ein Schweizer eingestellt wurde, der nicht Italienisch verstand, brachte ihm sein Vorgesetzter die Antworten auf die drei Fragen der Reihe nach bei. Ganz zufällig änderte aber der Papst an diesem Tag die Reihenfolge und fing mit der zweiten Frage an: »Wie lange kannst du fasten?« - »24 Jahre«, antwortete der Gardist.
- »Wie alt bist du?«, fragte der Papst weiter. - »Zwei Tage«, entgegnete der Soldat. Erstaunt rief nun Leo XIII. aus: »Einer von uns beiden muss den Verstand verloren haben!« Der Schweizer, der diese Worte für die dritte Frage hielt, antwortete prompt: »Beide, Heiligkeit.«
Papst Pius X. – Unpolitisch - Undiplomatisch
Er wurde am 02.06.1835 bei Treviso in der Region Venetien in Italien geboren. Aus einfachsten Verhältnissen stammend – Vater Postbote, Mutter Näherin-, besuchte Giuseppe Sarto das Priesterseminar, erhielt 1858 die Priesterweihe, war lange Gemeindepfarrer, dann Bischof der Diözese Mantua und wurde von Papst Leo XIII. 1893 zum Kardinal und Patriarchen von Venedig ernannt. Er wollte den Kirchenstaat anders führen als seine Vorgänger. Er nahm den Bruch mit Frankreich in Kauf, als er gegen die dort 1905 beschlossene Trennung von Kirche und Staat protestierte, und überwarf sich 1911 aus demselben Grund mit Portugal. Die USA brüskierte er 1910 durch Nichtempfang des in Italien weilenden ehemaligen Präsidenten Roosevelt, London verärgerte er durch Unterstützung der rebellischen Iren, und den Zarenhof machte er sich durch den Einsatz für die Katholischen Polen zum Feind. Kurz: Er glänzte durch unpolitische und undiplomatische Amtsführung. Innerkirchlich regelte er die Bestimmungen der Papstwahl neu, indem er jede äußere Einmischung, wie sie zu seiner eigenen Wahl geführt hatte, untersagte. Er gliederte die Ressorts der Kurie neu und gründete eine vatikanische Hochschule. Besonderes Gewicht legte er auf die Hebung des geistlichen Niveaus der Priester, aber auch der Laien, die er stärker zur Mitarbeit aufrief. Selbst von tiefer Frömmigkeit, widmete er sich der Renaissance des Gregorianischen Gesangs und der Reform der Liturgie, eine Leistung, die mitentscheidend war für seine 1923 eingeleitete und 1954 verkündete Heiligsprechung.
Er starb am 20.0…8. 1914 in Rom.
Anekdote zu diesem Papst
Mit Recht wurde Pius X. ein »konservativer Reformpapst genannt. Er ist einerseits als der unbeugsame Antimodernisten-Papst in die Geschichte eingegangen, andererseits hat er im kirchlichen Bereich Reformen von bleibendem Wert durchgeführt. Berühmt wurde er durch die Empfehlung des täglichen Kommunionempfanges sowie durch die Zulassung der Kinderkommunion. Pius X. zeichnete sich durch seine Liebenswürdigkeit und Güte aus. Wo es aber um die Rechte der Kirche ging, kannte er keinen Pardon.
Da wich seine sprichwörtliche Milde einer unerbittlichen Strenge. Das Fehlen einer Universitätsbildung war bei ihm ein Mangel. Kritisches Denken fiel ihm daher nicht immer leicht. Doch besaß er eine hohe Intelligenz. Bemerkenswert waren vor allem seine sittlichen Tugenden, die sicherlich an Heroismus grenzten.
Von Pius X., der feinen Humor liebte, wird folgende Anekdote erzählt. Ein österreichischer Industrieller, der in seinen Fabriken unter anderem Geschirr, Bestecke und Ähnliches herstellte, bekam eine Audienz bei Pius X. Zu diesem Anlass hatte nun der Österreicher ein herrliches Service mit dem Wappen des Papstes als Geschenk mitgebracht. Im Vorzimmer bewunderten die Diensttuenden Prälaten das wunderbare Geschenk. Immer wieder machten sie das riesige Etui der Bestecke auf und zu, bis der Papst erschien. Pius X. war ein einfacher und schlichter Papst, der das Service sicher nie selbst gebraucht hat. Aber er wollte es sehen. Gleich stürzten der Industrielle und die Prälaten sich auf das Etui, um es zu öffnen. Aber es ging nicht mehr auf. Das Schloss schien sich in der Eile des letzten Zuklappens, bevor der Papst kam, verklemmt zu haben.
Mit rotem Kopf tüftelte einer nach dem anderen umsonst am Schloss herum, bis schließlich der Papst lächelnd hinzutrat und sagte: »Jetzt versuche ich es.«
Und Pius X. griff mit aller Ruhe ans Schloss. Mit einem Schlag sprang es auf! Triumphierend und gleichzeitig auch schelmisch herumblickend sagte er: »Da sieht man eben doch, wer die Schlüsselgewalt hat!«
Einem Jugendlichen aus Paris, der ein schweres Fußleiden hatte, wurde geraten, in die Strümpfe Pius' X. zu schlüpfen. Nachdem der Junge um teures Geld ein Paar erworben hatte, wurde er sofort geheilt.
Anlässlich einer Audienz bedankte sich der Junge mit überschwänglichen Worten beim Papst. »Es ist wirklich überraschend«, sagte Pius X. mit einem schelmischen Lächeln, »dass du geheilt worden bist, während du für kurze Zeit meine Strümpfe getragen hast. Ich, der ich sie den ganzen Tag anhabe, habe ständig geschwollene Beine.«
Heilige sind manchmal schwer zu ertragen. Nach dem Tod Pius' X. soll ein Kuriale gesagt haben: »Mein Gott, nur nicht gleich wieder einen Heiligen.«
Papst Benedikt XV. – Die schwere Last des I. Weltkriegs
Er wurde am 21.11.1854 in Genua geboren. Giacomo Della Chiesa, so der bürgerliche Name, hatte die beste diplomatische Schule hinter sich, war nach der Priesterweihe 1878 mehrere Jahre an der päpstlichen Akademie ausgebildet worden, war Sekretär des spanischen Nuntius und wurde der Nachfolger. 1907 wurde er zum Erzbischof von Bologna ernannt und 1914 zum Kardinal ernannt.
Im Ersten Weltkrieg, der bei seinem Amtsantritt gerade ausgebrochen war und der sein Pontifikat überschattete hielt er Distanz zu allen Kriegsbeteiligten. Nach Kriegsende bemühte er sich in diplomatischer Weise um eine Neue Friedensordnung. Er schlug den diplomatischen Weg zu Verhandlungen mit den Einzelnen Mächten ein. So entsandte er den späteren Papst Pius XI. nach Polen und Litauen sowie den späteren Papst Pius XII. nach Deutschland. Mit Frankreich und auch Großbritannien schaffte er Ausgleich und Verhandlungen. Viele Pläne hatte er noch, doch sie wurden nicht realisiert, da er 1922 mit 67 Jahren in Rom verstarb.
Anekdote zu diesem Papst
Kirchenpolitisch auf der Linie Leos XIII., fiel die Regierung dieses Papstes in die schweren Jahre des Ersten Weltkrieges.
Aufopfernd bemühte er sich um den Frieden unter den Krieg führenden Völkern. Das wichtigste innerkirchliche Ereignis unter Benedikt XV. war die Veröffentlichung des »Codex Juris Canonici« am Pfingstfest 1917. Della Chiesa war klein von Statur und etwas verwachsen, er besaß jedoch einen wachen und vor allem aufgeschlossenen Geist. Der spätere Kardinal Domenico Tardini schrieb, dass Benedikt XV. »klein von Gestalt war, aber überragend an Geist und Herz«.
Als Kardinal Della Chiesa zum Papst gewählt wurde, fiel sein Sekretär Msgr. Migone vor Aufregung in Ohnmacht. Da sagte Benedikt XV.: »Schau mal, wie wenn sie ihn zum Papst gewählt hätten!«
Der Geist, der im Vatikan unter Pius X. geherrscht hatte, und die kirchenpolitischen Ansichten des Substituten Giacomo della Chiesa, des späteren Papstes Benedikt XV., gingen stark auseinander. Daher wurde della Chiesa im Oktober 1907 zum Erzbischof von Bologna ernannt. Obwohl Bologna ein Kardinalssitz ist, musste della Chiesa bis 1914 auf den roten Hut warten.
Als sich seine Mutter über die lange Verzögerung bei Pius X. beklagte, erhielt sie die Antwort: »Ihr Sohn macht wenige, aber lange Schritte.« Wie der Kardinal von Bologna dann 1914 zum Konklave nach Rom fuhr, rief man ihm, in Erinnerung an Benedikt XIV., der auch Erzbischof von Bologna gewesen war und Prospero Lambertini hieß, zu: »Prospere, procede, et regna« (Psalm 44,5). Della Chiesa antwortete jedoch schlagfertig: »Ich heiße nicht Prospero, sondern Giacomo.« In Erinnerung an Benedikt XIV. nannte er sich dann aber Benedikt XV.
Papst Pius XI. – Kampf dem Neuheidentum der Nazis
Er wurde am 31.05.1857 in Monza in der Lombardei geboren. Achille Ratti erhielt 1879 die Priesterweihe, arbeitete dann in der Ambrosianischen Bibliothek in Mailand, wurde 1914 Präfekt der vatikanischen Bibliothek und 1919 Nuntius in Polen. 1921 erfolgte seine Erhebung zum Kardinal und Erzbischof von Mailand. 1922 wurde er im Konklave zum Papst gewählt. Der Beginn seines Pontifikates fiel mit dem Aufstieg des italienischen Faschismus zusammen und stand unter Schock der Bolschewistischen Kirchenverfolgung in Russland.
Die Furcht vor der Kommunistischen Gefahr prägte seine Kirchenpolitik nachhaltig. Intensiv bemühte er sich, kirchliche Positionen gegen staatliche Übergriffe vertraglich abzusichern und ließ Konkordate mit Bayern, Preußen, Baden und Österreich abschließen. So kam es 1929 auch zu den Lateranverträgen, weiter dann 1933 zu dem Reichskonkordat mit Hitler, nicht ahnend das er hier auf einen ganz skrupellosen Kontrahenten traf. Pius veranlasste bis 1936 insgesamt 34 Protestnoten gegen die Reichsregierung in Deutschland.
Da jegliche Wirkung ausblieb, ließ er 1937 die Enzyklika „Mit brennender Sorge“ von den Kanzeln der deutschen und Kirchen gegen den Nationalsozialismus verlesen. Der deutsche Diktator sah die Kirchen als Störfaktor sorgte für ihre entsprechende brutale Verfolgung. Vielen Priestern wurde der Prozess gemacht wegen angeblicher Vergehen.
In unserer Gemeinde traf dies auf den Militärkaplan Karl Heinz Möbius zu, er konnte dem Henkersbeil entgehen. Aber so manch offener Bekenner verlor sein Leben unter dem Fallbeil oder im Konzentrationslager.
Innerkirchlich appellierte Pius einerseits an die Ostkirchen, über eine Wiedervereinigung zu verhandeln. Er gründete auch den vatikanischen Rundfunk und starb vor Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 in Rom.
Anekdote zu diesem Papst
Das wichtigste Ereignis im Pontifikat Pius' XI. war ohne Zweifel der Abschluss der Lateranverträge 1929, womit endlich die Römische Frage gelöst worden war. Im Jahre 1933 schloss Pius XI. mit Hitler das Reichskonkordat ab, das der deutschen Kirche einen Rechtstitel gab, um in den Kirchenkampf durch zahlreiche Protestschreiben einzugreifen.
In seiner politischen Weitsicht hat dieser bedeutende Papst die Totalitarismen der Zeit wie Faschismus, Nationalsozialismus und Kommunismus in ihrem Wesen erkannt und durch entsprechende Enzykliken verurteilt. Er gehört zu den großen Päpsten der Kirchengeschichte. Sein autoritäres Temperament führte Pius XI. dazu, alles selbst in die Hände zu nehmen, zu kontrollieren und zu leiten. Vor allem gelang es ihm, die Tugend der Nüchternheit und Sachlichkeit mit der des wagemutigen Optimismus zu verbinden. Pius XI. sprach Deutsch, wenn auch nicht so gut wie sein Nachfolger. In seinen Ansprachen bezeichnete er sich oft als der »gemeine Vater« aller katholischen Christen.
Als Pius XI. Kardinal Perosi zum Prosekretär der Konsistorialkongregation ernannte, die für die Bischöfe zuständig war, bat dieser den Papst, ihn davon zu dispensieren, da er sich wegen einer Krankheit hatte einen Fuß abnehmen lassen müssen. Darauf entgegnete Pius XI.: »An der Konsistorialkongregation dienen die Füße nicht, da genügt der Kopf!«
Es wird berichtet, dass eine amerikanische Dame bei ihrem Aufenthalt in der Ewigen Stadt möglichst alles sehen wollte. Nachdem sie an vielen Feierlichkeiten teilgenommen und alle Sehenswürdigkeiten kennen gelernt hatte, ließ sie um eine Audienz bei Pius XI. ansuchen.
Der Papst nahm sie mit Wohlwollen auf und fragte sie, ob er etwas für sie tun könne. Von so viel Güte überwältigt, rief die Frau aus: »Heiliger Vater, ich möchte so gerne ein Konklave sehen!« Die umstehenden Prälaten haben über diesen Wunsch herzlich gelacht. Der Amerikanerin war nämlich nicht bewusst geworden, dass sie damit den Tod des Papstes wollte.
Papst Pius XII. – Warnung vor dem II. Weltkrieg
Ein echter Römer geboren dort am 02.03.1876. „Deutscher Papst“ wurde er genannt wegen der vielen Jahre, die Eugenio Pacelli, der spätere Pius XII., in Deutschland verbrachte, wo er die Konkordats Politik seines Vorgängers erfolgreich umsetzte. 1899 zum Priester geweiht, hatte der Juristensohn als päpstlicher Staatssekretär aufgenommen.
Wurde zum Nuntius in Deutschland akkreditiert. Schloss hier Konkordate mit dem Reich und Regierungen in Bayern, Baden und Preußen. Nach seiner Wahl zum Papst musste er Leidvoll erfahren das Verträge für Diktatoren nicht gelten.
Ein berühmter Sinnspruch: „Man kann den Teufel nicht mit dem Beelzebub austreiben“
Vergeblich warnte er vor dem Krieg, und musste ohnmächtig dem Völkermord an den Juden zusehen. Nach dem Krieg machte er sich sogleich an die Festigung der kirchlichen Nachkriegsposition, internationalisierte das Kardinalskollegium, ermutigte die Kirchen der Dritten Welt im Handeln.
Von seinen theologischen Maßnahmen war vor allem das Dogma der Himmelfahrt Mariä 1950 folgenreich. Seinen Vorgänger Papst Pius X. ließ er Heilig sprechen. Er starb 1958 in Castel Gandolfo.
Anekdote zu diesem Papst
Das im Jahre 1963 erschienene Stück »Der Stellvertreter« von Hochhuth hat leidenschaftliche Diskussionen über das Schweigen dieses Papstes gegenüber der Judenverfolgung durch den Nationalsozialismus ausgelöst. Sicher ist, dass Pius XII., um Schlimmeres zu verhüten, die Untaten des Nationalsozialismus nicht angeprangert hat. Hitler soll vom Pacelli-Papst gesagt haben: »Pius XII.? Dies ist der einzige Mensch, der mir immer widersprochen und niemals gehorcht hat.« An Pius XII. bewunderte man den scharfen Verstand, das ausgezeichnete Gedächtnis, die große Sprachgewandtheit, die erstaunliche Kultur, seinen Perfektionsdrang, die religiöse Persönlichkeit und die gewaltige Arbeitskraft. Nach dem Tode wurde der Papst aber auch wegen Schwächen kritisiert, die mit dem Alter noch stärker hervortraten. Domenico Tardini, sein Substitut, schreibt:
»Pius XII. war von Natur aus sanftmütig und fast schüchtern. Er war nicht mit dem Temperament des Kämpfers geboren. Darin unterschied er sich von seinem großen Vorgänger.«
Als Eugenio Pacelli noch Nuntius in München war, wollte ihm eines Tages eine Nonne, die nur gebrochen Italienisch sprach, ein Stäubchen auf dem Talar wegputzen und sagte: »Tu porco (sporco), io putzo!«
» Als er später Nuntius in Berlin war und gefragt wurde, wieso sich die Italiener in der Kirche so verhalten, als ob sie im Theater wären, antwortete er: »Aus demselben Grund, weswegen sich die Deutschen im Theater so verhalten, als ob sie in der Kirche wären!«
Während Papst Pius XI. das Telefon verabscheute wie der Teufel das Weihwasser, liebte der neu gewählte Pius XII. diese neue Einrichtung und verwendete sie von Anfang an bei Gesprächen mit Beamten der Kurie. Das war ungewohnt und führte zunächst zu erheblichen Missverständnissen. Als der Pacelli-Papst den Leiter der ersten Sektion des Staatssekretariates anrief und sagte: »Hier spricht der Heilige Vater«, antwortete der Monsignore: »Wenn Sie der Heilige Vater sind, bin ich Napoleon Bonaparte!«
Die Verehrung für den Heiligen Vater Pius XII. war in der römischen Kurie so groß, dass jene, mit denen der Papst telefonierte, sofort in die Knie sanken und für die ganze Dauer des Gespräches kniend verharrten. Kardinal Faulhaber von München äußerte sich sehr zufrieden über die Wahl Pius' XII. und bezeichnete ihn gegenüber dem späteren italienischen Ministerpräsidenten Giulio Andreotti als »großen Freund und Kenner des deutschen Volkes«. Die Italiener nannten ihn: »Papa tedesco«. Nach dem Tod Pius' XII. trat Konrad Adenauer für die Ernennung des bekannten Jesuitenpaters Bea zum Kardinal ein. Bei einem freundlichen Gespräch in Rhöndorf mit demselben Andreotti meinte Adenauer, bis jetzt hätten die Deutschen einen eigenen Kardinal in der römischen Kurie nicht gebraucht, weil sie den Papst gehabt hätten.
Zehn Minuten vor der Weihnachtsansprache, die Pius XII. vor dem Mikrophon von Radio Vatikan für die ganze Welt halten sollte, wurde er plötzlich von einem Schluckauf geplagt. Da gerieten die Leiter und Techniker des päpstlichen Senders in Panik und versuchten alles, um das lästige Glucksen zum Stillstand zu bringen. Zunächst musste sich der Papst zehn Mal um die eigene Achse drehen. Es half aber nichts. Dann setzte man Pius XII. eine Papiertüte auf den Kopf und er musste versuchen, den Atem möglichst lange anzuhalten.
Der Erfolg blieb aber aus. Nun erschreckte man den Papst mit einer plötzlichen Armbewegung. Als auch das nichts nützte, versetzte ein Kammerdiener eine Minute vor der Sendung dem Papst derart einen heftigen Schlag auf den Rücken, dass dieser in sich zusammensackte. Und siehe da, der päpstliche Schluckauf war weg und Pius XII. konnte die Ansprache halten, ohne sich auch nur einmal zu versprechen.
Kardinal Francis Joseph Spellman (+ 1967), der einflussreiche, sozial aufgeschlossene, aber politisch konservative Erzbischof von New York, wurde eines Tages mit großem Gefolge von Pius XII. in Audienz empfangen. Bei dieser Gelegenheit hielt der hohe Gast, der nur gebrochen Italienisch sprach, eine kurze Rede, die er mit den Worten begann: »Roma è il culo della Cristianità.« Er wollte sagen, Rom ist die Wiege der Christenheit, und verwechselte das Wort »culla - Wiege« mit dem Wort »culo - Gesäß«. Als er sah, wie sich das schon an sich hieratische Gesicht Pius' XII. geradezu versteinerte, merkte er, dass er etwas Falsches gesagt hatte. Daraufhin entschuldigte er sich und fügte hinzu:
»La mia italiana non è tanto bella - Meine Italienerin ist nicht besonders schön.« Er wollte natürlich sagen, mein Italienisch ist nicht besonders gut.
Textauszüge aus dem Buch: „Alle Päpste“ von Reinhard Barth
Naumann & Göbel Verlagsgesellschaft mbH, Köln
(Tyrolia- Verlag Innsbruck-Wien – „Papst Anekdoten“ – Autor: Josef Gelmi)
Überarbeitet Roland Steinfurth
Gemeinde Hl. Dreifaltigkeit Stralsund
Pfarrei Sankt Bernhard Stralsund-Rügen-Demmin
Katholisches Erzbistum Berlin
Das hier berichtete erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Liebe Gemeindemitglieder, liebe Leser, Ihre eigenen Geschichten und Episoden sind immer herzlich Willkommen.
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