25/06/2026 0 Kommentare
Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart – Episode 63
Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart – Episode 63
# Jubiläum250

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart – Episode 63
Sundische Katholische Tradition - Hiddensee-Geschichten Teil 1
Als die Mönche nach Hiddensee kamen . . . waren sie nicht die ersten Christen!
Schon vor 1296 war Hiddensee durch eine Pfarrstelle kirchlich versorgt, von Schaprode aus. Allerdings mehr schlecht als recht, da das stattliche Wasser des Schaproder Boddens zwischen der Pfarrstelle und der Gemeinde auf Hiddensee manche notwendige rasche Amtshandlung verhinderte. Auf der Insel Rügen hatte das Christentum seit 1168 wirksame Verbreitung gefunden. Mit dem Fall der Tempelburg Arkona beim Ansturm der Dänen versank die Swantevit-Herrlichkeit der Ranen auf Rügen für immer in Schutt und Flammen. Ziemlich schnell übernahm die Bevölkerung Rügens, die zur Hauptsache aus Ranen bestand, den neuen Glauben, zumal die herrschende Oberschicht aus teilweise opportunistischen Gründen, teilweise aber auch aus tiefer Überzeugung, ganz auf die Linie der Eroberer eingeschwenkt war. 1193 holte Rügen Fürst Jaromar I. die Zisterzienser auf die große Insel. Es waren Zisterzienser-Nonnen aus dem dänischen Roeskilde, die in Bergen Land für ihre Klostergründung angewiesen bekamen.
Neben der geistlichen Oberaufsicht hatten die Dänen für Rügen auch die politische Oberhoheit. Mit den Zisterziensern hatte man an vielen Orten gute Erfahrungen gemacht bei der Mission und Festigung des Glaubens in neueroberten Gebieten. So wurde ihnen 1207 auch die Klostergründung Eldena bei Greifswald übertragen und 1231 die schon erwähnte Gründung Neuenkamp bei Franzburg.
1296 kamen die Zisterzienser dann nach Hiddensee. Das Land war arm, die Bewohner roh und mit der christlichen Nächstenliebe noch wenig bekannt, schreibt ein Chronist. Offiziell waren weiter die Rechte der Pfarrkirche in Schaprode zu wahren. 1297 kam es an dieser Stelle aber zu einem Vergleich zwischen den streitenden Parteien. Auch andere Unstimmigkeiten zwischen den Mönchen und Personen, die seit Jahren vom Hiddenseer Land und seinen Bewohnern ihren Nutzen zogen, konnten beigelegt werden.

Als die Zisterzienser nun da waren, erfuhren sie zunächst bei den Hiddenseern wenig Entgegenkommen. Das mochte wohl auch daran liegen, daß die Bewohner des kleinen Eilandes noch ziemlich unvermischt slawisch waren und vom Christentum wenig annehmen wollten. Sie waren mit manchem, was die Zisterzienser nun begannen, nicht einverstanden. Oft beschrieben wird an dieser Stelle, daß die Bewohner Hiddensees am rauen Brauch des Strandrechts festhalten wollten - Schiffsbrüchige erfuhren wenig oder keine Hilfestellung, weil die Güter der Verunglückten von den Insulanern in Beschlag genommen wurden - ein Brauch, der ihnen bei wenig Mühe manchen guten Ertrag bescherte. Für die Männer, die beim heutigen gut organisierten Seenotdienst der Insel mitarbeiten, eine nicht mehr nachzuvollziehende Angewohnheit der damaligen Insulaner. Aber es waren ja vor 700 Jahren auch ganz andere Zeiten.
Durch den Einfluss der Mönche sollten die Hiddenseer nun bessere Christen werden. Mit den Jahren beruhigte sich auch die Lage. Man lernte, sich einzurichten. Etliche deutsche Siedler kamen nach Hiddensee und wurden mit Hilfe des Klosters sesshaft. Die einheimische Bevölkerung vermischte sich mit ihnen. Die Schriftkundigen Mönche halfen den Bewohnern in amtlichen Dingen. Landeskultivierende Arbeiten der Mönche waren auch nützlich für die Hiddenseer. Und wenn es auf der Insel im Allgemeinen knapp wurde, schnallte man auch im Kloster den Gürtel enger. So etwas schafft Zusammengehörigkeitsgefühl.
Autor: Pastor Manfred Domrös seit 2008 im Ruhestand
Mönche als Bewahrer des Leuchtfeuers - Die Zisterzienser auf Hiddensee
Mit dem Sommer kommen wieder zahlreiche Touristen auf das "söte Läneken", angezogen von der Schönheit der Insel und ihrer reizvollen Lage. Sie suchen hier Erholung und Entspannung. So mancher wallfahrtet zum Hause Gerhart Hauptmanns und besucht die letzte Ruhestätte des Dichterfürsten auf dem kleinen Inselfriedhof. Doch wer von Ihnen kennt die Geschichte des Zisterzienserklosters und erinnert sich an das segensreiche Wirken der Mönche auf der Insel? Im Jahre 1296 schenkte Wizlaw II. den Zisterziensern von Neuenkamp die Insel Hiddensee "wie sie rings vom Salz Meer umflossen wird" und bat, hier einen Mönchskonvent zu errichten. Gleichzeitig übereignet er ihnen das Fischereirecht in den Gewässern zwischen Rügen und Hiddensee und verleiht ihnen die Gerichtsbarkeit auf der Insel. Aus der Gründungsurkunde vom 13. April 1296 geht hervor, daß diese Zisterze nicht, wie bei Zisterziensern üblich, den Namen der Gottesmutter erhält, sondern dem Heiligen Nikolaus, dem Schutzpatron der Seefahrer, geweiht war. Das Kloster lag am Südrand des Dornbuschhochlandes, Mittelpunkt war die über 70 m lange Kirche. Zur Anlage gehörten ferner die Wohngebäude, Ställe, das Gesindehaus, Speicher, ein Brauhaus, eine Mühle und ein "infirmarium" (Krankenhaus), das besonders für die Betreuung der Schiffer gedacht war. Das Kloster soll "das großartigste Gebäude" gewesen sein, "das je auf der Insel gestanden hat." Auch die Abtei gelangte zu Wohlstand und Ansehen. Ihre Äbte nahmen an den Sitzungen des Landtages teil, und der Papst beauftragte sie mit Sonderaufgaben. Zur Zeit der Klostergründung war das Hochland zwar noch bewaldet, aber der Boden karg und Landwirtschaft kaum möglich. Aber es ist zu vermuten, daß die Mönche neben der Fischerei vorwiegend seelsorgerisch tätig waren. Bis zur Niederlassung der Zisterzienser oblag die Seelsorge dem Pleban von Schaprode. Doch die Betreuung von Rügen aus erwies sich als sehr schwierig, und so waren viele Hiddenseer Kinder ungetauft und so mancher Erwachsene mußte ohne die letzte Ölung sterben. Den Bewohnern der Insel war es nicht erlaubt, sich am Strandgut zu bereichern. Da die Hiddenseer dieses Recht aber zu oft missachteten, war es auch die Aufgabe der Zisterzienser, auf die Einhaltung der Strandordnung zu achten. Gleichzeitig mit der Klosteranlage bauten die Mönche auf dem Gellen, der Südspitze der Insel, eine kleine Kapelle, die ebenfalls dem Heiligen Nikolaus geweiht war. 1306 erhält die Gellen Kirche einen Taufstein, und die Zisterzienser erhalten die Erlaubnis, hier die Heilige Messe zu feiern und "auch den Seeleuten und anderen Ankömmlingen" die Sakramente zu spenden.

Mit der Taufe erhielt das Kirchlein den Status einer Pfarrkirche, so daß man annehmen kann, daß im Laufe der Jahre auf dem Gellen eine kleine Ansiedlung entstanden war. Auch eine Hafenanlage mit Bollwerk ist urkundlich belegt. 1332 war die "Bauernkirche", die heute noch den Hiddenseern als Pfarrkirche dient, vor den Toren des Klosters fertig. Der Taufstein der Gellen Kirche wird nun hierhergebracht, und die Kapelle an der Südspitze behält den Charakter einer Kaufmannskirche, die vorwiegend von vorüberziehenden Schiffern und Kaufleuten genutzt wird.
Am 3. Juli 1306 gestattete der Abt Peter der Stadt Stralsund den Bau eines Leuchtfeuers, "Luchte" genannt, auf dem Gellen. Die Mönche übernehmen die Betreuung des Feuers und sorgen für die Beschaffung der Kerzen. In den Jahren 1962- 63 fand man bei Ausgrabungen die Fundamente der Gellen Kirche und auch den Standort der "Luchte". Sie befand sich an der südwestlichen Ecke der Kapelle und bildete somit mit ihr eine Einheit. Nach der Säkularisierung des Klosters verfielen die Kapelle und der Leuchtturm auf dem Gellen.
Die Steine fanden als Baumaterial für die Häuser in Neuendorf und Plogshagen Verwendung. Die unterste Steinlage der Gellen Kirche liegt in Strandnähe der Ostsee und soll an manchen Tagen, wenn das Meer sie freispült, noch zu sehen sein. Das Leben auf der Insel war sicherlich Rauh und für die Mönche kein Paradies. Anlässlich einer Visitation im Kloster Doberan wird Hiddensee als Strafversetzungsort für ungehorsame Mönche bezeichnet. Auch dieses Kloster fällt der Reformation zum Opfer. Eine Sage erzählt, " ... daß die Schätze so viele gewesen, daß die Mönche sie nicht alle haben fortbringen können, viel mehr im Berge Askawen (Aschkoben) prächtige Gold und Silbersachen, u. a. ... zwölf goldene Apostel vergraben haben. In Rom soll man noch heute ganz genau wissen, wo der Schatz vergraben liegt.
Und zu gewissen Zeiten kommen verkleidete Mönche nach der Insel, um nachzusehen, ob die Schätze noch zusammen sind." Nachdem die Zisterzienser das Kloster verlassen hatten, verfielen die Gebäude und wurden während des Dreißigjährigen Krieges vollkommen zerstört. Die Steine nutzten die Hiddenseer zum Bau ihrer Häuser und der Gutsanlage.
Durch die Ausgrabungen in den Jahren 1883, 1954/55, 1960/61 und 2008 ist es möglich die Anlage des Klosters in ihren Grundzügen nachzuzeichnen.
Von West nach Ost stand eine große, etwa 70m lange Kirche. Der Altar stand nach alter Tradition im Osten. Im Osten lag auch die Sakristei mit dem danebenliegenden Kapitelsaal. Im Süden der Klosteranlage war die Wärmestube der Mönche gebaut und das Refektorium, in welchem das Mittagsmahl eingenommen wurde.
Natürlich gab es auch einen Kreuzgang mit gotischem Kreuzgewölbe, dazu noch Keller, Gänge, Warmluftkanäle und eine Heizanlage im Kloster. Der Klosterhof war von einer Steinmauer umgeben. Die südliche Begrenzung lief dicht am Bodden entlang. Östlich ging die Mauer am heutigen Gutshaus vorbei, und die westliche Seite der Mauer war ungefähr auf der Linie Rüstzeitheim der Kirche und dem Hotel »Dornbusch«. Die Reste der alten Feld- und Backsteinmauer unterhalb des Pfarrhausgartens, die in Verbindung mit dem gerade restaurierten Tor neben dem Küsterhaus steht, ist vermutlich ein späterer Nachbau aus der Zeit um 1750, als die Insel dem Kammerrat Giese aus Stralsund gehörte. Der Herr Giese hat eine Vorliebe für Tradition und Kulturpflege. Ihm und seiner Frau verdankt die Kirchengemeinde Hiddensee auch einiges Kirchengerät, das heute noch in Gebrauch ist.
Dir drei Teiche von Kloster sind wahrscheinlich einst von den Mönchen angelegt worden. Das Hotel »Dornbusch« steht auf dem alten Mühlenberg von Kloster. Auf diesem Berg arbeitete bis 1860 eine Windmühle. In der Nähe des »Schwedenhagen« stand ein sogenanntes Ziegelhaus. Dieses Gebäude gehörte auch zum Kloster und war vermutlich eine Ziegelei.
Der genaue Standort des Klosters war nicht mehr bekannt. Erst 1954 beim Bau eines Kartoffelkellers für das Hotel "Hithim" kamen Fundamente zum Vorschein. Bei Grabungen in den Jahren 1954-55 und 1959-1961 sind Grundmauern der Klosteranlage freigelegt worden, so daß eine Rekonstruktion des Grundrisses möglich war. Heute erinnert nur noch der Ortsname "Kloster" und die Grabplatte eines Abtes in der Inselkirche an die Mönche auf Hiddensee.
Autor: Felicitas Knoppke
Im Gedenken an Felicitas Knoppke, verstorben 2024
Überarbeitet Roland Steinfurth
Gemeinde Hl. Dreifaltigkeit Stralsund
Pfarrei Sankt Bernhard Stralsund-Rügen-Demmin
Katholisches Erzbistum Berlin
Das hier berichtete erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Liebe Gemeindemitglieder, liebe Leser, Ihre eigenen Geschichten und Episoden sind immer herzlich Willkommen.
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