Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart – Episode 62-2

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart – Episode 62-2

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart – Episode 62-2

# Jubiläum250

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart – Episode 62-2

Erlebnisse und Aktionen - katholische Jugend Stralsund

Schwerter zu Pflugscharen – Der stille Protest in Stralsund

In der DDR, wo Staat und Partei mit harter Hand regierten, war offener Protest eine seltene und mutige Tat. Doch in den frühen 1980er Jahren regte sich Widerstand – nicht laut, nicht mit Fäusten, sondern mit Symbolen, Gebeten und stillem Mut. Einer der stärksten dieser Symbole war: Schwerter zu Pflugscharen.

Die Idee stammt aus dem Alten Testament, aus dem Propheten Micha (Micha 4,3): „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden und ihre Spieße zu Sicheln.“

Ein Hoffnungsbild für Frieden – und in der DDR zu einem Mahnzeichen der Friedensbewegung geworden. Besonders in Städten wie Stralsund, im Norden des Landes, fand diese Aktion Widerhall. Hier, im Schatten von Kasernen, Werften und militärischer Präsenz, erhob sich eine Jugend, die nicht mehr bereit war, sich in Uniformen pressen zu lassen oder die Rüstungslogik der Mächtigen hinzunehmen.

Die Aktion in Stralsund

Um 1982 begannen Jugendliche und kirchliche Gruppen in Stralsund, das Abzeichen „Schwerter zu Pflugscharen“ auf ihren Jacken zu tragen – ein stilisiertes Logo mit einem Schmied, der ein Schwert zu einem Pflugschar umformt. Das Zeichen wurde zu einer Art Friedens-Bekenntnis – und zu einem Stachel im Fleisch des SED-Staates. In den 80 Jahren tauchte dieses Logo an Jacken und Parkas Jugendlicher auf. Obgleich seine Grafik eine Plastik darstellt, die die Sowjetunion 1959 den Vereinten Nationen schenkte, wurde sein öffentliches Tragen verboten und streng geahndet. Vielleicht gerade deshalb wurde dieses Symbol zum prägenden Erkennungszeichen der christlichen Friedensbewegung in der DDR. Als damaliger Landesjugendpastor Brandenburgs war der spätere Inselpastor von Hiddensee, Manfred Domrös einer der maßgeblichen Initiatoren bei der Herstellung und Verbreitung dieses Symbols als eines auf Flies gedruckten Aufnähers.   

In Stralsund formierten sich kleine, aber wachsende Gruppen, vor allem in kirchlicher Umgebung, etwa in der Heilgeistkirche oder St. Nikolai.

Obwohl die Kirche offiziell in der DDR geduldet war, waren ihre Räume einer der wenigen Orte, an denen junge Menschen ihre Sehnsüchte nach Frieden, Gerechtigkeit und Umweltbewusstsein äußern konnten. Die Aktion „Schwerter zu Pflugscharen“ war Teil dieser Bewegung – und wurde von der Stasi streng überwacht. Jugendliche, die das Symbol trugen, wurden eingeschüchtert, aus Schulen gedrängt oder gar verhaftet. In Stralsund kam es zu Verhören, Hausdurchsuchungen und ständigen Repressionen – doch das Zeichen verschwand nicht.                          

Was in Stralsund geschah, war kein Aufstand mit Barrikaden, sondern ein stiller, zäher Protest: Die Jugendlichen stellten sich mit ihren Fragen, mit ihren Hoffnungen und ihrer Haltung gegen ein System, das auf Gleichschaltung aus war. Sie bewahrten sich ihren Glauben an eine bessere Welt – nicht durch Gewalt, sondern durch Zivilcourage.

So wurde „Schwerter zu Pflugscharen“ zu mehr als einem Zeichen: Es war ein Bekenntnis. In Stralsund – wie in vielen anderen Städten der DDR – war es ein erster Schritt auf dem langen Weg, der 1989 zur Friedlichen Revolution führen sollte.

Schwerter zu Pflugscharen – ein Bericht

Ab Ende der 1970er Jahre entstanden erste oppositionelle Gruppen. Besonders misstrauisch beobachtete das SED-Regime die inoffizielle Friedens- und Umweltbewegung, die sich mit Unterstützung der Kirche bildete. Erkennungszeichen der Friedensbewegung war das Symbol mit dem Bibelspruch und Symbol.

Ostberliner Friedensgruppen gründeten 1986 die kirchenunabhängige Initiative Frieden und Menschenrechte Ebenfalls in Ost-Berlin eröffnete die erste Umwelt -Bibliothek (UB), die sich zu einem wichtigen Kommunikationszentrum der Opposition entwickelte. In den Kellerräumen wurden illegale Untergrundzeitungen gedruckt und oppositionelle Kreise, die sich mehr und mehr vernetzen, weitergegeben.

Die SED bekämpfte die Opposition mit Zersetzung, Polizeigewalt und gemeindienstlichen Methoden. Der Überfall auf die Umwelt Bibliothek in der Nacht zum 25. November 1987, bei dem einige Mitglieder festgenommen und Druckmaschinen beschlagnahmt wurden, erwies sich jedoch als Bumerang: Nicht nur Oppositionelle in der DDR, sondern auch westliche Politikerinnen und Politiker solidarisierten sich mit den UB-Mitgliedern. Angesichts des breiten öffentlichen Protests ließ die SED die Inhaftierten frei. Es war die erste große Niederlage der SED-Führung gegen die Opposition und sie beflügelte den Widerstand in der DDR.

Auch in der Provinz regten sich Menschen, die etwas tun mussten, um ihrem Glauben Ausdruck zu verleihen.

In dieser Zeit fiel: –    Die Solidarność- Bewegung in Polen –    Die erste Friedensdekade… Von Beginn an war das Symbol Schwerter zu Pflugscharen das Kennzeichen der Friedensdekaden in der DDR. Es war Anfang der 1980er Jahre Anlass harter Auseinandersetzungen mit dem Staat, hier mit seinen Stralsunder Kreis- und Bezirksgliederungen, als es viele Jugendlichen als Aufnäher, auch die der Stralsunder Hansa- EOS, trugen, machten die jungen Christen der Stadt übelste Erfahrungen mit der politischen Unmoral der staatlichen Unterdrückung. Aufnäher wurden ihnen abgerissen oder aus dem „Parka“ geschnitten, sie wurden mit Schulverweis bedroht. –    SOFD- Sozialer Friedensdienst –    Der Nachrüstungs-und der Nachnachrüstungsbeschluss, die Friedensbewegung

Frieden schaffen - Rückerinnerungen

Jeden ersten Montag im Monat um 19:00 Uhr ist in der Marienkirche in Stralsund, Ökumenisches Friedensgebet. Kommen Sie vorbei! Es ist eine gute Tradition aus der Zeit Anfang der 80.Jahre.

Mein Studium hatte ich gerade beendet und eine Arbeit in meiner Heimatstadt Stralsund begonnen. 1979 in der DDR eine christlich bewegte Zeit. Es ging um Frieden damals. Von der evangelischen kam die Anregung 1980 eine Friedensdekade in ihren Gemeinden durchzuführen.

Von Anfang an war das Symbol "Schwerter zu Pflugscharen" ihr Kennzeichen. Viele junge Christen trugen diese Aufnäher durch akute Konsequenzen durch Staat und Stasi. So entdeckten junge Christen unterstützt durch ihre Seelsorger in der Ökumene, dass es sich lohnt, um den so brüchigen Frieden zu ringen. 

In unserer katholischen Gemeinde Hl. Dreifaltigkeit war in diesem Zeitraum Bernhard Grönwald Kaplan. Ein sehr musikalischer zur Ökumene sehr offener. Priester. Es wuchs damals eine Ökumene in Stralsund unter jungen Christen, die bis heute anhält. 

Auf evangelischer Seite war es Kreisjugendwart Johannes Düben zu dieser Zeit. Er hält in guter Weise Kontakt zur Friedensbewegung: "Schwerter zu Pflugscharen". Johannes Düben ein klarer Pazifist und Totalverweigerer des Wehrdienstes hatte privat und dienstlich mit Repressalien durch Staat und Stasi. Letztendlich verlässt er Stralsund! (in der evangelischen Presse veröffentlichter Bericht: (Stasi-Vorgang "Turm".) Es gibt sicher Gemeinde Glieder, die im eigenen Erleben mit dabei waren. 

Auf katholischer Seite spielte die Verbindung über Bernhard Grönwald zur Taize Bewegung eine nicht unerhebliche Rolle. Taize Brüder reisten als Privatpersonen in die DDR ein. Ich kann mich an Treffen in Sankt Hedwig in Berlin und in Magdeburg erinnern. Alles passierte zumeist: Heimlich still und leise. Damit man der zugreifenden Macht, der Stasi im SED-Regime nicht Anlass gab wie auch immer zu reagieren. 

Die ökumenische Zusammenarbeit hier in Stralsund besonders im Jugendbereich wurde in guter Weise fortgesetzt. Neuer Kreisjugendwart wurde Torsten Henning. Kaplan Bernhard Grönwald wird in Berlin, Bistums Jugendseelsorger. Sein Nachfolger wird Kaplan Joachim Beschorner. In unseren sozialistischen Nachbarländern regt sich einiges. In Polen ist es die Solidarnosc-Bewegung und in der Tschechoslowakei die Untergrund Kirche. Im Westdeutschland waren Aktionen gegen den Nato-Doppelbeschluss akut. So manch junger Christ in Ost und West entschloss sich in dieser so Friedens gefährdenden Zeit, den Dienstmit der Waffe zu verweigern. Es gibt sicher Gemeinde Glieder, die aus eigenem Erleben darüber berichten könnten. 

Heute haben wir den Krieg fast vor der Haustür. Bei aller Abschreckung und Stärke zeigen, es muss auch andere Wege geben. Politik sollte mehr in diplomatischer Weise agieren. 
Roland Steinfurth

Es gibt Gemeinde Mitglieder, die im „Turm“ und bei entsprechenden Aktionen direkt in Stralsund dabei waren. 

Sollte es Anmerkungen zum Thema oder Selbsterlebtes berichtenswertes dazu geben, hier besteht die Möglichkeit es mit andren zu teilen. 

So kann auch schon Vergessenes wieder ins Bewusstsein geholt werden. Eine spannende Zeit, die nicht vergessen werden sollte.

Überarbeitet Roland Steinfurth

Gemeinde Hl. Dreifaltigkeit Stralsund

Pfarrei Sankt Bernhard Stralsund-Rügen-Demmin

Katholisches Erzbistum Berlin

Das hier berichtete erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Liebe Gemeindemitglieder, liebe Leser, Ihre eigenen Geschichten und Episoden sind immer herzlich Willkommen.

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