01/05/2026 0 Kommentare
Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart – Episode 60-1
Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart – Episode 60-1
# Jubiläum250

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart – Episode 60-1
St. JOSEF (Teil V.) - EIN HEIM WIRD ZUM SENIORENZENTRUM UNTER DER CARITAS ALTENHILFE GgmbH (Teil2)
Die bewegende Geschichte des St. Josefs-Heimes am Jungfernstieg 2 in Stralsund
Die Geschichte dieses Hauses beginnt im Grunde schon 1918, als die Ordensschwestern der Trebnitzer Borromäerinnen das Grundstück Jungfernstieg 2 erwarben und nach einem aufwändigen Umbau ab 1925 auf diesem Gelände ein Kinderheim betrieben. In den Episoden über die Borromäerinnen Teil 1-6 wird darüber berichtet.

1943 bekamen die Ordensfrauen die Auswirkungen des Nationalsozialistischen Regimes deutlich zu spüren, als das St. Josefs-Waisenhaus beschlagnahmt wurde. Nach Kriegsende fungierte 1945 der Jungfernstieg 2 als Auffanglager für Kriegswaisen. 1958 schlug die Ideologie der DDR zu: allen Kirchen des Landes wurde fortan verwehrt, Kinder im christlichen Sinne zu erziehen. So wurde den Borromäerinnen die Erlaubnis zur Kindererziehung in der Stadt Stralsund entzogen. Ebenfalls in Episode ?? dargestellt.
Durch die Hilfe des Berliner Caritasverbandes und von Julius Kardinal Döpfner wurde
erreicht, dass das Gebäude nicht weggenommen wurde, um es zu einer Poliklinik umzubauen. Die folgenden Verhandlungen zwischen Stadtverwaltung, Caritasverband und dem Mutterhaus in Görlitz zur Errichtung eines Altenheimes waren schwierig. Die Stadt wollte im damaligen Staatssystem der Kirche keine Einflussnahme auf junge Menschen ermöglichen, da diese im Sinne der damaligen Ideologie erzogen werden sollten.
Der Umbau in ein Altenheim wurde von der Stadt bewilligt, jedoch nur, wenn ausschließlich katholische Bürger der Stadt Stralsund Aufnahme fänden. Dies wurde per Ratsbeschluss festgelegt. Im Juli 1958 wurde die Baugenehmigung erteilt. Schon 1 Jahr später wurde das Altenheim St. Josef und die moderne Kapelle eingeweiht. Die Bestandsicherung war zu damaligen Zeiten nicht einfach. Konfessionellen Einrichtungen wurden nur verhältnismäßig niedrige Pflegekostensätze zugestanden. Ohne die Wohlgesonnenheit und die tatkräftige, teils auch kostenfreie Unterstützung z. B. vieler Handwerksbetriebe wäre es manchmal sehr eng geworden. 1978 kam es zur Auflösung der Schwesternniederlassung durch das Generalmutterhaus der Borromäerinnen.
Nach einer letzten gemeinsam gefeierten HI. Messe wurde die damalige Oberin Schwester Theresa und ihre Mitschwestern mit vielen Worten des Dankes verabschiedet. Gleichzeitig wurde das Altenheim St. Josef an die katholische Pfarrgemeinde Stralsund übergeben. Über viele Jahre konnte das Haus aus wirtschaftlichen Gründen nur in kleinen Schritten modernisiert werden. Während der politischen Wende 1989 wurde per Baugrundgutachten bestätigt, dass das Haus den vorgeschriebenen Standards nicht mehr entsprach. Der Caritasverband machte damals deutlich, dass das Haus ohne einen Anbau oder Umbau geschlossen werden muss. Daraufhin wurde 1990 ein Antrag zur Errichtung eines neuen Alters- und Pflegeheimes gestellt. Damit schlug die Geburtsstunde des Seniorenzentrums St. Josef am Jungfernstieg. Es folgte der Kauf des Grundstückes. 1992 ging das Grundstück Jungfernstieg 2 als Schenkung der Borromäerinnen an die Caritas Altenhilfe GGmbH über, die somit Trägerin des am 28.09.1996 durch Weihbischof Wolfgang Weider eingeweihten neu errichteten Seniorenzentrums Stralsund wurde.

Das Seniorenzentrum konnte neben der stationären Pflege mit 108 Pflegeheimplätzen auch das niedrigschwellige Angebot des Servicewohnens in 55 seniorengerecht gebauten Wohnungen sowie die Tages- und Kurzzeitpflege anbieten.
Die Nachfrage war so gut und die Auswirkungen des demografischen Wandels tut sein Übriges, sodass das Wohnhaus im Jahr 2004 durch Kauf und Umbau des Grundstückes 3a noch um weitere 23 Wohnungen erweitert werden konnte.
So können wir mit Stolz sagen, dass wir durch das breit gefächerte Angebot an Betreuungsformen eine Versorgungskette geschaffen haben, die den alten Menschen in jeder Lebenssituation auffängt und mit einer guten Versorgung und Betreuung begleitet. Abgerundet wird dies auch insbesondere durch die Zusammenarbeit mit der hiesigenCaritas-Sozialstation und der Stadt-Caritas.
Eine Besonderheit dieses Hauses war über lange Zeit, vor allem auch der Konvent der Salvatorianerinnen, die hier seit 1997 seelsorglich tätig sind. Hierüber wird in gesonderten Episoden noch zu berichten sein.
Als konfessioneller Träger ist es uns überaus wichtig, den christlichen Geist unserer Häuser durch Ordensfrauen oder berentete Geistliche getragen zu sehen. Die besondere Atmosphäre ist durch den unschätzbaren Dienst von Schwester Margret, Schwester Mariela und Schwester Marion zum Wohle unserer Bewohnerinnen und Bewohner aber auch in der Begleitung unserer Mitarbeiter/innen deutlich spürbar.

Seit dem 1. September ist es endlich so weit, unsere Tagespflege konnte ihren Betrieb aufnehmen. Was ist Tagespflege? Für wen ist die Tagespflege? Tagespflege ist eine Alternative zur frühzeitigen Heimaufnahme. Montags bis freitags in der Zeit zwischen 8.00 Uhr und 16.00 Uhr wird der Tagesgast, so die offizielle Bezeichnung für einen nur zeitweise anwesenden Bewohner, in unserer Tagespflege körperlich und geistig betreut (versorgt). Aufgenommen in die Tagespflege werden ältere Bürger, die tagsüber eine Versorgung (Betreuung) benötigen, darüber hinaus aber in ihrem gewohnten Umfeld, meist bei Familienangehörigen bleiben können. Dies hat für alle Betroffenen Vorteile.
Der ältere Mensch ist nicht allein, er hat zusammen mit anderen individuelle Möglichkeiten, den Tag zu gestalten. Die Angehörigen werden in ihrer Betreuung und Versorgung fachmännisch (-fraulich) unterstützt und ergänzt. Die Tagespflege kann täglich oder auch nur an bestimmten Wochentagen besucht werden.
Liegt eine Pflegestufe vor, übernehmen die Pflegekassen einen Teil der Kosten. Wenn Sie nähere Informationen benötigen, vereinbaren Sie bitte einen Gesprächstermin mit der Leiterin der Tagespflege Frau M. Bartels, die Sie unter der Rufnummer des Zentrums (0 38 31) 24 20 erreichen.
Anlässlich der Eröffnung der Tagespflege veranstaltet das Seniorenzentrum St. Josef am 4. November 98 in diesem Bereich einen Tag der offenen Tür. In der Zeit zwischen 14.00 Uhr und 17.30 Uhr können Sie die Tagespflege kennenlernen, einen Bummel über unseren Herbstmarkt machen und sich anschließend in der Cafeteria stärken.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch.
B. Aschenbrenner
Überarbeitet Roland Steinfurth
Gemeinde Hl. Dreifaltigkeit Stralsund
Das hier berichtete erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Liebe Gemeindemitglieder, liebe Leser, Ihre eigenen Geschichten und Episoden sind immer herzlich Willkommen.
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