09/04/2026 0 Kommentare
Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart - Episode 59-2
Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart - Episode 59-2
# Jubiläum250

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart - Episode 59-2
ST.JOSEF - EIN NEUBAU ENTSTEHT (Teil 2)
Unsere Bewohner in Sankt Josef
Insgesamt wurden 33 Bewohner betreut und gepflegt, in der Mehrheit waren es Frauen, auch Männer und Ehepaare fanden hier ihr zu Hause
Sie wohnten in vier 1-Bett-Zimmern (9 qm) und zwei 3-Bett-Zimmern (24 qm). Alle anderen Bewohner konnten sich zu zweit ein Zimmer von ca. 12 qm teilen.
Vom Rat der Stadt, Abteilung Gesundheitswesen, wurden unsere Bewohner nach einem Versorgungsschlüssel eingeteilt: 25 Altenheimbewohner und 8 Pflegefälle. Nach diesem Schlüssel erhielt das Heim staatliche Zuwendungen. Erst nach der Wendezeit 1990 wurde der tatsächliche Zustand ermittelt. Jetzt waren auf einmal alle Bewohner pflegebedürftig.

Unser Tagesablauf begann mit der täglichen Heiligen Messe um 7:30 Uhr, anschließend gab es Frühstück und die alltägliche Betreuung und Versorgung der Bewohner. 1982 erhielt das Heim einen Kleinbus, sodass sämtliche Arztbesuche selbstständig durchgeführt wurden, es war ein großer Gewinn für die Bewohner, weil somit lange Wartezeiten auf den staatlichen Krankentransport in Kauf genommen werden mussten. Wöchentlich kam eine Hausärztin am Nachmittag zu den Bewohnern. Mittagessen war schon um 11:30 Uhr und Kaffeetrinken gegen 15 Uhr. Gegen 17.30 Uhr gab es Abendbrot.
Die Mitarbeiter
Die Ordensschwestern hatten am Ende ihres Wirkens schon einige Mitarbeiter im Haus. Sie waren in der Hauswirtschaft und in der Krankenpflege beschäftigt. Diese Mitarbeiter bildeten den Schwerpunkt in der Betreuung und Pflege der Bewohner. Es war schon damals nicht leicht, ausreichend Mitarbeiter zu finden. Zum Glück wurden alle Mitarbeiter nach den Tarifen des Caritasverbandes bezahlt, das änderte sich erst nach 1995 für die Mitarbeiter der Hauswirtschaft. Sie hatten die Wahl, nach neuen Tarifen zu arbeiten oder zu gehen. Nur eine langjährige Köchin und der Hausmeister behielten ihre Caritastarife. Frau Vital, eine ältere Frau aus dem Umland und Frau Volksdorf kamen an jedem Wochenende in das Heim. Sie half in der Vor- und Nachbereitung der Essensausgabe, um den sonntäglichen Gottesdienst zu besuchen. Zusätzlich waren wir sehr dankbar über das Jugenddiakonat am Wochenende. Viele Jugendlichen hatten Freude an ihren kleinen Diensten, viele Freundschaften entstanden und prägen heute noch so manche Ehe und Familien.
Bewohner und Mitarbeiter lebten und arbeiteten im Rhythmus des kirchlichen Jahreskreises. Die Feste wurden gefeiert, wie sie fallen. Höhepunkt war auch immer die jährliche Busfahrt mit Bewohnern und Mitarbeiter mit dem Möller - Bus. Neben unserer Gemeinde wurden auch Kontakte zu anderen kirchlichen Gemeinschaften gepflegt. Der Posaunenchor der landeskirchlichen Gemeinschaft unter Leitung von Andreas Thieme war öfter zu Besuch. Es wurde gesungen und musiziert. Als der Nähkreis der Gemeinde ein neues Domizil suchte, fand er es im St. Josefs-Heim. Unter Leitung von Frau Brath erfüllte er auch Näharbeiten für die Heimbewohner.
In den achziger Jahren wurde das Haus inwendig renoviert, Flure und Zimmer erhielten neue Tapeten. Ebenso wurden alle Fenster erneuert. Einige Dachkammern wurden isoliert und für Mitarbeiter hergerichtet. Zum Beispiel wurde von einer Bodenkammer in der Mönchstraße vom Bauunternehmer Hotze die Bretter entfernt. Sie wurden nach Franzburg in eine Großtischlerei gebracht. Dort wurden sie gehobelt und gespundet. im Anschluss wieder nach Stralsund gefahren und angebracht.
Herr Schanwell, ein Elektroingenieur aus der Kirchengemeinde, projektierte und baute einen 600 L - Warmwasserboiler ein, der über Nachtstrom betrieben wurde. Somit waren wir weniger von der Kohleheizung abhängig. Übrigens, war der Hausmeister nicht anwesend, wurde am Ende der Tagesschicht eine Schubkarre vor den Heizofen gestellt. Eine Mitarbeiterin befeuerte am Ende der Spätschicht den Ofen, damit sich in der Nacht die Wärme hielt. Zusätzlich vertrat der Heimleiter in dieser Zeit den Hausmeister.
Als der Erzbischof von Berlin, Kardinal Meisner, unser Haus besuchte, spendete er dem Haus

10 000 DDR-Mark für die Gestaltung des Gartens. Von Schwaan kamen die Gehwegplatten, aus Garz wurden die Kantensteine mit dem B 1000 geholt. In einer mehrwöchigen Gemeindeaktion unter Leitung von Herrn Plitzner wurde ein Rundweg und eine Terrasse unter einem großen Apfelbaum angelegt - ein Segen für die Bewohner. Bänke und eine Hollywoodschaukel ergänzten den Garten. Auch Frühblüher, Rosenbüsche und Dahlien erfreute die Bewohner. Über Privatspender erhielt die Werkstatt eine gute Ausstattung von Kleingeräten der Firma Metabo. Ebenfalls über die evangelische Kirchengemeinde St.Marien, durch ihre Partnergemeinde in Hamburg, erhielten wir durch private Kontakte von Herrn Matthias Mees viele Sachspenden wie Lebensmittel (z.B.: Südfrüchte), auch Pflegehilfsmittel wie Krankenbetten, Gehhilfen und Rollstühle. Beim Einbau der neuen Fenster erhielten wir die notwendigen Beschläge und Vorrichtungen, um die Oberlichter zu öffnen. Für alle Zimmer bekamen wir als Spende Thermostatventile. Von einer Schweizer Kirchengemeinde über Herrn Peter Friedli erhielten wir 50 neue Bestecke. Eine Ordensfrau von den weißen Missionsschwestern von Afrika erhielt für einige Wochen in unserem Heim eine Unterkunft. Sie pflegte eine Verwandte in Knieper - West. Als ein Dankeschön erhielten wir medizinische Geräte für die Fußpflege und Untersuchungen, sowie Bastelmaterial und Bürobedarf.
Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde, dem Caritasverband und dem Heimleiter erfolgte im Kuratorium. Als Vorsitzender wurde der Diakon Felix Lebek berufen. Auf ihn folgte Herr Larisch. Mehrmals im Jahr traf es sich, um die Richtung, Finanzen und den Haushalt des Heimes zu kontrollieren und festzulegen. So fand in den 80er Jahren die Überlegung statt,
das Gebäude in der Nordrichtung zu verlängert. In diesem Erweiterungsbau sollten Sanitäranlagen eingebaut werden, um das Leben der Bewohner zu verbessern. Durch die politische Wende 1989 und der Übergabe des Heimes von der Pfarrei an die Berliner Caritas Altenhilfe 1991 ergaben sich völlig neue Perspektiven.
Autor: Norbert Mann
Überarbeitet von Roland Steinfurth
Korrektur Wolfgang Vogt
Kommentare