Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart - Episode 59-1

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart - Episode 59-1

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart - Episode 59-1

# Jubiläum250

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart - Episode 59-1

St. Josef Altersheim - ein Neubau entsteht (Teil 1)

Die Schwestern in St. Josef wurden alle älter und Nachwuchs war nicht in Sicht. So beschloß das Mutterhaus in Görlitz die Auflösung der Niederlassung in Stralsund zum Jahresende 1979.

Es erfolgt dann die vertragliche Übergabe des Altersheims an die katholische Gemeinde Heilige Dreifaltigkeit unter Pfarrer Wolfram Lewicki. Dabei waren anwesend u.a. Caritasdirektor Reinhold Janiszewski aus Berlin, Herr Kronowski vom Caritas-Verband Berlin, Herr Diakon Lebek und als Kuratoriumsvorsitzende die neue Heimleiterin Schwester Rose-Renate Grüger, vom Mutterhaus in Görlitz Schwester Maria Leona sowie die bisher amtierende Oberin Schwester Maria Theresia. So enden am 31.12.1979 117 Jahre Borromäerinnen in Stralsund. Ein nicht leicht zu kompensierender Verlust.

1981 erfolgte ein Wechsel in der Leitung des Hauses. Herr Norbert Mann übernimmt die Leitung, Frau Hedwig Behrens (spätere Frau Grönwald) ist neue Pflegedienst-Leiterin. Eine Besonderheit hält im Haus Einzug : es gibt ein Diakonat von Frauen aus der Gemeinde  für den Nachtdienst als Unterstützung.

Barbara Aschenbrenner

St. Josefs-Heim nach 1979

Durch das Bestreben von Herrn Dekan Lewicki und besonders durch die große Unterstützung von Kaplan Bernhard Grönwald entschloss sich ein Gemeindemitglied, Herr Norbert Mann in Rücksprache mit seiner Familie, in den kirchlichen Dienst zu treten und die Leitung des Heimes zu übernehmen.  Reinhold Janiszewski, Caritasdirektor des Ostberliner Bistum, unterschrieb diesen Arbeitsvertrag.

Juni 1981, es wurde Sommer. Durch die anstehende Primiz von Martin Berger wurde der Garten des St. Josefs-Heimes platt gemacht. Die Gemeinde entfernte den Zaun zum Hof, fällte Bäume und schaffte Platz für eine Festwiese, zum Teil zum Entsetzen mancher Heimbewohner. Im Haus selbst lief alles seinen gewohnten Gang. Die Fenster mussten dringend verkittet werden. Zum Beginn der Heizungsperiode fiel die Kohleheizung aus. Von der Pfarrei, insbesondere von der Pfarrhaushälterin Frau Horstmann, erhielten wir Bahnheizkörper, von der Caritas Ölradiatoren. Zum Glück begann im Oktober 1981 Herr Hauser als Hausmeister seinen Dienst.

Er beschaffte die notwendigen Ersatzteile und reparierte die Heizung, sodass ein großes Problem kleiner wurde. Brennmaterial war eben nur die Braunkohle. Durch den Katastrophenwinter 1978/79 mit seinen Schneemassen mussten der Stadtverwaltung alle Keller- und Lagerräume für das Bunkern von Braunkohle gemeldet werden. So wurde auch der Hof des Altenheimes  Lagerplatz für die Kohle. Durch große Planen vom Güterbahnhof (Dank an H. G.), wurden die Kohlen abgedeckt. Im späteren Verlauf brachten uns die Kohlefahrer gegen ein kleines Dankeschön Briketts und Koks. Dies soll nur als Beispiel für viele andere Ereignisse dienen.

50 Bestecke aus der Schweiz für das St. Josefs-Heim

Im September 1984 klingelte es an unserer Wohnungstür. Es besuchte uns überraschend unser Freund Peter Friedli, den wir über die Taizebewegung kannten. Er war nur für einen Kurzbesuch ausgestattet, mit Sommerkleidung und einer Aktentasche. Der Grund seines Besuches war eine Spende von 50 Bestecken für unser St. Josefs-Heim. Leider war seine Tasche leer. Peter Friedli war über Westberlin in die DDR eingereist und musste die Bestecke dort lassen, zur Wiederausfuhr bei seiner Ausreise.

So fuhren wir am 6. September1984 mit unserem Trabbi nach Berlin zum Außenhandel der DDR. Dort wurden wir vorgelassen und konnten unser Problem schildern. Wir wurden auf den Deutschen Caritasverband in der Hamburger Straße zu einem Herrn Mühl verwiesen.

Herr Mühl erklärte uns, wohin Herr Friedli das Besteck nach seiner Ausreise nach Westberlin bringen sollte. Es vergingen wenige Wochen und voll Freude erhielten wir die 50 Chromstahl- Bestecke im St. Josefs-Heim.

Auszug aus der Stasiakte:

Die Bestecke wurden am 31.07.84 in einem Berner Kaufhaus für 610 Schweizer Franken gekauft. 450 Schweizer Franken spendete seine Kirchengemeinde, das restliche Geld stammte von Peter.

Friedli Peter erklärte weiter, dass er den Mann über die Kirche kennenlernte und ihn Jahr1983 erstmalig besuchte. Im Reisepass des Bürgers sind neben Visa nach Ungarn und der CSSR für August 83 ein Visum für die Städte Erfurt, Magdeburg und Rostock vermerkt.

Dem Kalender des Friedli Peter, der ebenfalls dokumentiert zur Verfügung steht, sind neben den Angaben zu Mann Norbert die DDR-Adressen SCHWARZ GEFÄRBT.    Zu entnehmen, auf die nicht eingegangen wurde.

Autor: Norbert Mann

Überarbeitet von Roland Steinfurth

Gemeinde Hl. Dreifaltigkeit Stralsund

Das hier Berichtete erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. 

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Katholische Kirchengemeinde Pfarrei St. Bernhard Stralsund/Rügen/Demmin • Frankenstr. 39 • 18439 Stralsund

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