Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart - Episode 55

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart - Episode 55

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart - Episode 55

# Jubiläum250

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart - Episode 55

Borromäerinnen (SMCB) in Stralsund - Teil 7

Ein Katholisches Waisenhaus und die ersten Ordensschwestern in Stralsund von 1862 bis 1979 zum Rückruf in ihr Mutterhaus nach Görlitz

Alle Bilder aus der Chronik des St. Josef Waisenhaus- Altersheims

Es gibt sie noch, die Barmherzigen Schwestern vom Hl.Karl Borromäus. Dass es für die Schwesterngemeinschaft der Borromäerinnen nicht mehr so einfach ist, wie es einmal war, zeigen die Zahlen. 348 Ordensschwestern zählte die ostdeutsche Provinz im Jahr 1948 bei ihrer Gründung. Damals gab es 32 Niederlassungen, die über das Gebiet der ehemaligen DDR verstreut waren. Auch Stralsund gehörte dazu! Heute gibt es nur noch zwei Niederlassungen: in Görlitz leben noch 39 Schwestern und in Wittichenau fünf. Der größte Wunsch der Regionaloberin ist, dass Kreuze "als Zeichen unseres Glaubens immer weithin sichtbar bleiben." 1927 hatten die Ordensschwestern das östlichste katholische Krankenhaus Deutschlands gegründet. In den 2000er Jahren hat nun der Malteserorden die Trägerschaft des Görlitzer Krankenhauses sowie die des St. Adalbertstiftes in Wittichenau übernommen.

Heute versorgen über 360 Mitarbeiter die Patienten des 188 Betten umfassenden Sankt Carolus Krankenhauses, das über vier Fachabteilungen verfügt. Jährlich werden hier etwa

5500 stationäre und über 6500 ambulante Patienten auf hohem medizinischem Niveau behandelt.

Das St. Adalbertstift in Wittichenau wird seit der Wende von den Borromäerinnen als Altenhilfeeinrichtung geführt. Zuvor war es ein Krankenhaus mit 100 Betten. Heute werden hier etwa 70 pflegebedürftige ältere Menschen von über 40 Mitarbeitern betreut.

Zurück in das Jahr 1976 - es brachte dem Stralsunder Konvent der Borromäerinnen einige Veränderungen. Schwester Leona folgte Anfang 1976 dem Ruf ins Mutterhaus nach Görlitz, dafür kam Schwester Horesia zu uns nach Stralsund. Am 01. April ging Schwester Honesta, unsere liebe Küchenschwester, Herrin aller Kochtöpfe und Pfannen, aus Altersgründen als Heimbewohnerin nach Wittichenau und im September kam altersbedingt Schwester Metrana aus Neuzelle als Heimbewohnerin in unsere Stralsunder Familie. Da uns das Mutterhaus keine weitere Küchenschwester für Schwester Honesta geben konnte, trat unser in Stralsund zuständige Pfarrer Herr Dekan Lewicki als Vermittler auf.

Der Pfarrer empfahl Fräulein Helga Grimm (Frau Helga Vital) dem Haus. Sie hatte in Sandau gelernt und in Magdeburg ihren Facharbeiter als Köchin und Wirtschaftsleiterin gemacht. Zur Unterstützung der Pflege,wurden weitere Kräfte in Teilbeschäftigung eingestellt.

Anfang 1976 bekam das Heim zur Erleichterung der pflegerischen Aufgaben durch Zuweisung der entsprechenden Stelle vom Rat der Stadt Stralsund  einen „Badehelfer“ und einen „Krankenlifter“.

Ein Projekt für vier weitere Garagen zwischen der bisherigen und dem Hoftor wurde genehmigt und der Baubeginn erfolgte so zeitig, dass der Rohbau noch vor Frostbeginn fertig war. Hausmeister Borgwardt schaffte das mit seiner ausgezeichneten Fach -und Sachkunde unter der Unterstützung und Mithilfe von Herrn Jürgen Grieger. Das Mutterhaus nahm unseren Trabant nach Görlitz und stellte uns dafür eine neue Wartburg zur Verfügung, der in Stralsund mit dem Kennzeichen AU 24 – 35 zugelassen wurde. Ist das nicht laut Elementen- tabelle: „Goldig „!

Manche frohe Veranstaltung wurde zur Auflockerung des Heimlebens mit den Heimbewohnern gemacht: der Zauberkünstler „RUDOLFI“ kam, die „Urania“ bot Dia - Ton Vorträge zu unterschiedlichen Themen an, das Landestheater- Ensemble erfreute in der Adventszeit mit Liedern zum Mitsingen und ein Ausflug nach Sellin zur Kapelle „Maria Meeresstern“ im schönen Monat Mai.

Schwester Oberin Waltraud war gesundheitlich erstaunlich fit und schaffte ihre Leitungs- und Verwaltungstätigkeit gut. So kam es für sie sicher überraschend, als sie Mitte Januar erfuhr, dass die Ablösung im Oberinnenamt nahe bevorstand.

Mit einem lachenden, aber auch mit einem weinenden Auge verabschiedeten wir Schwestern und die Heimbewohner unsere liebe Oberin Waltraud und begrüßten gleichzeitig ihre Nachfolgerin im Amt: Schwester Oberin Theresia, die am 30.01.1977 von der Provinzoberin in Görlitz Schwester Magna dazu berufen worden war. Schwester Oberin Waltraud übernahm zunächst eine Vertretung im Ottostift und ging dann nach Birkenfelde.

Nun waren wir im Konvent nur noch 8 Schwestern. 1977 wurden die neuen Garagen fertig. Die Garage gleich neben dem Hoftor wurde mit Fußbodenfliesen ausgelegt und abgeteilt. So hatten wir einen vernünftigen Ort zu Aufbewahrung unserer Verstorbenen, der schon lange fehlte. Eine Leichenhalle!

Für das Gartenhaus baute der Hausmeister eine massive Toilette mit fließendem Wasser.  So konnte das Gartenhaus besser für Besucher genutzt werden. Dann wurde im Erdgeschoss neben den Toiletten im Haupthaus eine gut funktionierende Duschkabine geschaffen und außerdem für Besucher im Gartenhaus und für die Nutzer der Gemeinderäume ein Kühlschrank aufgestellt.

Aus einer in Eisenach nicht mehr benötigten transportablen kleinen Verstärkeranlage begannen wir – zunächst noch nicht ortsfest – den Gottesdienst aus der Kapelle in den ersten Stock zu übertragen. Die Anlage wurde später so installiert, dass die Einstellung und Verwendung vom Büro der Oberen aus erfolgen konnte und flexiblen Extraleitungen nicht mehr gelegt werden mussten. So konnten auch gemeinsame Veranstaltungen im großen Saal der ersten Etage in den 2. Stock übertragen werden. Diese Einrichtung wurde von unseren manchmal schwer gehbehinderten Heimbewohnern mit besonderer Freude und Dankbarkeit angenommen. Man merkte es an den Redaktionen, wenn die Übertragungen aus technischen Gründen mal ausfielen. Am Ende des Jahres 1977 hatten auch alle Stationen einen ausreichenden Kühlschrank und einen Staubsauger. Sorgen machte uns zum Jahresausgang 1977 die Gesundheit von Schwester Adeltrudis. Sie musste sich in stationäre Behandlung ins St. Hedwigkrankenhaus in Berlin begeben. Von Dezember bis Anfang März 1978 war sie dort. Da sie aber die Medikamente erstaunlich gut vertrug, konnte sie zu Beginn des Herbstes 1978 auch aus der ambulanten Behandlung entlassen werden. Auch im Dezember 1977 musste Schwester Barsimea in die Augenklinik und sich einer Operation wegen Netzhautablösung unterziehen. Zuerst erschien es, als ob kein Erfolg zu verzeichnen wäre, doch kurz nach Neujahr begann sie wieder gut zu sehen. Einige Monate Ruhe brachten ihr die Festigung des  wiedergewonnenen Sehvermögens. Schwester Relina schaffte die Station in dieser Zeit mit unseren guten Mitarbeiterinnen mit großer Aufopferung, aber auch der ihr eigenen Ruhe.

Neben den häuslichen Kulturveranstaltungen machten wir 1977 unseren Ausflug in den Tierpark Stralsund. Herr Olienek, Tierparkdirektor und Mitglied der katholischen Gemeinde in Stralsund, schenkte uns viel Zeit für eine umfassende Führung. Zum Abschluss war dann eine sehr schöne Kaffeetafel in der nahen Gaststätte Stadtkoppel angesagt. Hier wurden auch besondere Plattenmusikwünsche erfüllt.

1978 wurden alle Malerarbeiten und das Verlegen von Fußbodenbelag auf allen Fluren vom Hausmeister erledigt. Auch die Heizungsanlage wurde in bester Weise überprüft und  ausgebessert. Außerdem wurden der Weg vom Hof zur Kapelle und zur Waschküche erneuert und mit Terrazzoplatten ausgelegt, das Gartenhaus erhielt einen neuen Anstrich. In unsere Kapelle wurde eine um sehr vieles hellere Beleuchtung installiert, dazu wurden Spendenmittel verwendet.

Im Juli 1978 besuchten uns unsere Provinzoberinnen Schwester Adelina und Schwester Magna zur Visitation. Es wurden alle Niederlassungen der Borromäerinnen in der DDR visitiert. Nach Abschluss dieser Visitation wurde neben vielen anderen Auflösungen, auch die Auflösung unserer Schwesternfamilie in Stralsund, als Ergebnis beschlossen. Hiervon wurde der Pfarrer von Stralsund, Herr Dekan Lewicki und unsere Schwester Oberin formal in Kenntnis gesetzt.

Am 17.08.1978 feierten wir in unserer Schwesterngemeinschaft das „Diamantene ewige Profess-Jubiläum“ unserer Lieben Schwester Adeltrudis. Schön und festlich wurde der Tag für sie und alle, die dabei waren.

Alles im Haus lief in gewohnter Weise weiter, trotz zu spürender Traurigkeit. Mit den Heimbewohnern machten wir einen Schiffsausflug nach Neuendorf auf die Insel Hiddensee und mit unseren Mitarbeitern fuhren wir nach Rostock. Etwas Besonderes erwartete uns zur Heiligabend-Bescherungsfeier; die Mädchen des evangelischen Schwesternheimathauses, Schülerinnen, spielten ein beeindruckendes biblisches Weihnachtspiel. Inhalt: Aus der Zeit Jesu, Beratungen der Schriftgelehrten zur Zeit der Volkszählung zu Christi Geburt. Es wurden alle Zuhörer mit einbezogen. Dies ist durchaus im nächsten Jahr wiederholbar.

Auch das in den Jahren 1977 und 1978 schon den Heimbewohnern vertraute Ensemble des Landestheaters gestaltete wiederholt einen tollen lustigen Faschingsnachmittag. Der Heimausflug 1979 ging noch einmal in den Tierpark Stralsund mit anschließender Kaffeerunde in der „Stadtkoppel“. Mit den Mitarbeitern waren wir 1979 in Ahlbeck und Zinnowitz sowie mit allen Schwestern unserer Gemeinschaft und Pfarrer Wolfgang Ehmer in Saßnitz und auf dem Königstuhl im Mai 1979.

Unsere Hauskapelle St.Josef wurde in diesem Jahr malermäßig generalüberholt. Leider hatte zum März 1979 der Hausmeister gekündigt. Ein finanziell besseres Angebot der HO (Handels – Organisation Lebensmittel) als Lagerist anfangen zu können gab den Ausschlag. Pfarrer Dekan Lewicki trat wiederum als Vermittler für seine Nachfolge ein. Es wurde Herr Kapteina für diese Aufgabe angestellt. Mit ihm zog auch seine Frau mit Kindern in die dritte Etage unseres Hauses ein. Frau Kapteina arbeitete in Teilbeschäftigung als Stationshilfe im Haus mit.

Wir mussten uns weiter um Nachfolger kümmern. Frau Monika Lange, Familienmutter mit 3 Kindern und ausgebildete Krankenschwester, begann am 13.09.1979 für täglich 5 Stunden ihre Arbeit. Frau Regina Siewek, eine werdende Mutter ging bei uns ab den 01.10.1979 ihre Vollbeschäftigung ein.

Schwester Adeltrudis folgte im September 1979 dem Ruf nach Wittichenau in den Ruhestand. Schwester Barsimea wurde nach Mecklenburg in die Kleinstadt Waren versetzt und Schwester Murina in die Hauptstadt nach Berlin Köpenick. Im November des Jahres verließ uns dann auch Schwester Relina in Richtung Görlitz.

Nach einigem Hin und Her sagte Ende des Jahres Frau Anni Storch als ausgebildete ledige Krankenschwester zu. Sie übernahm die Aufgaben in der Leitung der Pflege, war in der Durchführung aber sehr kompliziert. Nun war nur noch eine Heimleitung zu finden. Bemühungen des Dekan Lewicki hatten diesmal keinen Erfolg. Schließlich fand sich Frau Rosa-Renate Grüger, eine Caritas-Schwester aus Leipzig, bereit, die Aufgabe zu übernehmen. Sie kam am 26.12. 1979 spät abends.

Am 28.12.79 stellten wir zusammen mit Schwester Leona, die aus Görlitz angereist war, die neue Leiterin Frau Grüger bei Frau Kellermann vom Gesundheitswesen vom Rat der Stadt Stralsund vor. Am 29.12.79 erfolgte im St.Josef-Heim die vertragliche Übergabe der Borromäerinnen-Niederlassung an die katholische Pfarrgemeinde in Stralsund.

Hierbei zugegen waren auch Herr Caritasdirektor Janiszewski, Herr Kronowski vom CV, Herr Dekan Lewicki, Herr Lebek als Kuratoriumsvorsitzender, verschiedene Herren vom Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat der Gemeinde Hl. Dreifaltigkeit. Von Seiten der Schwesternschaft Frau Rosa Renate Grüger als neue Leiterin, aus dem Mutterhaus Görlitz Schwester Leona und unsere übergebende Stralsunder Schwester Oberin Theresia waren zugegen.

Zum Jahresschluss 1979 endeten 117 Jahr Tätigkeit der Barmherzigen Schwestern vom Hl.Karl Borromäus für die Gemeinde in Stralsund. Die Borromäerinnen erfüllten über hundert Jahre verschiedenste Aufgaben: Sakristei- und Orgeldienst in der Pfarrgemeinde, Religionsunterricht, ambulante Pflege, Kindererziehung und in den letzten 20 Jahren eine menschliche ganz persönliche Altenpflege. Das letzte Offizium in unserer vertrauten Kapelle beteten wir letzten vier Schwestern mit Schwester Leona am Fest der Hl. Familie am 30.12. 1979 die Laudes. Anschließend wurde mit der versammelten Gemeinde den Bewohnern die letzte gemeinsame Sonntagsmesse gefeiert, die Pfarrer Ehmer, unser „Hauskaplan“, zelebrierte. Zu Beginn verabschiedete sich Schwester Oberin Teresia auch im Namen aller Mitschwestern dankend vor der versammelten Gemeinde mit Tränen in den Augen. Nach der hl. Messe dankte Pfarrer Ehmer den scheidenden Schwestern für ihr Wirken mit all ihren Diensten und wünschte uns in seinem und der anwesenden Gemeinde Namen Gottes Segen für die Zukunft. Gemeindeleitung, Pfarrgemeinderat und KV konnten wohl nicht mit dabei sein.

Nach dem Mittagessen gingen wir die wenigen Schritte zum Bahnhof, begleitet von unseren Mitarbeiterinnen und einigen Gemeindemitgliedern. Bewusst wahrgenommen habe ich: Fräulein Edith, Fräulein Gertrud, Frau Helga Vital mit Mann, Monika Lange, Rosa-Renate Grüger, Herrn Heina ,unseren Orgelspieler und Marion Keil.

GEBET:

Wir danken Dir, Herr, dass Du uns in den 117 Jahren mit Deinem Segen und Deiner Gnade nahe warst. Bleibe Trost und Hoffnung für die Heimbewohner des St. Josefsheimes und stärke die alten und neuen Mitarbeiter im Dienst für die Gemeinde Stralsund.

Für uns Schwestern erbitten wir: Segne jede auf ihrem Weg, den sie in treuen Gehorsam geht, durch Christus unseren Herrn. Amen

Stralsund, den 30.12.1979   Schwester Oberin Teresia

Bild: Gedenkstein Borromäerinnen die auf unserem katholischen Friedhof beigesetzt wurden

Überarbeitet Roland Steinfurth

Korrektur Wolfgang Vogt

Gemeinde Hl. Dreifaltigkeit Stralsund

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