Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart - Episode 53

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart - Episode 53

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart - Episode 53

# Jubiläum250

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart - Episode 53

Borromäerinnen (SMCB) in Stralsund - Teil 6

Ein katholisches Waisenhaus und die ersten Ordensschwestern in Stralsund 1862 bis 1979 zum Rückruf in ihr Mutterhaus nach Görlitz

Alle Bilder aus der Chronik St. Josef Waisenhaus- Altersheim

Es gibt ein besonderes Lied der Borromäerinnen zu Ehren des Hl. Karl Borromäus:

Heiliger Karolus
Willst Du den Heilgen würdig ehren,
des Namensfest wir heut begehn,
muss Dein Gemüt auf seine Lehren,
auf seines Wandels Beispiel sehn.  

Du musst wie Er bemühet sein,
Dein ganzes Leben Gott zu weihn!    
Du Licht der Kirche. Schutz der Armen,
Du Engel der Barmherzigkeit,
Du warst voll Mitleid und Erbarmen
mit allem Elend allezeit  

Lehr uns, was heilige Liebe tut,
Entflamme uns mit Opfermut,
O Heilger, uns zum Schutz gegeben,
Sankt Karolus, so groß und fein,
Dein heilges Gott gefällges Leben
soll Antrieb uns zur Tugend sein

Blick segnend heut vom Himmelsthron,
Du unser heilger Schutzpatron!

Wir sind in den 60er Jahren. Am 1. Juni 1965 wurde unsere Mutter Oberin Schwester Petrussa als Oberin in das Sankt Adalbert- Krankenhaus nach Wittichenau, Kreis Hoyerswerda versetzt. Ihre Nachfolgerin wurde Schwester Oliva Felsmann.

Sie war zuletzt tätig als Oberin im St. Marien- Altersheim in Guthmannshausen in Thüringen. Viele Aufgaben und Probleme versuchte Schwester Olissa mit Gottes Hilfe zu Meistern.

Noch war kein Jahr vergangen, so musste der Schwesternkonvent in Stralsund erneut Abschied nehmen. Am 1. Mai 1966 rief Gott unsere Schwester Tarbula Mitzka in die ewige Heimat. Über ein halbes Jahrhundert durfte Schwester Tarbula in dieser Gemeinde segensreich wirken. 56 Jahre ging sie treu und bescheiden ihren Arbeiten in der Kinderbetreuung und dazugehöriger Seelsorge, der ambulanten Krankenpflege sowie Sakristei, und häuslicher Arbeiten nach. Im Schwesternkreis berichtete Schwester Tarbula oft von den schweren Anfängen des Hauses. – R.i.p.

Schwester Tarbula Mitzka

Geb.:  am 17.10.1884 - Verst.: am 01.05.1966

Auf Wunsch der hl. Kirche legte unsere Kongregation der „Barmherzigen Schwestern vom Hl. Karl Borromäus“ am 16.Juli 1966, am Fest „ Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel“, gemeinsam, feierlich das über 300 Jahre alte Ordenskleid ab. Das neue zeitgemäße Ordenskleid – schlicht und einfach - wurde angelegt. Besonders erkennbar an der schlichten neuen Haube, dies zum Zeugnis für Christus in der heutigen Welt wird.

Folgend eine kurze Zusammenfassung, was besonders in den Jahren – in denen Schwester Oberin Olivia Felsmann in Stralsund wirkte – an größeren Reparaturarbeiten anfiel.

1966 wurde als erstes in Feierabendarbeit ein Holzschuppen, einschließlich einer kleinen Werkstatt, errichtet, dessen Kosten ca. 1000,-Mark (DDR-Mark) betrugen. Der Dachboden des Haupthauses was sehr von Ungeziefer befallen. Im Auftrag des Mutterhauses und eben besonders durch die Bemühungen von Oberin Schwester Oliva Felsmann wurde im Frühjahr 1967 durch die PGH-Schädlingsbekämpfung ein Spritzverfahren mit „Hylotox 59“ durchgeführt. Es war ein guter Erfolg und die Dachkonstruktion konnte so erhalten werden. Die Kosten waren ähnlich denen zum Bau des Holzschuppens im Vorjahr. Im gleichen Jahr 1967 wurden am Hauptgebäude Klempnerarbeiten durchgeführt. Eine neue Zinkblech-Dachrinne wurde angebracht. Das Material dafür beschaffte unser Mutterhaus in Görlitz, einschließlich der Gerüstaufstellung wurden für die Reparaturarbeiten 4465 Mark ausgegeben. Durch die zu dieser Zeit viel zu geringen Pflegekostensatz konnten diese Ausgaben nur durch Zuschüsse vom Mutterhaus und Spenden aus der Gemeinde und besonderer Gönner gedeckt werden.

Weitere Generalreparaturen am Hauptgebäude wurden dringend erforderlich. Das sehr schadhaft gewordene Ziegeldach musste als nächste Hauptarbeit auf dem Plan stehen. Sehr schwer war es, hierfür eine Dachdeckerfirma zu finden. Es wurde dann eine Firma gefunden, die die Arbeiten in Feierabendarbeit auszuführen. Damit diese Arbeiten nicht über Monate ausgedehnt wurde, stellte die Firma, es war die Firma Kuphal, ihren 14-tägigen Urlaub zur Verfügung. Mit den Dachdeckerarbeiten wurden auch gleichzeitig die Zinkblech-Arbeiten abgeschlossen. Die Kosten für dies Arbeiten betrugen ca. 4500 Mark.

So konnte bis zum Jahr 1968 ein wesentlicher Teil für die Erhaltung des Gebäudes abgeschlossen werden. Bald danach war es auch nötig, den schlechten Putz vom Mauerwerk der Außenwände abzuklopfen und neu zu verputzen. Durch die PGH-Fortschritt- Bauhandwerk wurde das gesamte Hauptgebäude von allen Seiten restauriert. Der erhebliche Kostenaufwand von 11200 Mark konnte diesmal durch den neuen Pflegekostensatz bestritten werden. Dank der vielen Verhandlungen zwischen der Kirche und dem DDR-Staat wurden ab dem 01.01.1968 für alle konfessionellen Altersheime und Pflegeheime die Pflegesätze erhöht. Manche finanziellen Sorgen wurden dadurch kleiner.

Auch im Jahr 1969 mussten noch einige Reparaturarbeiten durchgeführt werden. Im April des Jahres wurde die Zentralheizung vom 2.  zur 3. Etage erweitert. Eine große Erleichterung für die Schwestern und das Personal wurde dadurch geschaffen. Einschließlich der Isolierung und Maurerrestarbeiten wurden dafür 6200 Mark ausgegeben. Der Caritasverband Berlin Ost stellte hierfür einen Zuschuss von 5000 Mark zur Verfügung. Nach all den vorangegangenen Arbeiten folgten nun Malerarbeiten in der 3. Etage, dem Treppenhaus und den Fluren. All diese Arbeiten konnten nur im Feierabend geschafft werden – das bedeutet, dass der finazielle Aufwand größer wird. Zur Freude aller Verantwortlichen im Heim war es möglich, durch eine Malerfirma das ganze Hauptgebäude zu streichen, sämtliche Fenster neu zu verkittet und anzustreichen. Das Mutterhaus in Görlitz unterstützte die vielen Ausgaben, die für die Erhaltung der Einrichtung notwendig geworden waren.

1970 konnte der große Gasherd in der Küche, welcher bereits 40 Jahre seinen Dienst leistete, durch einen neuen ersetzt werden. Als eine weitere große Anschaffung des Hauses und gleichzeitig die letzte Arbeit und Aufgabe in der Amtszeit von Oberin Schwester Olivia war das Aufstellen eines neuen Gartenzauns, welcher rund 4800 Mark kostete.

Durch viele Arbeit und manchen Kummer, welchen Schwester Olivia in ihrem Leben erfahren musste, schwächte sich ihr Gesundheitszustand. So war eine Ablösung angeraten. Diese erfolgte am 11. November 1971 durch Schwester Oberin Waltraud Preiß. Schwester Olivia wurde in den Ruhestand nach Eisenach versetzt. Schwester Oberin Waltraud Preiß war bis zur Auflösung der Einrichtung in Witterda bei Erfurt 23 Jahre als Kindergärtnerin tätig. Es wurde für sie eine völlig neue Aufgabe, eine größere Schwesterngemeinschaft und die Sorge für die zu betreuenden alten Menschen zu übernehmen. Das war schon etwas großes, was da auf sie zukam.

Mit frohem Mut und Gottvertrauen hatte sie sich bald eingearbeitet und viele Herzen der Hausbewohner gewonnen. Kurz vor diesem Oberinnenwechsel wurde auf Grund eines nochmal besseren Pflegekostensatzes durch den Caritasverband Berlin-Ost dem Haus ein PKW-Trabant-Kombi geschenkt. Als jüngste im Stralsunder Konvent kam nur Schwester Leona für das Fahren infrage. Und es funktionierte!  Es war eine richtige Unabhängigkeit entstanden. Denn nun brauchten die Schwestern für die vielen anfallenden Fahrten zu Einkaufen, Kleinmöbeltransporte u.a. keine anderen Personen bitten.

Die ersten größeren Reparaturen, welche auf Schwester Waltraud zukamen, waren eine neue Wasserleitung im Keller, zu gleicher Zeit wurde auch eine Wasserleitung in den Garten verlegt. Mit einem großen Aufwand wurden auch die Rekonstruktionsarbeiten an der gesamten elektrischen Anlage vorgenommen. Diese begannen 1972 und wurden bis 1976 fortgesetzt. Die Arbeiten wurden von Handwerkern, Mitarbeitern des Caritasverbandes Berlin-Ost angefangen und später vom dem dann angestellten Hausmeister und einem Elektromeister aus der Gemeinde beendet.

Da die Schwestern oft auf sich selbst und auf die Hilfe anderer Menschen im handwerklichen Bereich u. ä. angewiesen waren, bemühten sie sich um einen geeigneten und vielseitigen Hausmeister. Da durch den erhöhten Pflegekostensatz die Einstellung eines solchen Mitarbeiters im Heim möglich wurde, konnte am 15.Juli 1972 Herr Alfred Borgwardt als Hausmeister im St. Josefs-Heim seine Arbeit aufnehmen. Er war von Beruf Maurer, Fliesenleger und Eisenbieger, somit handwerklich sehr begabt. Dadurch konnten so manche Renovierungsarbeiten schnell erledigt werden. Sämtliche Maurer-, Maler- und Fußbodenlegearbeiten wurden von ihm ausgeführt.

Ab 01. Februar 1973 wurde durch den Rat der Stadt Stralsund, Abteilung Gesundheits- und Sozialwesen, in Alters- und Feierabendheimen auch eine Pflegestation Pflicht. Bei uns waren es acht Betten, die genehmigt wurden. Dadurch wurde es möglich, mehr Personal einzustellen, um so den überalterten Schwestern die pflegerische und häusliche Arbeit zu erleichtern. Die Kapazität der Plätze wurde wie folgt aufgeteilt: Altenheim: 25 Plätze Pflegeheim: 8 Plätze

Im Sommer 1973 wurde der damalige Schweinestall zur Garage umgebaut und das alte baufällige Fachwerk neu aufgestockt. Bald danach wurde das Dach der Waschküche überholt. Eine vollkommen neue Deckenbalkenkonstruktion wurde eingezogen.

1974/1975 wurden wieder weitere Malerarbeiten nach dem umfassenden Umbau der elektrischen Anlage nötig. Dann wurde 1975 der alte Holzschuppen abgerissen und durch massives Mauerwerk neu errichtet. Hausmeister Borgwardt und der Schornsteinfegermeister Herr Buchholz errichteten dieses gemeinsam. Es wurde vom Stadtbauamt abgenommen und genehmigt. Es entstand eine gut ausgestattete Werkstatt und ein kleiner Pausenraum für den Hausmeister.

Im Verlauf des Jahres wurde der Pflegekostensatz auf 11,30 Mark je Tag und Hausbewohner erhöht. Die war zu der Zeit nicht unbedingt ausreichend, aber die finanziellen Sorgen damit erträglich. Im Oktober 1975 wurde die Abberufung von Schwester Leona angemeldet. Daher musste sich Schwester Oberin Waltraud noch intensiver um die Verwaltung des Hauses kümmern. Schwester Leona hat neben ihren Trabbi -Fahrten diese Aufgabe sehr anständig und gut gemeistert.

Nach 15jähriger Tätigkeit in der Verwaltungsarbeit verlässt am 02. Februar 1976 Schwester Leona Stralsund und geht ins Mutterhaus nach Görlitz zurück, ihre Nachfolgerin ist Schwester Theresia Grünwald.

DANK SEI GOTT DEM HERRN FÜR SEINE HILFE UND SEINEN SEGEN

Schwester Leona zum Abschied im Januar 1976

Überarbeitet Roland Steinfurth

Korrektur Wolfgang Vogt

Gemeinde Hl. Dreifaltigkeit Stralsund

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