Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart - Episode 49

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart - Episode 49

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart - Episode 49

# Jubiläum250

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart - Episode 49

Borromäerinnen (SMCB) in Stralsund - Teil 5

Ein Katholisches Waisenhaus und die ersten Ordensschwestern in Stralsund vom ersten Tage 1862 bis zum Rückruf 1979 in ihr Mutterhaus nach Görlitz

Alle Bilder aus der Chronik St. Josef Waisenhaus- Altersheim

Dreihundertjähriges Jubiläum der Barmherzigen Schwestern

Die Geschichte des Ordens der „Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Karl Borromäus“ geht zurück auf die Notzeit nach dem Dreißigjährigen Krieg. Der Advokat Josef Chauvenel aus Nancy/Lothringen widmete sein Leben ganz den Armen, Kranken und Verlassenen und richtete eine Armenapotheke für Hilfsbedürftige ein. Als 1651 in Toul die Pest ausbrach, pflegte er dort die von der Seuche Befallenen, infizierte sich jedoch und starb im Alter von 31 Jahren. Dem Wunsch des Verstorbenen entsprechend, führte der Vater Emanuel Chauvenel dessen Lebenswerk weiter, indem er sein Vermögen für die Armenfürsorge einsetzte und gründete das Haus der Barmherzigkeit, La Charité. Einige Frauen halfen ihm als Freiwillige. Laut Urkunde nannten sich die ersten Schwestern „Schwestern von der Heiligen Familie“, was bedeuten sollte, dass sie dem Geist von Maria, Joseph und Jesus folgen wollten. Die eigentliche Ordensgründung erfolgte am 18. Juni 1652 in Nancy. Im Jahre 1662 schenkte Emanuel Chauvenel den Schwestern sein größeres Haus Saint-Charles, über dessen Eingang eine Statue des hl. Karl Borromäus stand. In Episode 48 wird über Karl Borromeo berichtet. Daher nannte das Volk die Schwestern Soeurs de Saint Charles Borromée (deutsch: Schwestern vom hl. Karl Borromäus) kurz: Borromäerinnen. Der Orden wuchs rasch. Die ersten Schwestern des Ordens kamen im Jahr 1811 von Nancy aus nach Trier. Bereits im Jahr 1810 war eine Niederlassung in Saarlouis gegründet worden. Im Jahr 1849 bezogen die Schwestern in Trier ein größeres Haus („Haus im Krahnen“) als Mutterhaus für die deutsche Provinz. Diese Kongregation und das entsprechende Mutterhaus betreiben heute z. B. das größte Klinikum von Trier. Sie ist in verschiedenen deutschen Orten vertreten, ebenso in den Niederlanden und Tansania.

1826 eröffnen sie ein Haus in Koblenz, 1845 folgt Prag. Von Prag kommen sie 1848 nach Neiße und 1870 nach Trebnitz. Von Neiße kamen 1862 dann zwei Schwestern nach Stralsund. Nach dem II. Weltkrieg wurde das Mutterhaus der Schwestern nach Görlitz verlegt und im Bistum Görlitz im Ort Wittichenau gibt es noch eine Niederlassung, den die Schwestern als Altersruhesitz nutzen.

DDR-Politik und der Versuch, Kirche einzuschränken

Standhaft bleiben – Neue Wege suchen

Wir sind Ende der 50er Jahre, das Waisenhaus wird im Jahr 1958 nach einer wüsten Zeitungshetze von den staatlichen Behörden der DDR geschlossen. Die Caritas des Bistums Berlin sah eine Möglichkeit, aus diesem Haus ein Altersheim zu machen. So wurde der Umbau begonnen. Die Pfarrgemeinde mietete das Erdgeschoss zur Hälfte. So die Kapelle St. Josef, die aus der ersten Etage ins Erdgeschoss verlegt wurde. Dann wurden im Erdgeschoss noch ein Büroraum und ein Gemeinderaum eingerichtet. Der hintere Teil des Erdgeschosses wurde weiterhin als Küche für das Altersheim genutzt. Die Gemeinderäume wurden auch das zu Hause von Jugend - und Ministrantengruppen. Im zweiten Stockwerk mietete die Gemeinde eine Kaplanswohnung mit zwei Zimmern und allem Zubehör. Daher wohnt ab diesem Zeitpunkt ein Kaplan dauerhaft im Altersheim. Der Hauptbahnhof war  in der Nähe, ebemso der oder die Haltepunkte für viele Omnibuslinien und bis 1966 auch die Straßenbahn, sowie ein Kleinbahnhaltepunkt der Strecke Stralsund-Barth-Damgarten bis 1969. Diese Knotenpunktlage bewirkte, dass der Gottesdienst im Hause Jungfernstieg 2 an Sonn- und Feiertagen früh 6.30 Uhr und 9.30 Uhr immer gut und sehr gut besucht war. Auch die Wochentagsmesse um 7.30 Uhr war relativ gut besucht. Die neue Kapelle St. Josef wurde eingeweiht am 22.Juni 1959 durch Bischof Dr. Alfred Bengsch, damals noch Weihbischof vom Bistum Berlin.

1962 – Wenn wir jetzt zur Hundert-Jahrfeier rüsten, dürfen wir wohl fragen: Wie wäre der Pfarrer von Stralsund in allen diesen Jahren wohl fertig geworden ohne die Barmherzigen Schwestern vom Hl. Karl Borromäus? Waisenkinder, Kommunikanten, Kinder von Müttern, die vorübergehend ins Krankenhaus mussten, später die Kranken und Alten der Umgebung und aus der Pfarrei, die Kirche mit der umfangreichen Kirchenwäsche usw.! Besonders muss hervorgehoben werden das Gebet der Schwestern. Wieviel Segen die Schwestern vom Himmel herunter gebetet haben auf die Pfarrei in Stralsund, wird erst am Jüngsten Tag klar werden. Nicht vergessen sollen auch die vielen Wohltäter sein, oft aus weiter Ferne, sie werden Stralsund vermutlich nur dem Namen nach gekannt haben. Man kann nur beten: Lieber Gott, belohne alle die lieben Schwestern, die in Stralsund gearbeitet haben, belohne aber auch die fernen und nahen Wohltäter! Der Geist der Liebe lebt. Dafür ist unser Haus in Stralsund ein deutlicher Beweis! Möge der Geist der Liebe auch fernerhin sein Walten uns spüren lassen.

Monsignore Friedrich Radek

Der Herr ist nahe!  Hundertjahrfeier der Borromäerinnen in Stralsund  

Am Sonntag, den 16. Dezember 1962 beging die katholische Gemeinde Hl. Dreifaltigkeit Stralsund zusammen mit Erzbischof Dr. Alfred Bengsch das hundertjährige Jubiläum der Barmherzigen Schwestern vom Hl. Karl Borromäus in Stralsund. In Stralsund größter Kirche, der evangelischen Marienkirche, zelebrierte Erzbischof Dr. Bengsch ein Pontifikatsamt. Die große Kirche war gedrängt voll mit den Gläubigen Stralsunds und der Umgebung, die gemeinsam mit zahlreichen Geistlichen gekommen waren, um in diesem festlichen Gottesdienst Dank zu sagen für alles, was Gott in hundert Jahren durch die selbstlose Arbeit der Schwestern in der Gemeinde gewirkt hat. – Bei seinem Eintreffen in der Kirche wurde der Erzbischof von dem evangelischen Pastor Fuhrmann herzlich begrüßt.

In seiner Predigt sagte Erzbischof Dr. Bengsch u. a. „Heute wird es euch allen so gehen wie mir, dass wir mit besonders freudigem Dank als Gottes Heiliges Volk vor das Angesicht des Vaters treten. – Seine Gnade ist es, dass die ehrwürdigen Schwestern vom Hl. Karl Borromäus nun ein Jahrhundert in Stralsund wirken dürfen. Vieles wäre aufzuzählen an Ereignissen, auch an traurigen, an Opfer und Leid, an stillem, geduldigem Liebesdienst; aber wir wollen vor Gott uns nicht rühmen, sondern danken, so gern ich auch an dieser Stelle meine Anmerkung ausspreche – Freudigen Dank empfinde ich, dass ich endlich wieder einmal mit Euch, meinen lieben katholischen Brüdern und Schwestern aus Stralsund, das Hl. Opfer feiern kann. Vor acht Tagen war ich in Rom, in der Gemeinschaft der katholischen Bischöfe aus der ganzen Welt, und empfing auch für euch den Segen des Heiligen Vaters, Johannes dem XXIII.

Möget ihr an diesem Tag und bei meinem Besuch spüren, dass Ihr hier nicht weniger Glied der Weltkirche seid, getragen von den Gebeten der Brüder aus allen Nationen und dem Herzen des Vikars Christi nahe.

Mit Freuden danke ich unseren evangelischen Brüdern, die uns für heute dieses Gotteshaus zur Verfügung gestellt haben, als ein schönes Zeichen, dass trotz alles Trennenden, das uns schmerzlich ist, der Glaube an Gott, den Vater unseres Herrn Jesus Christus, uns verbindet.

Selbstloser Liebesdienst geweihter Jungfrauen, es kann geschehen, dass wir den Sinn eines Ordenslebens nicht mehr recht sehen. Es geht hier nicht um menschliche Leistung, die groß ist, und nicht um menschliche Begrenztheit, die es im Ordensstand ebenso geben kann wie in der Ehe. Es geht um den Sinn überhaupt! Die Schwester, die ihr Leben Gott weiht und in den Diensten der Liebe am Bruder bewährt, ist Zeichen, Signal für den wiederkehrenden Heiland. Der Priester muss die Frohe Botschaft ausrufen und darf die Gemeinde Gottes um den Tisch versammeln, wo sie im Zeichen des Brotes jetzt bereits Christus begegnet.

Die gottgeweihte Schwester aber muss mit ihrem ganzen Leben und Opfer bezeugen, dass die Hochzeit des Lammes kommt, das heißt, dass Christus der Herr Seine geliebte Braut, die Kirche, heimholt zur ewigen Herrlichkeit. Deshalb bleibt sie ehelos, um auf Den hinzuweisen, Dessen ewige Liebe, am Kreuz bis zu der letzten erwiesenen Liebe, Ziel jedes Menschenlebens ist, wenn der Mensch sich nicht versagt.

Denn meine Brüder und Schwestern, was in einer besonderen Berufung von der Schwester gilt, das gilt in anderer Weise von Euch allen.

Jeder von Euch, inmitten einer ungläubigen Welt, ist Zeichen des Kommenden, Licht vom Lichte Christi. Jeder ist Glied in der Kirche, die sich in adventlicher Haltung dem wiederkommenden Herrn zuwendet, in der seligen Freude, dass Er jetzt schon bei uns ist, der in Herrlichkeit kommt.

Predigt zum Festjubiläum Erzbischof Alfred Bengsch

überarbeitet Roland Steinfurth
Korrektur Wolfgang Vogt
Gemeinde Hl. Dreifaltigkeit Stralsund

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