27/10/2026 0 Kommentare
Kaleidoskop der Begegnungen in Sankt Jakobi
Kaleidoskop der Begegnungen in Sankt Jakobi
# Bericht

Kaleidoskop der Begegnungen in Sankt Jakobi

Sonntag, der 25.10.2026, 14:00 Uhr in Sankt Jakobi in Stralsund. Eine für Insider nicht ungewöhnliche Zeit für einen Gottesdienst. Seit einigen Jahren wird zweimal im Jahr in der Jakobi-Kirche sonntags meist nachmittags ein ökumenischer Pilgergottesdienst abgehalten. Er findet in der kleine Pilgerkapelle, vor Jahren in dieser mittelalterlichen Stadtkirche dazu eingerichtet, statt. Von der Pilgerkapelle bis hinter die Säulen des Hauptschiffes sind die aufgebauten Stuhlreihen heute besetzt, fast 100 Pilgerfreunde sind bei diesem Gottesdienst dabei. An der Orgel begleitet Kantor Benjamin Saupe diesen Gottesdienst.
Die evangelische Gehörlosen-Pastorin E. Nemitz eröffnet den Gottesdienst mit einem Blick durchs Kaleidoskop. Ein Gerät, das durch Spiegelung bunter Objekte symmetrische, sich ständig verändernde Muster erzeugt; der Name bedeutet wörtlich „Begegnung schöner Formen“. So zeichnet der Gottesdienst heute anschaulich, wie Menschen zueinander finden, sich ergänzen und neues versuchen auszuformen.
In diesem besonderen Gottesdienst wurde Gemeindereferentin Marion von Brechan feierlich verabschiedet. Sie hat in den letzten Jahren vor allem die Tourismusseelsorge in unserer Pfarrei und anderen Teilen der vorpommerschen Region ganz entscheidend besonders auch ökumenisch geprägt. Wie ein sich ständig änderndes Kaleidoskop machte Sie (Marion), Glauben in unterschiedlichsten Formen, Farben und Bildern für Einheimische, Touristen und Urlauber erlebbar.

Marion von Brechan war seit fast 10 Jahren als Referentin für Tourismuspastoral im Pastoralen Raum in der katholischen Pfarrei St. Bernhard Stralsund-Rügen-Demmin und in Teilen der Pfarrei St. Otto Usedom-Anklam-Greifswald sehr aktiv unterwegs. In dieser Zeit etablierte sie mit den "Offenen Kirchen" in Sellin, Stralsund, teilweise der Begräbniskirche in Garz und der evangelischen Marienkirche in Bergen vielfältige Angebote für Urlauberinnen und Urlauber. Ausstellungen von verschiedenen Künstlern in den Kirchen, Lesungen und Vorträge von renommierten Persönlichkeiten gehörten ebenso dazu wie die Taize-Andachten, die Inseltouren und die Stadtpilgertour in Stralsund. Sehr, sehr vielfältig gestaltete Marion die touristischen Glaubens- Programm: „Für Marion war die erste Priorität, dass man wieder mit Gott in Kontakt kommt. Alle sollen angesprochen sein, egal welche Konfession sie haben, ob sie an Gott glauben oder nicht“.
Aus meinen Diensten zur „Offenen Kirche“, kann ich sagen, während manche Besucher nichts von Kirche wussten und viele Fragen hatten, gab es andere, die froh waren, mal mit jemandem in Ruhe und dazu noch an so einem schönen Platz wie der Kirche „Maria Meeresstern“ in Sellin zu reden. Immer mal wieder gab es auch diejenigen, die katholisch oder evangelisch, aber frustriert von der Institution Kirche gewesen sind, hier war vieles weit weg, der Blick wurde ein anderer. Dafür kann man Marion nur danke schön sagen.
Ein von Marion geschaffenes sehr wichtiges Projekt ist die Ökumenische Pilgerinitiative. Diese Ökumenische Pilgerinitiative Vorpommern wurde 2022 gegründet und ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein, der sich für die Förderung und geistliche Vertiefung der Pilgerarbeit in Vorpommern einsetzt. Unterstützt wird der Verein von der Katholischen und Evangelischen Kirche. Über den Verein werden Pilgerbegleitausbildungen, Pilgergottesdienste, Pilgertage und Pilgerfahrten organisiert. In der Pilgerkapelle in St. Jakobi Stralsund wird von Mai bis September dienstags eine Pilgervesper und mittwochs das Stundengebet am Morgen gebetet. Freitags beginnt hier die Stralsunder Stadtpilgertour mit einem Mittagsgebet.
Unverzichtbar bei allem Tun, sind die Ehrenamtlichen, die die Tourismuspastoral mitgestalten. Sie kommen aus der eigenen Pfarrei oder sind Interessentinnen und Interessenten aus ganz Deutschland, viele Großstädter aus Berlin. So hat Marion ein großes Netzwerk geschaffen, das Menschen im Glauben verbindet. Die gesungenen Lieder im Gottesdienst sprachen genau diese Sprache: “Alle meine Quellen entspringen in dir, ……. Atme in uns, Heiliger Geist…… oder, groß sein lässt meine Seele den Hern, “…Um nur einige zu nennen.
In dieser Art und Weise hat Marion Andere eingeladen mitzumachen. Vielfach ist ihr dies auch gelungen. Die Anwesenden beim heutigen Gottesdienst kommen aus allen Teilen unserer Pfarreien in Vorpommern.
Dann kam wieder das Kaleidoskop ins Spiel. Pastorin Ellen Nemitz machte die Kennenlernphase zwischen Ihr und Marion von Brechan sehr anschaulich präsent. Im Anschluss berichtete Pfarrer Bernhard Scholtz aus Bergen-Rügen heiter über seine gemeinsamen lukullischen Abschlussabendrunden mit Marion. Ein älteres Ehepaar aus Anklam erzählte über die jahrelange Begleitung durch Marion in sehr unterschiedlicher und intensiver Form. Frau Schade (EBO) überbrachte Dankesworte vom Erzbischof Heiner Koch und dem Ordinariat in Berlin. Der Mönchguter Pastor Olav Metz zitierte in Teilen gemeinsam mit Marion in Kurzform, ihre sonst im Freien stattfindenden, sehr aktiven Gottesdienste auf Rügen. Sabine Petters, die noch nicht so lange Zeit in der Tourismuspastoral tätig ist, machte in ihren Worten das Kaleidoskop-Bild von Marion von Brechan rund.
Für Marion, so denke ich waren ihre Jahre hier an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns in ihrer Unterschiedlichkeit auch spürbar. Es kostet Kraft für Einheimischen, Tagesgäste und Urlauber da zu sein und etwas anzubieten: Stadtpilgertouren, Tagespilgertouren zu Fuß oder mit dem Fahrrad, Taizé Andachten. Bei Pilger-, Strand- und Ufergottesdiensten hat auch Sie das besondere Inselklima, die salzige Meeresluft sowie den Sand unter den Füßen gespürt. So wie unser Wetter oft kantig und eckig daher kommt ist auch der Menschenschlag hier im Norden geprägt. Manches schlägt auch auf die Gesundheit. Also Vorsicht, ist man aber einmal angekommen, hält das auf Ewig, auch wenn viel Raum dazwischen liegen sollte.

Vieles, das Marion inszenierte wäre noch zu erwähnen, da sind neben den „Offenen Kirchen“ unter anderem Kunstausstellungen, Lesungen sowie vor Jahren der Bibelkrimi für Groß und Klein.
In den von Martina Steinfurth, Katja Heiden und Barbara Klatte vorgetragenen Fürbitten wurde alles noch einmal emotional auf den Punkt und vor Gott unseren Vater im Himmel gebracht.
Bei Kaffee und Kuchen zum Abschluss wollten die Gespräche und Dankesworte mit Marion nicht enden. Die Mehrzahl der Anwesenden hatte ein Geschenk oder eine Kleinigkeit für Marion zum Abschied dabei.
Liebe Marion, bleibe gesund, mögen die neuen Aufgaben im Bistum Bamberg deinen Vorstellungen entsprechen. Du hast hier bei uns im Norden so einiges aufgebaut, was es weiterzuführen und auszubauen gilt.
Deine „Offene Tür“ im neuen zu Hause nehmen wir dankbar an und noch einmal ein ganz inniger Dank für deine bei uns geleistete Arbeit.
Gottes Segen, eine gute Zeit und bleibe behütet, sagen alle Pfarreimitglieder, alle Hauptamtlichen, alle Vorpommern, Urlauber und Touristen, für die Du da warst.
Roland Steinfurth
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