Alois Dobczynski

Lass uns den Hass,
dass bittre Leid
fortlieben
aus der dunklen Zeit

Am 4. Juni 1945, vor 76 Jahren, starb Pfarrer Alois Dobczynski. Nach Kriegsende hatte er Mädchen im Glockenturm der katholischen Kirche in Barth „Maria, Trösterin der Betrübten“ versteckt, um sie vor russischen Soldaten zu beschützen. Sein Vorhaben wurde verraten, worauf ihn ein Soldat vor der Barther Kirche mit dem Gewehrkolben schlug. Dabei wurde Pfarrer Dobczynskis Kopf stark verletzt und er verstarb zwei Wochen später.

Der spätere Barther Pfarrer wurde am 2. Juni 1904 in Kiel geboren. Im April 1937 kam er nach Barth. Dass er der polnischen Sprache mächtig war, half bei der seelsorglichen Betreuung der polnischen Saisonarbeiter („Schnitter“). Wie sein Vorgänger und spätere Märtyrer Albert Willimsky trat Pfarrer Dobczynski gegen die nationalsozialistische Diktatur ein:

Seine Anstrengungen für polnische Zwangsarbeiter führten zu Konflikten mit den Nationalsozialisten, die Gestapo verhörte ihn in Greifswald und Brandenburg. Zwischenzeitlich war er in Haft. Gegen Ende 1944 zeigten sich körperliche Probleme. Seine Schwester berichtete von einem Zusammenbruch am 17. August 1944 aufgrund „dauernder körperlicher Überanstrengung“ sowie von einem schweren akuten Herzleiden.

„Lass uns den Hass, dass bittre Leid fortlieben aus der dunklen Zeit“ – dieser Aufruf aus Franz Johannes Weinrichs Choral „Herz Jesu, Gottes Opferbrand“ steht auf der Gedenktafel für Pfarrer Alois Dobczynski an der Kirchenmauer. Mit ihm erinnert sich die Barther Gemeinde an „ein[en] Seelsorger, ein[en] Priester, der sein Adsum, seine Liebe zu Gott und zu den Menschen gelebt hat“, wie es in einem anonymen Erinnerungstext heißt.