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St. Bonifatius, Bergen auf Rügen

Pfarrhaus und Kapelle 1910
Pfarrhaus und Kirche nach 1912
Pfarrhaus und Kirche 1989

Der Stralsunder Pfarrer Wendelin Zink berichtet in seinen Tagebuchaufzeichnungen Anfang des 19. Jahrhunderts von einigen seelsorglichen Reisen auf Rügen und Gottesdiensten in Privathäusern bei ansässigen Katholiken. 1863 kam es am äußersten Rande der Stadt Bergen zum Bau eines Missionshauses mit einer am 8. September 1863 eingeweihten Kapelle - umgebaut aus einem Gartenhaus und mit einem Anbau versehen. Im Oktober 1864 wurde dann offiziell durch den preußischen Staat die Errichtung einer "Missionspfarrei" St. Bonifatius genehmigt und Gustav Machni (bis 1869) als erster katholischer Pfarrer auf Rügen seit der Reformation angestellt. Bald konnte ein Pfarrhaus erbaut werden. Und von 1867-78 gab es sogar eine katholische Schule. Auf der gesamten Insel zählte man 1871 ca. 200 Katholiken.

Die Erhebung zur selbständigen Pfarrei erfolgte am 1. Juli 1910. Die ursprüngliche Kapelle reichte inzwischen nicht mehr aus: Die Chronik berichtet, dass in den Bänken mit sechs Plätzen 12 Personen untergebracht wurden, indem die eine Hälfte saß, während die andere Hälfte kniete! Eine neue Kirche musste also gebaut werden. In ganz Deutschland erbettelte Pfarrer Maximilian Kaller die dafür notwendigen Gelder. Der Berliner Architekt August Kaufhold entwarf einen neogotischen Backsteinbau mit einer Empore am nördlichen Querschiff, wodurch der Eindruck eines großen Kirchenraumes entstand. Das Konzept ließ eine etwaige Vergrößerung der Kirche problemlos zu. Dabei wäre in westlicher Richtung ein neues Langhaus entstanden und das jetzige Langhaus zum Querhaus geworden. Der Chor wäre übrigens erst dann nach Osten ausgerichtet.

Am 9. Juni 1912 konnte die neue Pfarrkirche benediziert werden. Ein Dachreiter mit Kreuz und Glocke krönt das erbaute Gotteshaus. Zu den Gottesdienstteilnehmern gehörten vor allem die zahlreichen polnischen Landarbeiter, mit denen Maximilian Kaller in Garz eine weitere Kirche errichtete.

Pfarrer Maximilian Kaller

Maximilian Kaller ist der bekannteste katholische Pfarrer auf Rügen. Während seiner Amtszeit von 1905 bis 1917 legte er die Fundamente für seine später bahnbrechenden Seelsorge als Pfarrer in der Berlin Innenstadtpfarrei St. Michael, in der er die Idee des sog. „Laienapostolats“ entwickelte – die heute so selbstverständliche Mitarbeit von Laien in der Seelsorge. 1925 ernannte ihn der Papst zum Apostolischen Administrator in Schneidemühl. 1930 wurde Maximilian Kaller Bischof von Ermland. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er aus seinem Bistum vertrieben und von Papst Pius XII. zum päpstlichen Sonderbeauftragten für die heimatvertriebenen Deutschen ernannt. Eine Büste von Bischof Kaller, gefertigt von der Bildhauerin Regine Wiegand, schmückt die linke Ecke im hinteren Kirchenschiff der St. Bonifatius Kirche in Bergen.